11.05.2018 (Doc Storage)
4.3 von 5, (4 Bewertungen)

Speichersysteme beurteilen Teil 2: Business-Storage

  • Inhalt dieses Artikels
  • Business-Storage: Test Gehäuse und Handhabung
  • Business-Storage: Bedienung und Verwaltung
  • Business-Storage: Standardfunktionen und Systemleistung
  • Business-Storage: Leistung

Leserfrage: Ein Systemwechsel steht an. Die, an sich einfache, Frage lautet: Wie beurteilt man ein Speichersystem und prüft es auf Herz und Nieren? Doc Storage macht daraus einen 2 Teiler. Nach den Einsteiger- und Desktop-Geräten listet Doc Storage hier seine Empfehlungen für Business- und Enterprise-Storage.

Antwort Doc Storage:

Und nun, da es sich wie ich schon bemerkt habe um ein komplett anderes Tierchen handelt, hier meine Kriterien bei der Anschaffung von Speichersystemen in der professionellen Anwendung. Damit meine ich nicht, dass die Nutzer von kleineren Plattensystemen keine Profis sind (um diesen Teil der Leserbriefe schon einmal abzufangen...).

Viele Punkte unterscheiden sich kaum von denen in der Beurteilung kleinerer Speichersysteme, allerdings gibt es hier deutlich andere Kriterien.

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Business-Storage: Test Gehäuse und Handhabung

Gehäuse und Handhabung: Natürlich wird das zu beurteilende Array entweder in einem 19-Zoll-Standardgehäuse oder in einem eigens für dieses angefertigten Rahmen daherkommen, der sich kaum von einem 19-Zöller (oder eben dem vielfachen davon) unterscheidet. Da man diese Systeme geliefert und aufgebaut bekommt (falls nicht, Finger weg), gibt es im Grunde nur zwei Kriterien in der Handhabung, auf die es ankommt.

Erstens sollte alles, was irgendwie mit Kabeln zu tun hat, nach hinten rausgehen und über eine vernünftige Ordnung verfügen. Und zweitens sollten alle physikalischen Vorgänge (also an- und ausschalten, Laufwerkswechsel usw.) von vorn möglich sein. Warum? Nun, wenn man auch nur die geringste Ordnung im RZ haben möchte, dann liegen im Gang auf einer Seite Kabel (natürlich hinter Türen) und auf der anderen die Bedienelemente. Alles andere führt früher oder später zu Katastrophen und wird nicht diskutiert, auch wenn es in Einzelfällen »seit Jahren so gutgegangen« ist.

Ach ja, und eines wird immer wieder gern vergessen: das schiere Gewicht der Boxen. Es muss heute nicht mehr sein, dass die Systeme eine, zwei oder gar mehr Tonnen wiegen und mich im RZ dazu zwingen, den Doppelboden mit Baustützen zu verstärken. Es gibt durchaus vernünftige und leichtere Lösungen. Darüber hinaus ist es essentiell, dass sich die Systeme selbst so gut kühlen, dass sie auch beim Ausfall der Klimaanlage im RZ zumindest eine geraume Zeit weiterlaufen, ohne den Hitzetod zu sterben.

Apropos geraume Zeit: ich diskutiere es nicht – ein Enterprise-System MUSS eine Batterie haben, die das gesamte Array, und nicht nur bestimmte Teile wie den Cache, für längere Zeit oben hält und es dann ermöglicht, den Zwischenspeicher kontrolliert auf die Platten zu schreiben, wenn die externe Stromversorgung tatsächlich nicht mehr zurückkommt.

Business-Storage: Bedienung und Verwaltung

Und hier kommen wir auch gleich zum zweiten wichtigen Teil, der Interaktion ohne grafische Benutzeroberflächen. Jajaja, ich weiß, ein vernünftiges Enterprise-Array verfügt über eine ausführliche Steueroberfläche, die es mir ermöglicht, ohne Anwesenheit am Gerät alle notwendigen Einstellungen, Überwachungen und anderen Vorgänge vorzunehmen.

Wirklich alle? Nein, eben nicht. Je mehr Datenträger in einem solchen System verbaut sind (und es können schon mal mehrere hundert sein), desto mehr gehen auch im normalen Betrieb flöten. Und das heißt: Sofern es denn nicht ein Service-Mitarbeiter des Herstellers für teuer Geld macht, hin zur Maschine, Tür auf und suchen. Nun muss mir das Array schnell und unmissverständlich mitteilen, welches Laufwerk zu wechseln ist. Muss ich erst suchen oder bin ich mir nicht sofort sicher, Finger weg, das führt früher oder später zur Katastrophe (jaja, wieder eine).

Business-Storage: Standardfunktionen und Systemleistung

Standardfunktionen und Systemleistung: Oh ja, ich kann sie schon lesen, die empörten Leserbriefe. Aber ich schreibe es hier trotzdem. Nach fast dreißig Jahren integrierter, gecachter Disk-Arrays haben sich alle Enterprise-Systeme dieselben, ja, exakt dieselben Eigenschaften angemendelt. SAN, NAS, Object…: Alle Boxen bieten mehr oder weniger dasselbe, ja selbst die Benutzeroberflächen haben sich in den letzten zwanzig Jahren so entwickelt, dass man diese tatsächlich ohne dreijährige Schulung benutzen kann. Das einzige, in dem sich die Eisenhaufen noch unterscheiden, ist die schiere Größe (mal 3.000, mal 5.000 und mal 10.000 Laufwerke) und die Farbe von tiefschwarz bis schamonweiß.

Business-Storage: Leistung

Auch die Leistung, vor zwanzig Jahren noch Grund für stundenlange I/O-Rechenschlachten auf Messen oder Vorträgen, hat sich so angepasst, dass man sie nur noch über die Art der Datenträger und die Anzahl der I/O-Schnittstellen steuern kann. Und die Möglichkeit, 20, 25 oder gar 30 unterschiedliche Betriebssysteme mit bis zu 100 Formatierungsarten zu betreiben, fällt auch nicht mehr ins Gewicht, wenn man seit dreißig Jahren nur zwei oder drei von ihnen betreibt.

Nun bleibt also die Frage: welches Enterprise-System soll ich nun um Himmels Willen betreiben, wenn die technischen Kriterien denn alle so gleichgültig geworden sind? Ganz einfach: dasjenige, welches die höchste Leistung für den geringsten Preis bietet. Und zu »Leistung« gehören nicht nur I/Os pro Sekunde und der schiere Speicherplatz, die Erweiterbarkeit und so weiter. Nein, hierzu gehören im RZ auch und vor allem die Verlässlichkeit des Herstellers bzw. Lieferanten, der Preis der Wartung und die Verfügbarkeit der benötigten Mannschaft, wenn einmal samstags nachts um drei Support benötigt wird, und das schnell.

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (2)
15.05.2018 - LHL

ja ... das Thema Servicequalität, Verlässlichkeit des Herstellers. Leider ist das eine nicht messbare und auch leicht flüchtige Bewertungsgröße. Hersteller, mit denen man jahrelang gut zusammen gearbeitet hat, verlegen ihren Support aus Kostengründen woanders hin auf den Erdball oder bekommen bei neuen Produkten Fehler oder "Kinderkrankheiten" einfach nicht in den Griff. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wird auch noch "kultiviert", um den Hyper-converged-Lösungen potentielle Kunden zuzuführen ...
Wenn man seine Systeme ausschreiben muss und nicht einfach mal so kaufen kann, ist dieses Bewertungskriterium schwierig zu handhaben. Natürlich kann ich SLA's definieren und eine entsprechende Reaktions- oder sogar Wiederherstellungszeit fordern - aber kein Hersteller oder Lieferant gibt sich dann die Blöße und sagt die geforderten Leistungen nicht zu. Wenn dann ein Teil mal nicht in Deutschland vorrätig ist sondern erst aus dem europäischen Umland next business day angeliefert werden kann oder der Techniker, der Samstag Rufbereitschaft hat, gerade bei einem anderen Kunden "fest hängt", dann ist das für den Hersteller lediglich ein kalkuliertes Risiko ...
Was die Leistung betrifft - werden im Zeitalter der Allflash-Systeme auch die Controller selbst zum limitieren Faktor und damit unter Umständen zum Nadelöhr. Da haben Scaleout-Architekturen den Vorteil mit der Anzahl der Controller die Anzahl der I/O-Schnittstellen zu skalieren (also nicht nur pro Controller mehr Schnittstellen).

11.05.2018 - StoAdmin

Klasse Doc. Sie sprechen mir aus der Seele.
Servicequalität sehe ich heute auch als das wichtigste Kaufkriterium an. Was nützen mir Specs mit astronomischen Werten, wenn diese in der Praxis nicht erreicht werden können, weil der Support unterirdisch ist. In Zeiten, in dem immer mehr Self-Service und Outtasking nach Indien im Vordergrund steht, wird oft das Problem nicht gelöst, da es zwischen den verschiedensten Beteiligten in kleinen Portionen hin und her geschoben wird.
Was ich vermisse, ist eine 'Stiftung Warentest' Beurteilung der versprochenen und gelieferten Servicequalität. Dieses wäre wirklich ein Auswahlkriterium!
Ein treuer Leser ... Danke.


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