Gartner MQ 2026: Backup wird zur Resilienzplattform
Der neue Gartner Magic Quadrant für 2026 zeigt, wie sehr sich Backup vom reinen Sicherungsthema zur Data-Protection- und Resilienzplattform verschiebt. Bewertet werden zunehmend Cyber-Recovery, SaaS-Schutz und Multi-Cloud-Fähigkeit. Für europäische IT-Abteilungen bleibt Datensouveränität jedoch der blinde Fleck.
Der Backup-Markt entfernt sich weiter von der klassischen Datensicherung. Gartner beschreibt ihn im neuen »Magic Quadrant for Backup and Data Protection Platforms« als Plattformsegment für hybride, Multicloud- und SaaS-Umgebungen. Entscheidend sind nicht mehr nur Sicherungskopien und Restore-Punkte, sondern auch Cyber-Resilienz, Datenrisiken und kontrollierte Wiederherstellung nach Ausfällen, Fehlbedienung oder Angriffen.
Die Bewertung erfolgt entlang der Achsen »Ability to Execute« und »Completeness of Vision«. Im Leader-Quadranten stehen 2026 Veeam, Commvault, Rubrik, Cohesity, Druva und Dell Technologies. Veeam ist in der veröffentlichten Grafik am höchsten bei der Umsetzungsfähigkeit positioniert, Rubrik am weitesten rechts bei der Vollständigkeit der Vision. Commvault und Cohesity liegen nahe bei dieser Spitzengruppe, Druva und Dell Technologies folgen innerhalb des Leader-Feldes mit etwas Abstand.
Außerhalb der Leader-Gruppe führt Gartner Huawei als Challenger. IBM und HYCU stehen im Quadranten der Visionaries, Arcserve und OpenText bei den Niche-Players. Gegenüber dem vorherigen Quadranten bleibt die Spitzengruppe damit stabil. Auffällig ist vor allem, dass Unitrends in der 2026er-Grafik nicht mehr als eigener Anbieter erscheint. Die Marke gehört bereits seit 2018 zu Kaseya, wurde 2025 aber noch separat geführt. Die Marktordnung verändert sich damit weniger durch neue Namen als durch veränderte Anforderungen und eine andere Abgrenzung der bewerteten Anbieter.
Gartner fasst Backup breiter
Gartner MQ 2026: Backup-Markt bleibt stabil. Leader sind Veeam, Commvault, Rubrik, Cohesity, Druva und Dell Technologies. (Grafik: Dell)Der neue Marktbegriff »Backup and Data Protection Platforms« zeigt, wohin sich das Segment bewegt. Gartner bewertet nicht nur Sicherungskopien, Zeitpläne und Wiederherstellungspunkte. Eine moderne Plattform soll Backup-Infrastrukturen zentral steuern, hybride und cloudbasierte Workloads abdecken, Ransomware-Szenarien berücksichtigen und mit unveränderlichen Backup-Zielen zusammenarbeiten.
Damit rückt Backup näher an Cyber-Resilienz, Compliance und operatives Risikomanagement. Für Anbieter wird es wichtiger, neben klassischen Workloads auch SaaS-Anwendungen, Cloud-native Umgebungen, Identitätskontexte und Datenrisiken abzudecken. Der parallel veröffentlichte Critical-Capabilities-Report bewertet elf Anbieter anhand von zwölf Fähigkeiten und sechs Einsatzszenarien. Auch dort stehen hybride und Multicloud-Umgebungen, SaaS-Workloads und Ransomware-Recovery im Mittelpunkt.
Im Leader-Feld bleibt die öffentliche Herstellerkommunikation erwartbar: Veeam verweist auf seine hohe Position bei der Ausführung, Rubrik auf die weit rechte Platzierung bei der Vision, Commvault auf die langjährige Leader-Serie und Druva auf seine SaaS-Architektur. Für die redaktionelle Einordnung ist weniger diese Eigenwerbung relevant als die stabile Struktur des Marktes. Die großen Anbieter besetzen inzwischen sehr ähnliche Themen: Cyber-Recovery, unveränderliche Backups, SaaS-Schutz, Cloud-Integration, Datenklassifizierung und zunehmend KI-gestützte Analyse- oder Wiederherstellungsfunktionen.
Cohesity als Sonderfall im Leader-Feld
Cohesity ist 2026 besonders interessant, weil die Platzierung die Verbindung mit dem Enterprise-Data-Protection-Geschäft von Veritas abbildet. Die Transaktion wurde Ende 2024 abgeschlossen. Damit bringt Cohesity nun auch NetBackup, eine große Enterprise-Kundenbasis und gewachsene Rechenzentrumsinstallationen in den Quadranten ein.
Auf dem Papier stärkt das Portfolio-Breite, Marktpräsenz und Workload-Abdeckung. Gleichzeitig entsteht daraus keine einfache Addition zweier Produktwelten. Cohesity muss Produktlinien, Roadmaps, Support, Partnerstrukturen und Migrationspfade zusammenführen. Die Leader-Position spiegelt daher einerseits die größere Reichweite wider, andererseits bleibt die operative Integration ein wichtiger Punkt. Dass Cohesity trotz Veritas nicht sichtbar vor Veeam, Rubrik oder Commvault steht, ist deshalb nicht zwingend ein Widerspruch, sondern Ausdruck der Gartner-Bewertung über Strategie und Umsetzung.
Der blinde Fleck im Quadrant
Ein Punkt bleibt im Gartner-Quadranten weitgehend außerhalb der Bewertung: Datensouveränität. Für deutsche und europäische IT-Abteilungen reicht die Platzierung eines Anbieters daher nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Der blinde Fleck liegt bei der juristischen und operativen Kontrollfrage: Wo werden Backup-Daten, Metadaten, Kataloge, Schlüssel, Logs und Telemetriedaten verarbeitet? Welchem Recht unterliegen Anbieter und Betriebsdienstleister? Und wie sind Support-Zugriffe abgesichert?
Gerade bei SaaS-basierten Backup-Angeboten kann diese Prüfung wichtiger sein als eine leicht bessere Position in der Grafik. Das gilt besonders, wenn Anbieter US-Recht unterliegen, Support aus Drittstaaten erfolgt oder Schlüssel nicht vollständig kundenseitig kontrolliert werden. Auch Exit-Szenarien, Wiederherstellung ohne Herstellerabhängigkeit, Auditierbarkeit und Unterauftragnehmer bleiben zentrale Prüfpunkte.