Ewigbyte archiviert Daten dauerhaft in Glas
Das Entwicklungsziel von Ewigbyte ist, Cold-Data künftig dauerhaft in Glas zu archivieren. Die WORM-Medien benötigen im Ruhezustand weder Strom noch Kühlung und sollen Temperaturen bis 600 Grad Celsius standhalten. Erste Pilotprojekte sind für 2026 geplant.
Die weltweit erzeugte Datenmenge wächst rasant. Nach einer Prognose von IDC könnte sie bis 2030 erstmals die Schwelle von einem Yottabyte (YByte) pro Jahr überschreiten. Ein großer Teil dieser Informationen wird nach der Speicherung jedoch kaum noch genutzt. Bislang gilt Magnetband als wichtigstes Medium für die langfristige Archivierung. Mit Glas könnte künftig eine weitere Speicherklasse für unveränderliche und besonders langlebige Daten hinzukommen.
Ein erstes Pilotprojekt will das Münchner Unternehmen ewigbyte noch 2026 starten. Dies bestätigte Dr. Ina von Haeften, Mitgründerin und Head of Operations bei Ewigbyte, auf den TechDays Munich. Das Unternehmen entwickelt nach eigenen Angaben ein besonders widerstandsfähiges Storage-Medium aus Glas, das sich einmalig beschreiben lässt.
Die Daten werden mit ultrakurzen Laserpulsen als dauerhafte Nanostrukturen gespeichert. Für das geplante industrielle System nennt Ewigbyte Schreibgeschwindigkeiten von zwei bis vier GByte/s.
Künstliche Intelligenz macht Cold-Data wieder nutzbar
Immer größere Datenbestände treffen auf steigende Energiepreise, knappe Rechenzentrumskapazitäten und einen wachsenden Aufwand für die langfristige Archivierung. Gleichzeitig könnten bislang kaum ausgewertete Daten durch künstliche Intelligenz wieder an Wert gewinnen.
Dr. Ina von Haeften, Ewigbyte»Ein großer Teil der Datenbestände wird bislang lediglich archiviert und kaum ausgewertet«, erklärt von Haeften. »Künstliche Intelligenz und leistungsfähigere Analyseverfahren machen solche Cold-Data künftig produktiv nutzbar – etwa für Forschung, Mustererkennung, Simulationen oder das Training spezialisierter Modelle.«
Von Haeften sieht darin eine Schwachstelle heutiger Speicherarchitekturen: »Daten werden erzeugt und aufbewahrt, obwohl bei ihrer Entstehung häufig noch nicht absehbar ist, welchen Nutzen sie später haben könnten. Dies betrifft beispielsweise Forschungsdaten, Satellitenaufnahmen, historische Dokumente sowie Informationen aus Behörden, Unternehmen und kritischen Infrastrukturen.«
Das 2025 gegründete Unternehmen setzt dafür auf photonische Langzeitspeicherung. Ein digitaler Mikrospiegel-Modulator verteilt das Laserlicht so, dass ein einzelner Puls zahlreiche Datenpunkte in die Oberfläche eines unbeschichteten Glasträgers schreiben kann. Die gespeicherten Strukturen lassen sich anschließend optisch erfassen und wieder in digitale Daten übersetzen.
Datenträger misst 19 mal 19 Zentimeter
Der vorgesehene Glasträger misst nach Angaben von Ewigbyte 19 × 19 Zentimeter und ist drei Millimeter dick. Das Medium soll Temperaturen von bis zu 600 Grad Celsius standhalten. Da die Informationen als Strukturen im Material vorliegen, benötigt der Datenträger nach dem Schreibvorgang weder Strom noch Kühlung.
»Glas ist als Medium widerstandsfähig gegenüber Wasser, Feuchtigkeit, Strahlung und elektromagnetischen Impulsen«, argumentiert von Haeften. »Anders als magnetische Medien enthält der Datenträger keine Beschichtung, magnetische Schicht oder elektrische Ladung, die sich mit der Zeit verändern könnte.«
Das Verfahren ist als WORM-Speicher konzipiert: Einmal geschriebene Daten lassen sich nicht überschreiben oder verändern. Damit richtet sich die Technik vor allem an Archive, Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen, die Informationen über Jahrzehnte unverändert aufbewahren müssen.
Die Unveränderbarkeit soll zugleich vor Manipulationen schützen. Ein passiver Datenträger ohne Elektronik, Firmware und Netzwerkverbindung lässt sich nicht aus der Ferne mit Ransomware verschlüsseln oder löschen. Der gesamte Archivierungsprozess ist damit allerdings nicht automatisch gegen Cyberangriffe abgesichert. Schreibsysteme, Metadaten, Zugriffskontrollen und Lesesysteme benötigen weiterhin geeignete Sicherheitsmaßnahmen.
Storage-as-a-Service auf Glasbasis
Das Unternehmen arbeitet derzeit an einem ersten industriellen Prototypen für das Schreiben, Lagern und Auslesen der Glasmedien. Auf den Techdays zeigte von Haeften eine Roadmap, die für 2027 Kapazitäten von bis zu 500 TByte in Aussicht stellt. Bis 2028 soll die Petabyte-Grenze überschritten werden.
Als Geschäftsmodell ist zunächst ein verwalteter Archivierungsdienst (Storage-as-a-Service) vorgesehen. Ewigbyte will Kundendaten auf Glas schreiben, die Datenträger außerhalb aktiver Cloud- und Rechenzentrums-Infrastrukturen lagern und die Informationen bei Bedarf optisch auslesen.
Bei Großkunden sei auch denkbar, dass sie eigene Systeme installieren und betreiben. Einzelne Schreib- oder Lesegeräte sollen zunächst jedoch nicht als eigenständige Produkte angeboten werden.