Archive unterliegen dem Wandel
Um Daten wirklich langfristig verfügbar und lesbar halten zu können, sind Eigenschaften wie Flexibilität, Unabhängigkeit und Zukunftstauglichkeit entscheidend. Dies kann durch bestimmte Hard- und Software-Tools erreicht werden. Skalierbarkeit und offene Schnittstellen sind nur zwei Anforderungen, die laut Grau Data in diesem Zusammenhang erfüllt werden müssen.
Die Langzeitarchivierung soll Daten über Generationen erhalten und lesbar vorhalten. Vor etwa zehn bis 15 Jahren bedeutete dies noch, die Informationen ausschließlich auf Bänder bzw. optische Datenträger abzulegen. Neue Anforderungen und Strukturen in der IT zeigen aber, dass Archive nicht mehr länger statisch sind, sondern einem ständigen Wandel unterliegen, um wirklich auf lange Sicht zukunftstauglich zu sein.Die Anforderungen an Langzeitarchive haben sich geändert. Neben der klassischen Aufbewahrung von Daten aufgrund von gesetzlichen oder firmeninternen Vorschriften werden nun schneller Zugriff, offene Schnittstellen und flexible Medien benötigt. Auch die üblichen Archivierungsprozesse müssen sich anpassen, um den Aufwand für die Datenerhaltung so gering wie möglich halten zu können.
»Die Anforderungen an Archive unterliegen seit mehreren Jahren einem starken Wandlungsprozess«, bestätigt Ulrich Lechner, CTO bei GRAU DATA. »Dieser Wandel muss jetzt auch in den Archiven geschehen. Sie müssen weitaus flexibler und funktional besser auf die Anforderungen abgestimmt werden als die Bandspeichersilos, die wir aus früheren Zeiten kennen. Archiv heißt heute auch disk-basierter Speicher, Unterstützung offener Welten sowie schnelle und sichere Wiederverfügbarmachung. Allerdings heißt das, nicht nur die Archivsysteme neu aufzustellen oder auszurichten, sondern auch darüber- liegende Prozesse anzupassen.«
Unabhängig, flexibel und sicher sind die Voraussetzungen
Um die Daten auch wirklich noch in Jahrzehnten nicht nur verfügbar, sondern auch lesbar zu haben, müssen die Archive bestimme Anforderungen erfüllen. Darum ist eine effiziente Archivierung unabdingbar. Drei der Hauptkriterien eines jeden Archivs sind Unabhängigkeit, Flexibilität und Sicherheit. Da dies nicht rein von Bandumgebungen erfüllt werden kann, kommen mittlerweile auch Disksysteme oder eine Kombination aus beidem im Archivbereich zum Einsatz.
Zur Flexibilität gehört unter anderem die Möglichkeit, die verfügbaren Kapazitäten transparent und im laufenden Betrieb zu erweitern. Mit der richtigen Software ist dies machbar. »Mitwachsen ist ein wichtiges Kriterium bei Archiven«, meint Grau-Manager Lechner. »Wir setzen hier auf unsere »ARCHIVMANAGER«-Software, die eine solche Skalierung bis in den PByte-Bereich erlaubt. Dabei ist es unerheblich, ob hier eine Windows- oder Linux-Systemumgebung vorliegt, der Archivmanager arbeitet in beiden Welten.«
Diese Betriebssystemunabhängigkeit gehört auch zur Flexibilität eines Archivs, ebenso wie die Option, mit unterschiedlichen Hardwarekomponenten aller wichtigen Hersteller arbeiten zu können, egal ob Festplatte oder LTO-Band beispielsweise. Dadurch können Archive auch kosteneffizienter werden, da sich zum Beispiel vorhandene RAID-Systeme in einem SAN oder auch Bandbibliotheken zu Ablagezwecken nutzen lassen. Darüber hinaus kann über diese freie Wahl und die Kombinationsmöglichkeiten von Archivmedien eine maßgeschneiderte Tiered-Storage-Lösung erstellt werden. Denkbar sind hier unter anderem Speicher-Pool-Konfigurationen von Disk-zu-Disk oder Disk-zu-Tape.
Das wohl wichtigste Kriterium in Hinblick auf Zukunftstauglichkeit und Flexibilität ist die Unterstützung offener Schnittstellen. Das heißt, der Zugriff auf die Archivinformationen erfolgt nicht mehr über nur ein proprietäres Protokoll, sondern vielmehr über eine Schnittstelle, die flächendeckend bei fast allen Herstellern zum Einsatz kommt, zum Beispiel das Filesystem-Interface. »Das Filesystem ist eine Schnittstelle, die derzeit sehr verbreitet ist und auch in überschaubaren Zukunft in der IT ihren Platz haben wird«, erwartet Lechner. »Unsere Software kommuniziert mit Windows- und Unix-Servern über CIFS oder NFS. Eine eigene, proprietäre API ist deshalb nicht erforderlich. Dadurch kann der Archivmanager fast jegliche Hardware bedienen und kommt eben nicht gleich wieder aus der Mode. Wir glauben fest, dass dieses Interface für die IT auf lange Sicht eine wichtige Rolle spielen wird und somit zukunftstauglich ist. Darüber hinaus legen wir Wert auf Transparenz. Unsere Software erhält die originäre Verzeichnisstruktur, so dass jeder Anwender wie zuvor direkt auf alle Daten zugreifen kann.«
Zudem müssen Archive auch mit den jeweils eingesetzten Anwendungen zusammenarbeiten können. Das können weitverbreitete wie E-Mail-, Audio- oder Video-Applikationen sein oder auch branchenspezifische wie PACS, Engineering oder Dokumenten-Management-Systeme (DMS). Wer sein Archiv auch hier flexibel, unabhängig und zukunftssicher halten möchte, sollte die Liste der zertifizierten Archivapplikationen seiner Lösung überprüfen.
Sicherheitsaspekte im Archivsektor umfassen zum einen die eigentliche Datensicherung, zum anderen die Revisionssicherheit. Höhere Datensicherheit beim eigentlichen Backup erhalten Unternehmen beispielsweise durch Mehrfachkopien, lokal und/oder remote. Um im Bedarfsfall ein schnelles Disaster-Recovery durchführen zu können, lassen sich zudem die Metadaten redundant speichern. Die Revisionssicherheit bekommt der Anwender unter anderem durch die Write-Once-Read-Many-Funktion(WORM), die Compliance-Anforderungen wie GDPdU und GoBS erfüllt, indem die Informationen so abgespeichert sind, dass sie nicht veränderbar sind und einen Zeitstempel haben. Diese Funktion lässt sich auf Festplatten sowie auf LTO-WORM-Bändern nutzen. Aufgrund der zunehmenden gesetzlichen Auflagen sind Kunden in den meisten Ländern gezwungen, unabhängig von der Archivgröße eine revisionssichere Datenarchivierung zu implementieren. Der einfachste Weg wäre, dies mit der bestehenden SAN-Infrastruktur abzudecken.
Migration von Altsystemen zur Erhaltung von Daten
In manchen Umgebungen zeigt sich erst jetzt, dass technologisch nicht die beste Wahl getroffen wurde, beispielsweise wenn nur Jukeboxen mit optischen Medien als Archiv dienen. Um hier nicht den technologischen Anschluss zu verlieren, bedarf es einer Migration der Daten. Oft kann aber auch eine Migration von Bandmedien nötig werden. Für diese Art der Datenzusammenführung benötigt der IT-Verantwortliche Tools, die sowohl optische, Disk- und Bandmedien unterstützen.
Der Prozess der Migration ist generell Bestandteil einer Archivumgebung, wenn dieses über mehrere Jahrzehnte geführt werden soll, wie beispielsweise in Katasterämtern oder Bibliotheken. Hier muss der IT-Manager solche Datentransfers planen, da selbst die neueste Technik irgendwann veraltet ist und nicht mehr Schritt halten kann. IT-Abteilungen, die auf ausschließlich auf Bandmedien setzen, müssen ältere Generationen immer wieder auf neuere Tapes verlagern.
Zukunftstauglich durch namhafte Hersteller
Eine weitere Absicherung in Hinblick auf die Zukunftstauglichkeit ist die Wahl des Herstellers, sei es bei Archivsystemen oder Hardware. Namhafte Hersteller und Unternehmen, die zahlreiche branchenspezifische Partner vorweisen können, sind sicher eine gute Wahl. »Vertrauen ist ein wichtiger Faktor, wenn es um Archive geht«, sagt auch Lechner. »Organisationen wie das Bundesarchiv und die Charité setze auf unsere Lösungen, da sie wissen, dass wir seit Jahren im Speicherumfeld tätig sind, feste Partnerschaften mit namhaften Unternehmen haben und geschäftlich so gut aufgestellt sind, dass wir auch in den kommenden Jahren gute Produkte, Services und Support bieten können. Das ist wichtig für unsere Kunden, denn deren Archive müssen Informationen lange verfügbar halten und wir sollen dann optimalerweise auch über den gleichen Zeitraum zur Verfügung stehen.«
Das wichtigste für dieses Langzeitdenken ist aber die Garantie, dass auch in ferner Zukunft die Verwaltungssoftware gepflegt werden kann. Dabei geht es nicht nur um die Existenz einer Firma, denn es gab schon viele Softwareprodukte, die von ihren Herstellern einfach nicht mehr weiterverfolgt wurden. Deshalb hat Grau Data mit der »OpenArchive«-Initiative ein Produkt im Quellcode veröffentlicht, welches auch im ungünstigsten Fall den Kunden die Möglichkeit gibt, entweder selbst oder in Kooperation mit einer Community im Open-Source-Umfeld das eigene Archiv nicht nur am Leben zu halten, sondern auch weiterzuführen.