Marktübersicht Tape-Librarys

Marktübersicht Tape-Librarys

Mit der steigenden Zahl an Cyberangriffen kehrte auch das Leben in den Tape-Markt zurück. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, ein geringer Energieverbrauch und der notwendige Medienbruch in der Backup-Strategie, inklusive Air-Gap, sprechen nach wie vor für den Einsatz von Magnetbändern. Richtig ausgewählt, ermöglichen sie ein bedarfsgerechtes Wachstum und schützen somit die getätigten Investitionen.

Bei Tape-Librarys hat sich in den letzten Jahren technologisch wenig getan, trotzdem sind Bandbibliotheken sehr angesagt. »Auch wenn es nicht viel nicht viel Neues gab, haben wir wohl noch nie so viele Tape-Librarys verkauf wie im letzten Jahr«, bestätigt Wolfgang Bauer, Technischer Leiter bei EUROstor. »Wegen der hohen Kapazität von LTO-9 Kassetten sind es im Schnitt eher kleinere Librarys. Die Bänder werden dann meist zugriffsicher gelagert.« Daher gehe es in diesem Bereich auch nicht um irgendwelche tollen Zusatzfunktionen. Die Technik müsse »einfach nur« zuverlässig funktionieren.

»Tape-Speicher hat traditionell als Ressource für die langfristige Datenspeicherung und Archivierung gedient«, ergänzt Natalie Kremer, Global Product & Channel Marketing Manager bei Overland Tandberg. »Weitere Gründe, warum Tape heute attraktiver denn je ist, sind geringere Kosten pro GByte, geringerer Stromverbrauch und eine umweltfreundliche Speicherlösung. Diese Faktoren gewinnen mehr und mehr an Bedeutung, insbesondere in Ländern mit hohen Energiekosten (Strom).«

In Zeiten Cyberangriffen und Ransomware-Attacken bieten Tape-Lösungen das so wichtige Feature Air-Gap bieten: »Air-Gap erhöht die Datensicherheit massiv und machen Backups bzw. andere Datenbestände tatsächlich immun gegen Ransomware-Angriffe«, sagt Kremer. »Kaufentscheidungen für Tape-Librarys werden aktuell hauptsächlich im Hinblick auf Skalierbarkeit, Langlebigkeit mit entsprechenden Service-Leveln sowie Nachhaltigkeit getroffen.«

Dass die Tape-Technologie nicht innovativ ist, mag Albrecht Hestermann, Vertriebsleiter bei actidata, so nicht gelten lassen: »Nicht zuletzt steht hierfür die Datenaufzeichnung von 50 TByte, native auf IBM TS1160-Laufwerke. Diese nutzen hier Strontium-Feritt-Bänder, also eine neue Magnetbandtechnologie, die auch die Basis für zukünftige LTO-Laufwerke in Tape-Librarys sein wird. Diese werden sich auch zukünftig in einer mehrstufigen Datensicherungsstrategie und auch in der Langzeitspeicherung großer Datenmengen (Archivierung) behaupten. Zumal eine Alternative zur kostengünstigen Speicherung großer Datenmengen bis dato nicht abzusehen ist.«

Bandroboter automatisieren nicht nur den Sicherungsjob, sondern bringen auch einen Medienbruch in die Backup-Strategie, inklusive Air-Gap. (Bild: Actidata)Bandroboter automatisieren nicht nur den Sicherungsjob, sondern bringen auch einen Medienbruch in die Backup-Strategie, inklusive Air-Gap. (Bild: Actidata)Die Einstiegsgröße für einen Bandroboter beginnt bei knapp 4.200 Euro (netto). Hierfür erhält man beispielsweise einen actidata actiLib 1U LTO-Autoloader mit einem LTO-7-Laufwerk und acht Slots im U1-Rackmount-Format. Mit LTO-8 kosten die Autoloader etwas mehr und mit LTO-9 ab zirka 4.520 Euro. Diese Kategorie gilt als Einstieg für kleine Unternehmen. Mit acht Bändern lässt sich eine unkomprimierte Speicherkapazität von 48 bis 144 TByte realisieren.

Ein größeres Datenwachstum erfordert dagegen skalierbare und flexibel ausbaubare Tape-Librarys. Hier bilden 2U-Geräten den Einstieg, die mit bis zu 24 Tape-Slots unkomprimiert eine Gesamtkapazität zwischen 144 TByte (LTO-7) und 432 TByte (LTO-9) bereitstellen. Die NEOs T24-Serie von Overland-Tandberg beginnt in der Anschaffung bei nicht ganz 5.000 bis 6.500 Euro.

Vorteile einer Tape-Library

Tape-Librarys in Modulbauweise erlauben ein flexibles Skalieren, zum Teil über komplette Rack-Schränke hinweg. (Bild: Overland Tandberg)Tape-Librarys in Modulbauweise erlauben ein flexibles Skalieren, zum Teil über komplette Rack-Schränke hinweg. (Bild: Overland Tandberg)Um Fehlerquellen möglichst auszuschließen, empfiehlt es sich den täglichen Sicherungsjob zu automatisieren. Bandroboter unterstützen hier und entlasten den IT-Beauftragten in KMUs und Abteilungen bei der täglichen Datensicherung.

Ein Roboter entnimmt die einzelnen Tapes automatisch, legt sie in den Streamer und befördert sie nach vollendetem Backup oder Restore wieder in den dafür vorgesehenen Aufbewahrungsplatz. Eine Backup-Software steuert den selbstständigen Wechsel der Datenträger. Entweder wird jeweils ein neues Band zur täglichen Sicherung eingelegt oder, falls die Kapazität nicht ausreicht, ein weiteres Tape. Zudem lässt sich so das Vergessen oder die falsche Auswahl eines Mediums vermeiden. Auch die ab und an notwendige Reinigung des Bandlaufwerks übernimmt das System automatisch. Neben der Automatisierung des Backups finden Tape-Librarys auch für die dauerhafte Speicherung von Daten Verwendung.

Midrange- und Highend-Librarys mit hoher Skalierbarkeit

Vor rund zwei Jahren lagen LTO-7 und LTO-8 noch gleichauf, mittlerweile geht der Trend zu LTO-8 und LTO-9. Gekauft werden vor allem SAS-Tape-Library in 2U-Bauhöhe, oft mit zusätzlichen Magazinen. Die Admins entnehmen nicht nur Bänder, sondern verstärkt komplette Backup-Sets aus der IT und lagern diese extern.

Typischerweise fragen Käufer nach Tape-Librarys (3U) mit 40 Slots und LTO-8-Laufwerken an. Diese lassen sich bei allen Herstellern mit zusätzlichen Modulen weiter ausbauen und skalieren beispielsweise auf bis zu 280 Einschübe und 21 Streamer. Mit 80 Slots lassen sich mit LTO-8 in sechs Höheneinheiten fast 1 PByte darstellen.

An der Ausstattung hat sich seit Jahren wenig geändert: Im Midrange gehören eine SAS- oder Fibre-Channel-Schnittstelle zum Standard sowie ein Barcode-Leser sowie ein bis drei Mailslots, für die schnelle Ein- und Ausgabe von mehreren Cartridges. Die Ausbaufähigkeit, sprich zusätzlicher Slots in einem Modul, regeln die Hersteller über eine Software-Lizenz. Zudem erlauben die meisten Anbieter eine Verschlüsselung über das LTO-Laufwerk. Als Bandformat ist LTO-8 in der Regel die erste Wahl, 2016 war es noch LTO-6. Pro Cartridge lassen sich unkomprimiert 12 TByte unterbringen. Die native Datentransferrate wird mit 360 MByte/s angegeben. Langsam im Kommen sind auch Systeme mit LTO-9. Unkomprimiert passen 18 TByte auf ein Band. Die Datentransferraten liegen native bei bis zu 400 MByte/s.

Topklasse mit Hunderten von Tape-Slots

Wer mehr benötigt, kann beispielsweise mit der Fujitsu LT270 S2 von 138 bis 713 Slots pro Rack skalieren. Mit LTO-8 sind native über 8,5 PByte möglich. Insgesamt lassen sich acht Racks zusammenschalten. Dies ergibt 67,73 PByte mit 5.644 Cartridges sowie bis zu 128 Laufwerke.

Die Scalar i6000 von Quantum bietet im Vollausbau mit 20 Racks bis zu 12.006 Stellplätze mit maximal 216,1 PByte native und 192 Tape-Drives.

Anforderungen an Tape-Librarys
  • Erweiterbarkeit für höhere Speicherkapazität und Geschwindigkeit nach Bedarf
  • herausnehmbare Magazine beschleunigen den Zugriff und senken Kosten der Medienhandhabung
  • integrierter Barcode-Leser zur Nachverfolgung von Medien
  • webbasiertes Remote-Management und -Diagnostik
  • konfigurierbare Mail-Slots für den Zugriff auf einzelne Bänder
  • Verschlüsselung für Vertraulichkeitsschutz von Daten und Compliance