Dr.-Ing. Peter Röscher, Leiter Enterprise Systems, GID
Archivlösungen gewinnen immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt durch technische und rechtliche Entwicklungen. Archive müssen gut geplant sein und zur bestehenden IT-Struktur passen.
Wir sprachen mit Dr.-Ing. Peter Röscher, Leiter Enterprise Systems (Backup, Storage, Archiv) bei GID, über die derzeitige Marktsituation und Kriterien für Langzeitaufbewahrung.
Wie ernsthaft beschäftigen sich Anwender und der Markt mit dem Thema Archivierung?
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Röscher: Mit dem Thema Archivierung befassen sich viele Unternehmen ernsthaft, wobei die Masse der Interessenten sich mit der Entlastung der Storage-Systeme beschäftigt. Hier geht es im Wesentlichen darum, die Mail-Systeme, Filesysteme oder Datenbanken von älteren oder größeren Dateien zu befreien, um diese zu entlasten. Für den Benutzer bleibt es transparent, weil die Originale durch Platzhalterdateien ersetzt werden. Nur ein kleiner Teil der Interessenten setzt sich mit der revisionssicheren Archivierung auseinander – schon längst gefordert in Deutschland, denn es gibt die Vorschriften der GDPdU, der GOBs, des HGB, der AO und demnächst auch EuroSOX.
Welches sind die wichtigsten Triebfedern, Langzeitarchivierung umzusetzen?
Röscher: Die gesetzlichen Anforderungen aus der GDPdU, der GOBs, des HGB, der AO und demnächst auch EuroSOX.
Wie wichtig ist ein Migrationsplan, um nicht irgendwann Daten zu besitzen, die nicht mehr lesbar sind?
Röscher: Storage-Systeme können die Anforderungen an Langzeitformate nicht immer erfüllen. Ein lästiges Umkopieren auf neue Plattentechnologien kann hier ebenso erforderlich sein. Galten vor Jahren solche Systeme noch als sicher, gibt es erste Botschaften, dass die vor Jahren abgelegten Daten nicht vollständig wieder zurückgeholt werden konnten. Eine HSM-Strategie ist hier erforderlich. Primär werden die Daten nach der Archivierung auf einem schnellen, aber auch teuren Festplattenspeicher abgelegt, um die Daten dann von der Archivierungs-Software auf Bandtechnologien zu übertragen.
Welchen Stellenwert haben Virtual-Tape-Librarys für Archive?
Röscher: VTLs spielen für Archive eine wichtige Rolle. Jedoch wird sich kein Administrator komplett auf Verfahren beschränken, die auf einer Disk speichern. Es wird also in Zukunft einen Mischbetrieb geben. Neben dem Einsatz einer VTL werden die Daten in größeren Abständen zusätzlich komplett auf ein Band geschrieben.
Single Instance oder Deduplizierung, welche Technologie eignet sich für welche Einsatzszenarien?
Röscher: Die Ablage im Single-Instance-Format in Archiven ist kaum noch wegzudenken. Jeder Archivanbieter hat diese Funktion seiner Software im Portfolio. Datendeduplizierung ist ein neuer Trend und einer der zukunftsträchtigen Märkte. Die Lösungen sind jedoch heute noch nicht so ausgereift, dass diese im Archivbetrieb eingesetzt werden können. Die Zukunft wird für uns arbeiten.
Wie sicher, kostspielig und aufwendig sind Festplattenarchive? Sind sie eine wirkliche Alternative?
Röscher: Ja, Festplattenarchive sind genau dann eine Alternative, wenn die lästige Migration nach Jahren im Archiv ausbleibt. Es gibt heute Technologien im Storage-Markt mit durchgängigen Betriebssystemen oder mit der Möglichkeit, Festplatten-Shelves mit ihren Archivdaten von einem Storage-System ins andere zu übernehmen. Vor Jahren hat man proprietäre Systeme gekauft, die das nicht konnten. Nun wiederum wird jeder Archivar darauf bestehen, neben dem Festplattenarchiv in gewissen Zeitabständen die Archivdaten komplett auf Bandtechnologien zu schreiben. Die Kosten halten sich in Grenzen, da man heute für verschiedene Zwecke unterschiedliche Platten bekommt. Je nach Einsatzszenario kann man hier zwischen SATA- und/oder FC-Platten wählen.
Verschwinden optische Medien wie CD/DVD/UDO?
Röscher: Es wird immer Anwendungen geben, die als Zielmedium bei der Archivierung DVD, Blu-Ray oder UDO verwenden, weil die zu archivierenden Daten die Kapazität einer DVD/Blu-Ray nicht übersteigen. Andererseits wissen wir, dass diese Datenträger zur Langzeitarchivierung von mehr als zehn Jahren ungeeignet sind. Möchte man eine solche Aufbewahrung über mehr als zehn Jahre garantieren, kommt man an Storage-Systemen und der Produktion auf Microfiche nicht vorbei.
Könnte Cloud-Computing auch zu Outsourcing bei Archiven führen?
Röscher: Ein klares Ja. Archivsysteme werden heute so aufgebaut, dass verschiedene Mandanten im Archiv abgebildet werden können.