27.06.2019 (kfr)
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Cloudian: »Deutsche Kunden am anspruchsvollsten«

Deutschland ist einer der Kernmärkte für den Objektspeicher-Spezialisten Cloudian. Gleichzeitig handelt es sich auch um einen der anspruchsvollsten Märkte, denn deutsche Firmen sind sehr Technologie-lastig, außerordentlich gründlich und legen maximalen Wert auf Datensicherheit.

Die Kollegin Ariane Rüdiger sprach für uns mit Mike M. Tso, Cloudian-Gründer und CEO sowie mit Carsten Graf, zuständig für die Geschäftsentwicklung im deutschsprachigen Raum, über die aktuelle Entwicklung und künftigen Pläne.

  Herr Tso, Cloudian hat sich im Markt für Objektspeicherlösungen inzwischen in Relation zur Größe des Unternehmens gut etabliert, besonders in Deutschland. Wie kommt das?

Carsten Graf, der das Cloudian-Geschäft im deutschsprachigen Raum aufbaut und Michael M.Tso, CEO und Gründer (Bild: Ariane Rüdiger).Carsten Graf, der das Cloudian-Geschäft im deutschsprachigen Raum aufbaut und Michael M.Tso, CEO und Gründer (Bild: Ariane Rüdiger).Tso: Das hat mit der außerordentlichen Gründlichkeit und Technologielastigkeit deutscher Unternehmen zu tun, außerdem wohl damit, dass hier sehr viel Wert auf Datenschutz und -sicherheit gelegt wird. Wir haben in Japan, dem wohl anspruchsvollsten Markt in Sachen Technologiequalität mit dem Auslandsgeschäft begonnen, weil wir dachten, wenn wir es dort schaffen, dann schaffen wir es auch woanders. Und das hat sich als richtig erwiesen. Von unseren 350 Kunden sind rund 150 aus Europa, darunter viele aus dem deutschsprachigen Raum.

  Können Sie uns genauer sagen, was Sie mit anspruchsvoll meinen?

Graf: Da geht es zum Beispiel darum, ob Handbücher wirklich gelesen werden. Das werden sie nämlich in den meisten Weltgegenden nicht. Die Anwender lesen das Nötigste, probieren herum und kommen dann schon darauf, wie es geht, oder eben nicht. Deutsche Anwender sind anders: Die rufen Sie an und sagen, dass Inkonsistenzen zwischen den Beschreibungen auf Seite x und denen auf Seite y bestehen. Wir nehmen derartige Hinweise sehr ernst und auch sehr gern auf. Denn sie machen unsere Produkte letzten Endes besser.

  Ihre Kunden sind Firmen und Institutionen, die massenweise große unstrukturierte Datenmengen zu verwalten und zu analysieren haben. Was sind die entscheidenden Punkte, mit denen Sie bei diesen Anwendern punkten?

Tso: Vielleicht sollte ich an dieser Stelle etwas zur Geschichte unserer Firma sagen. Cloudian ist das dritte Startup, an dem ich an entscheidender Stelle mit beteiligt bin. In allen Firmen ging es um die Handhabung großer Datenmengen, ihre sichere globale Verteilung und Nutzung. Die zugrunde liegende Theorie ist das von Eric Brewer entwickelte CAP-Theorem, das als Theorem übrigens nicht geschützt ist. Es besagt, dass man von den Parametern Kapazität, Verfügbarkeit und Partitionierung (CAP) immer nur zwei optimieren kann, der dritte wird so gut es bei Optimierung der beiden anderen geht gemacht.

Etwas Besseres als dieses Theorem gibt es für hoch skalierbare, hoch verfügbare Systeme, wie wir sie bauen, derzeit nicht. Meine letzte Firma kannte niemand, weil wir nicht werben mussten. Denn die Kunden für unser global verteiltes Messaging-System waren viele der größten Telekom-Provider. Wir wissen also, was wir tun, wenn wir mit großen, unstrukturierten Daten, Multi-Tenant und Multi-Cloud umgehen. Eine Cloud ist für uns, vereinfacht gesprochen, nur ein Server.

Cloudian für MSPs

  Inwieweit adressieren Sie auch den Provider-Markt?

Tso: Wir haben ein Programm für Managed-Service-Provider aufgelegt, das gerade für Europa und den deutschsprachigen Raum interessant ist. IDC sagt, dass der Markt für Cloud-Storage-Services weltweit 2019 20 Milliarden US-Dollar erreichen und sich in den nächsten drei Jahren auf 44 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln soll. Die besten Chancen haben danach Nischenangebote, beispielsweise für sicherheitsbewusste europäische Unternehmen.

Deutsche Firmen sind ja nicht unbedingt darauf aus, ihre wertvollen Daten zu den Hyperscalern zu legen, sie behalten sie lieber im Haus, oder geben sie höchstens zu einem kleineren Dienstleister, dem sie voll vertrauen, weil sie ihn oft persönlich kennen. Die Multi-Tenant-Fähigkeit unserer Lösung und die Möglichkeit, den Redundanz- respektive Verfügbarkeits-Level der Daten auch für Teildatenbestände eines Kunden unterschiedlich zu definieren, ermöglicht den Providern, sehr vielfältige Services mit nur einer Hardware-Basis aufzulegen.

  Gibt es schon MSPs im deutschsprachigen Raum, die Sie gewinnen konnten?

Graf: Ja, es gibt veröffentlichte Beispiele, über die wir reden können. So verwendet 1&1 Ionos unsere Technologie für seine Storage-Services. Auch Brennercom, ein Provider in Italien, Deutschland und Österreich, bietet mit Hilfe unserer Lösung in der BCloud entsprechende Speicherdienste an.

  Können Sie deutsche Enterprise-Kunden nennen?

Graf: Zu unseren deutschsprachigen Enterprise-Kunden gehören SwissPostFinance und RheinEnergie.

Brücke zwischen S3-Clouds und Azure

  Wozu setzen Kunden Ihre Lösungen ein?

Architektur des Cloudian-Systems mit NAS-Controller Hyperfile und drei Storage-Knoten Hyperstore (Bild: Cloudian).Architektur des Cloudian-Systems mit NAS-Controller Hyperfile und drei Storage-Knoten Hyperstore (Bild: Cloudian).Tso: Enterprise-Kunden kaufen lieber die Appliance als die Software-Lösung, insbesondere, weil dann die Zuständigkeiten bei Wartungsfragen klar geregelt sind und sie sich nicht um den Aufbau eines Systems kümmern müssen. Wir haben ein paar Möglichkeiten, die woanders nicht unbedingt verfügbar sind. So können wir mit Microsoft Azure, AWS, Google und anderen S3-kompatiblen Systemen kommunizieren.

Da AWS als Speicherschnittstelle S3 nutzt, Azure aber bislang S3 trotz dessen breiter Nutzung nicht implementiert hat, verwenden uns IT-Abteilungen quasi als Zwischenstation, um Daten von Azure in AWS oder Google zu migrieren oder umgekehrt, und auch von On-Prem in die Clouds der Hyperscaler. Außerdem bieten wir so viel Processing-Power, dass es nicht mehr nötig ist, Daten für die Analyse auf proprietäre Hadoop-Lösungen zu verschieben, die Leistung reicht aus, diese Aufgaben direkt auf unseren Systemen zu rechnen. Das ist einfacher und günstiger, als proprietäre analytische Systeme zu kaufen.

  Sie haben erst kürzlich eine neue Finanzierungsrunde beendet. Für was werden die Gelder investiert?

Tso: Wir könnten zwar schon profitabel sein, unser Umsatz bewegt sich im oberen zweistelligen Millionenbereich. Aber im Moment ist es uns wichtiger zu expandieren und unseren Vertrieb zu verstärken. Wir verbreitern also die Personalbasis, auch in Deutschland und arbeiten an neuen Partnerschaften auf der Vertriebsseite, über die wir aber noch nicht sprechen können.

  Wie sieht es mit neuen Funktionen aus? Ist da in der nächsten Zeit viel zu erwarten?

Tso: Das System wurde von uns bereits relativ rund gemacht, es gibt wohl kaum noch wichtige Funktionen, die fehlen. Wir hören da natürlich genau auf unsere Kunden. Aber natürlich geht auch da noch mehr. Wir denken vor allen Dingen an eine noch leichtere Skalierbarkeit und mehr Automatisierung.

Graf: Im Moment geht es auch darum, vorhandene Implementierungen weiter wachsen zu lassen, denn viele Kunden steigen mit einer überschaubaren Systemgröße ein und wenn sie sehen, dass das System gut funktioniert, dann wachsen die Implementierungen immer sehr schnell weiter.

  Was heißt überschaubar, was kostet das, und in welche Bereiche gehen die Datenvolumina später?

Tso: Das ist wie üblich bei solchen Lösungen eher individuell, aber für ein Einsteigersystem sollte man schon 60.000 Euro bei 100 TByte Speicher rechnen. Nach oben sind die Grenzen dann eigentlich offen. Bei den Kunden, mit denen wir arbeiten, wie Financials, Forschung, Healthcare und Medien sowie Bereiche, in denen sehr große Mengen an dauerhaft zu speichernden unstrukturierten Daten anfallen, geht es natürlich schnell in den PByte-Bereich hinein.



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