15.07.2016 (Doc Storage)
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Was sind die Vor- und Nachteile von Blockchain?

Leserfrage: Blockchain ist derzeit eine gehypte Technologie und soll mehr Sicherheit in Transaktionen bringen. Auch Storage-Hersteller nehmen die Technologie unter die Lupe und erwägen eine Integration. Aber was kann Blockchain wirklich leisten? Und gibt es auch Nachteile von Blockchain, die gegen eine Integration sprechen?

Antwort Doc Storage:

Die Amerikaner überbieten sich momentan in Lob und Einschätzungen dieser Art, mit Daten umzugehen. Ich nenne es absichtlich nicht Technologie, denn eine erfinderische Leistung ist dahinter kaum zu entdecken, worauf wir gleich noch kommen. Die gleiche Auswirkung auf die Welt und Gesellschaft wie das World-Wide-Web, wird da behauptet. »Die« Erfindung unserer Generation. Zehn Prozent des BIP, wenn nicht gar noch mehr, würden in zehn Jahren über diesen Weg abgewickelt. Und so weiter und so fort… Wie sagt man so schön – mal immer ruhig mit den jungen Fohlen. Allein die Tatsache, dass Investoren im letzten Jahr – angeblich – mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar in dieses Zeugs gesteckt haben, macht es noch nicht gut oder brauchbar.

Letztendlich geht es um den Umgang mit Daten. Das Blockchain-Verfahren soll dafür zu sorgen, dass eine Information, also eine Datei, eine Transaktion und deren Inhalt oder ähnliches, mit einem eineindeutigen, nicht veränderlichen Zeitstempel und anderen nicht änderbaren Zusätzen versehen wird. Das Verfahren wurde vom Bitcoin-Erfinder mit dem Pseudonym Nakamoto eingeführt und sollte ursprünglich dafür sorgen, dass eine verteilte Infrastruktur nicht-kommerzieller Rechner die Datenbank mit diesen Informationen verteilt betreibt und somit eine Unabhängigkeit von etablierten Verfahren herstellt.

In der Datenbank selbst kann jede Transaktion auf Schlüssigkeit gegen die bereits vorhandenen Daten geprüft, suspekte und unmögliche Aktionen oder solche ohne lückenlose Verfolgbarkeit sofort identifiziert und unterbunden werden. Die Datenbank soll sicher sein, da sie unter Einhaltung bestimmter Sicherheitsmaßnahmen die Inhalte der Datenbanken von den Besitzern und deren Daten trennt. Die durch die verteilten Systeme als rechtmäßig erkannten Transaktionen (= Blocks) werden über einen bestimmten Zeitraum in Ketten zusammengefasst und alle paar Minuten gespeichert, daher der Name. Ein neues System mit sehr viel guten Ideen, aber auch mit sehr vielen »Abers«…

Ist Blockchain wirklich sicher?

Aber 1: Als größtes Argument zur Sicherheit und gegen Betrugsgefahren in diesem Umfeld wird herangeführt, dass ein Preisgeld dafür ausgelobt wurde, wenn es jemandem gelänge, das Verfahren zu manipulieren. Schön gedacht, aber was, wenn es jemandem tatsächlich gelingt, er vor dem Veröffentlichen der Manipulation hiermit die eigenen Taschen vollmacht, sich die Bitcoins in »richtige« Währung umtauscht, sich aus dem System verabschiedet, an die Öffentlichkeit geht, die Nutzer mit Panik reagieren, aus Bitcoin flüchten und damit das gesamte System zusammenbricht?

Aber 2: Viele Experten betrachten die öffentliche Infrastruktur als einen Vorteil des Verfahrens. Auch hier stellt sich die Frage, ob die Methoden zur Sicherung der abgelegten Daten tatsächlich hundertprozentig sicher sind. Zurück zu Aber 1, anderes Szenario: Jemand der herausgefunden hat, wie man die Daten der Blockchain interpretieren und manipulieren kann, geht nicht an die Öffentlichkeit, sondern manipuliert fleißig im Hintergrund, während sich der Betreiber und die Nutzer in trügerischer Sicherheit wähnen. Die Katastrophe wäre noch größer als bei Aber 1.

Aber 3: Die Netzneutralität-Schickeria findet es natürlich besonders genial, dass in einem weit verbreiteten System wie der Blockchain-Infrastruktur der Lagerort logisch zusammengehöriger Informationen nicht genau bestimmt werden kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen Umgebungen kann also niemand in ein Rechenzentrum, eine Filiale oder Niederlassung kommen, einen Durchsuchungsbeschluss vorzeigen und Rechner oder Datenträger mitnehmen. Niemand wird also mehr kriminelle Machenschaften einbinden oder verhindern können, egal, welchen Aufwand die »Guten« betreiben. Und selbst wenn diese einmal Glück haben und den Speicherort bestimmter Informationen gefunden haben, liegen diese mit fast hundertprozentiger Sicherheit außerhalb der zuständigen Jurisdiktion. Damit ist jeglichen halbseidenen, kriminellen und sonst wie illegalen Machenschaften Tür und Tor geöffnet, ohne auch nur den Ansatz einer Handhabe dagegen.

Man könnte unendlich so weitermachen, die eine Seite der Befürworter zählt eine Unmenge an Möglichkeiten auf, »schlaue« oder gar »intelligente« Verträge mit Transaktionsverknüpfungen unter bestimmten Bedingungen, man könnte bei jedem Pro-Argument mindestens ein, wenn nicht mehrere Kontra-Argumente finden.

Fakt ist, die (meisten) Banken hüten ihre Transaktions-Infrastrukturen wie den eigenen Augapfel, und das bedeutet auch in den (meisten) Fällen, dass diese nicht auf verteilten, »offenen« Strukturen, sondern auf »richtiger« DV und damit zentral laufen. Fakt ist auch, dass man kaum jemanden aus der »älteren« Generation dazu bringen wird, seine Brieftasche, sein Bankkonto oder andere essentielle Dinge in eine Wolke zu verschieben, auf die theoretisch jeder von überall her Zugriff hat.

Es steht also anzunehmen, dass die Begeisterung zwar groß ist, vor allem und mal wieder jenseits des großen Wassers, allerdings stelle ich mir gerade vor, wie man einen Schweizer Banker dazu bringen will, seine Mainframe-basierte DV gegen dies Wölkchen zu tauschen. Den Blick möchte ich sehen – dieser »Berater« wird schneller auf der Straße stehen, als ihm lieb ist…

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (1)
15.07.2016 - jan

Ich kann mir vorstellen, dass der angesprochene Schweitzer Bankster, dessen Boni an den ROI seiner Bank gekoppelt ist - sogar seine Oma verkaufen würde um Capex gegen Opex zu tauschen. Blöderweise ist das, genau das Geschäftsmodell dieses Wölkchens. Von daher sehe ich für Blockchain Geschäftsmodelle nicht so schwarz. Es wird aber noch Jahre dauern, da die Kinderkrankheiten (vgl. Ethereum) noch lange nicht überwunden sind.


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