Gartner MQ26: Storage-Budgets 2027 könnten sich verdreifachen

Gartner MQ26: Storage-Budgets 2027 könnten sich verdreifachenGartner sieht den Enterprise-Storage-Markt vor einem deutlichen Umbruch. Für 2027 sollen I&O-Verantwortliche wegen knapper SSD-, HDD- und DRAM-Kapazitäten mit 250 bis 300 Prozent des Storage-Budgets von 2025 kalkulieren. Zugleich verändern KI-Nachfrage, Cyber-Resilienz und Storage-as-a-Service die Architekturplanung im Rechenzentrum.

Die Kostenfrage rückt bei Enterprise-Storage wieder ganz nach oben auf die Agenda. Im neuen Gartner Magic Quadrant for Enterprise Storage Platforms empfiehlt das Analystenhaus, für 2027 mit 250 bis 300 Prozent des Storage-Budgets von 2025 zu rechnen. Hintergrund sind Engpässe und steigende Preise bei SSD-Flash, HDDs und DRAM.

Für Unternehmen mit Refresh-Projekten in den kommenden zwölf bis 18 Monaten gewinnt damit die frühzeitige Planung von Kapazitäten, Vertragsmodellen und Ausbaupfaden an Bedeutung. Die Entwicklung passt zu einem Trend, über den speicherguide.de bereits im Juli berichtet hat: DRAM- und NAND-Preise steigen deutlich, zusätzlich getrieben durch die Nachfrage aus KI-Rechenzentren.

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Vier Trends verändern die Storage-Planung

Gartner verbindet den Kostendruck mit mehreren strukturellen Veränderungen. Bis 2029 sollen Storage-as-a-Service-Modelle 50 Prozent der Investitionsausgaben für lokale Enterprise-Storage- und Datendienste ersetzen. Anfang 2026 lag der Anteil bei 25 Prozent.

Bei unstrukturierten Daten erwartet Gartner ebenfalls eine stärkere Konsolidierung: Mehr als 80 Prozent der lokal gespeicherten Daten sollen 2029 auf gemeinsamen Plattformen liegen statt auf getrennten File- und Object-Systemen. 2025 waren es rund 50 Prozent.

Für KI fällt der Sprung noch deutlicher aus. Bis 2029 sollen rund 70 Prozent der Unternehmen spezielle Storage-Tiers für großskalige KI-Inferenz und Retrieval-Augmented Generation einsetzen. Anfang 2026 lag der Anteil unter zehn Prozent.

Parallel soll Cyber-Resilienz tiefer in die Speicherplattform wandern. Gartner erwartet, dass 2029 sämtliche Storage-Produkte Cyberstorage-Funktionen zur aktiven Abwehr enthalten. Anfang 2026 lag der Anteil bei etwa 25 Prozent.

Auch die Hersteller stellen KI zunehmend in den Mittelpunkt ihrer Storage-Strategien. »Da KI die Unternehmen verändert, brauchen Kunden mehr als nur einen Ort, an dem sie ihre Daten speichern können«, sagt Jim O'Dorisio, SVP und General Manager Storage bei HPE. Everpure argumentiert ähnlich: »Für skalierbare KI werden fragmentierte Unternehmensdaten zunehmend zum Hindernis«, meint CEO Charles Giancarlo. Eine engere Verzahnung von Storage, Datenmanagement und Governance sei daher eine Voraussetzung, um Daten für KI-Anwendungen nutzbar zu machen.

Sechs Hersteller bleiben im Leader-Quadranten

Die Rangfolge im Magic Quadrant verändert sich wenig. Dell, Everpure, HPE, Huawei, IBM und NetApp stehen erneut im Leader-Quadranten. Everpure, bis Februar 2026 noch Pure Storage, liegt sowohl bei »Ability to Execute« als auch bei »Completeness of Vision« vorn.

Hitachi Vantara wird als Visionary geführt und die bei uns eher unbekannte IEIT Systems als Niche Player. Einen Challenger gibt es nicht. DDN, 2025 noch im Feld, ist diesmal nicht mehr vertreten.

Für Käufer ist die enge Leader-Gruppe deshalb nur ein Teil der Aussage. Wichtiger sind die jeweiligen Stärken und Einschränkungen sowie die Frage, wie gut eine Plattform ins eigene Betriebsmodell passt. Bei schwankenden Kosten und Lieferzeiten gewinnen flexible Ausbaupfade zusätzlich an Bedeutung.

Storage-Beschaffung wird wieder strategischer

Für den Mittelstand bedeutet die Gartner-Prognose nicht, dass sich jedes Storage-Budget 2027 zwangsläufig verdreifacht. Die Zahl ist eine Planungsannahme und kein individueller Preisaufschlag. Sie zeigt aber, wie ernst Gartner KI-Nachfrage, Komponentenknappheit und veränderte Plattformmodelle bewertet.

Wer 2027 oder 2028 größere Storage-Projekte plant, sollte deshalb neben Stückpreisen auch Lieferfähigkeit, Erweiterungsoptionen, Energiebedarf sowie Lizenz- und Servicekosten berücksichtigen. Auch die Bindung an proprietäre Betriebs- oder Verbrauchsmodelle wird wichtiger.

Der neue Magic Quadrant liefert damit weniger eine Überraschung bei den Herstellern als eine Warnung für die Planung: Das Anbieterfeld bleibt vergleichsweise stabil, wirtschaftlich ist Enterprise-Storage vorerst alles andere als berechenbar.