16.12.2016 (eh)
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Chapter 11: Flash-Pionier Violin Memory ging das Geld aus

  • Inhalt dieses Artikels
  • Violin Memory war einer der wenigen, die eigene Flash-Module entwickelten
  • Violin Memory steckte im Highend-Segment fest
  • Wie geht’s weiter unter Chapter 11?

Was für ein Niedergang: Der Börsenkurs von Violin Memory an der Frankfurter Börse in Euro (Bild/Quelle: onvista.de)Was für ein Niedergang: Der Börsenkurs von Violin Memory an der Frankfurter Börse in Euro (Bild/Quelle: onvista.de)Die IT-Branche ist berühmt dafür, dass Pioniere oftmals Schiffbruch erleiden. Jetzt wird dieser unrühmlichen Historie ein weiteres Kapitel hinzugefügt: mit Violin Memory erwischte es einen Flash-Pionier. Das Unternehmen musste gestern in den USA »Chapter 11« anmelden – heißt, es ist defacto pleite. Chapter 11 ist ein Gläubigerschutzparagraf, und unter diesem Rechtsschirm kann sich ein Unternehmen reorganisieren und neu aufstellen. Rettung ist damit zwar möglich, die Industriegeschichte zeigt aber, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist.

Violin Memory war an der US-Börse Nasdaq notiert. Der Börsenkurs zeigt den dramatischen Niedergang: Von einem Allzeithoch vor rund zweieinhalb Jahr bei um die 30 US-Dollar auf nur noch 5 US-Cent gestern. Die Börsenbewertung wird zuletzt mit nur noch 1,33 Millionen US-Dollar angegeben.

Violin Memory war einer der wenigen, die eigene Flash-Module entwickelten

Flash-Arrays von Violin werden mit speziellen »Violin Intelligent Memory Modules« (VIMM) bestückt (Bild: Violin Memory)Flash-Arrays von Violin werden mit speziellen »Violin Intelligent Memory Modules« (VIMM) bestückt (Bild: Violin Memory)Violin Memory war eines der ersten Unternehmen, das auf All-Flash-Arrays setzte. Man heimste damit allerhand Anfangserfolge ein. Der Börsengang 2013 war eine fast zwangsläufige Folge. Mit dem frischen Geld sollte das Unternehmen, das wie viele Startups rote Zahlen schrieb, auf finanziell gesunde Füße gestellt und fit für die Zukunft gemacht werden.

Doch das Gegenteil trat ein. Violin Memory entwickelte für ihre Arrays eigene Flash-Module, während das Gros der Konkurrenz auf Standard-SSDs setzte. Die Performance der Violin-Arrays war zwar dementsprechend beeindruckend und in der Regel (teilweise deutlicih) besser als die der Konkurrenten – aber an der Software-Anbindung an Applikationen happerte es: Die Violin-Arrays konnten ihre herausragende Performance nur ein speziellen Highend-Applikationen auf die Straße bringen. Ähnlich erging es zwar auch den anderen Pionieren Texas Memory Systems und Fusion-io, doch diese wurden zeitig von IBM bzw. SanDisk weggekauft.

Violin Memory steckte im Highend-Segment fest

Und so verschlang bei Violin Memory die Entwicklungsabteilung und der Verbleib im Highend-Segment viel zu viel Geld, die Umsätze hielten mit der (technischen) Unternehmensentwicklung nicht Schritt. Neue Konkurrenten, die sich zunächst mehr dem Mittelstandsmarkt verschrieben haben – wie beispielsweise Pure Storage, SolidFire, Tegile, Tintri, Kaminario oder Nimble Storage – übten weiteren Druck auf Violin Memory aus. Dazu kam, dass mittlerweile auch Storage-Branchengrößen wie EMC, HDS, IBM, NetApp, HPE, Dell oder Fujitsu den All-Flash-Markt für sich entdeckten.

Erschwerend kam hinzu, dass neue All-Flash-Konkurrenten es ihren Kunden mit einfacheren Geschäfts- und Upgrade-Modellen einfacher machten, sich generell für All-Flash zu entscheiden. Pure Storage war hier einer der Wegbereiter mit ihrem »Evergreen Storage«-Modell. Aber auch Solidfire (mittlerweile von Netapp übernommen), Tegile, Kaminario oder Nimble Storage brillieren mit ähnlichen Business-Modellen. Und so steckte Violin in ihrem Highend-Segment mit ihren erklärungsbedürftigen Lösungen fest – während die Konkurrenz mit verständlicheren Lösungen und Geschäftsmodellen den Markt aufrollte. – Das Schicksal vieler Pioniere….

Noch letztes Jahr auf der »VMworld Europe 2015« in Barcelona war das Management guter Dinge, dass man sich reorganisiert und für neue Märkte und den derzeit laufenden dritten Flash-Wachstumsschub gut aufgestellt habe. Doch es blieb leider ein Wunschtraum – auf der diesjährigen »VMworld Europe 2016« vor zwei Monaten war Violin Memory nicht mehr vertreten, während praktisch die gesamte Konkurrenz versammelt anwesend war. Sowas lässt leider tief blicken…..

Wie geht’s weiter unter Chapter 11?

Unter dem US-Gläubigerschutzparagrafen Chapter 11 kann sich ein Unternehmen nun reorganisieren, ohne von Gläubigern bedrängt zu werden. Aufgrund der aufgetürmten finanziellen Altlasten ist dies aber eher selten. Wesentlich öfters passiert es dagegen, dass Konkurrenten oder Fonds bzw. Investoren die Assets, also technologische Entwicklungen wie beispielsweise Patente, herauskaufen, und in Eigenregie weiterentwickeln. Patente – Violin Memory verfügt über knapp 100 – sowie eine Kundenstammübernahme sind für Konkurrenten auf jeden Fall attraktiv.

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