09.04.2010 (Doc Storage)
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Sind NAS-Systeme im Eigenbau sinnvoll?

Leserfrage: Mittlerweile gibt es etliche NAS-Systeme mit Microsoft Windows Storage Server 2008 auf dem Markt. Diese sollen sich besonders leicht ins Active-Directory einbinden lassen. Das wird von vielen Firmen als einer der Hauptvorteile genannt, welche so ein NAS-System einem Administrator bieten kann. Aber gibt es noch andere herausragende Vorteile gegenüber einem Linux-NAS-System? Immerhin ist der Aufpreis schon deftig.

Ein preisgünstiges NAS-System kann man sich im Prinzip selber zusammenstellen: ein kleines Gehäuse mit vier SATA-Einschüben, vier SATA-Festplatten, Intel-Atom-Board, Netzteil, Linux drauf und dann noch eine Webadministrations-Oberfläche wie z.B. von Freenas darübergestülpt. Das müsste mit 400 bis 600 Euro zum Laufen zu bringen sein. Können Sie das nachvollziehen, bestätigen – oder soll man in einem Firmennetzwerk von so etwas Selbstgebautem eher die Finger lassen?

Antwort Doc Storage:

Natürlich hat ein System auf Microsoft-Basis den Vorteil, dass es sich nativ in eine Active-Directory-Struktur einbinden lässt. Allerdings haben wir in den letzten Jahren kein Linux-basiertes System getestet, das nicht auch über diese (und noch viel mehr) Eigenschaften verfügt. Eigentlich ist es nur noch eine Frage des Geschmacks, des Funktionsumfanges und des Preises, für welches System man sich entscheidet. Das Betriebssystem ist – gewähren Sie mir diesen Ausdruck – völlig gleichgültig.

Die Idee mit dem Eigenbau liegt natürlich auf der Hand, aber:

1. Sie bekommen die einzelnen Komponenten für ein solches System mit Sicherheit nicht so preiswert wie ein großer Hersteller, der diese in hoher Stückzahlen beschafft. Also kann er diese in der Regel billiger zusammensetzen als Sie als Endverbraucher.

2. Ein solches System, auch wenn es preiswert angeboten wird, durchläuft gewisse Phasen der Entwicklung und Erprobung. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieser Phasen wird es auf den Markt gebracht. Bauen Sie das System selbst, wissen Sie nicht, ob beispielsweise das RAID brauchbare Paritäten erzeugt und eine Festplatte nach Austausch korrekt zurückrechnet. Oder sind Sie in der Lage, alle erforderlichen Sicherheitstests verlässlich durchzuführen?

3. Was machen Sie, wenn Ihnen in den ersten zwei Jahren Bauteile Ihres Systems ausfallen? Wollen Sie tatsächlich zu den Herstellern des Netzteiles, des Mainboards oder der Festplatten laufen und Ihre Garantie erkämpfen? Da ist es doch wesentlich einfacher, bei einem einzigen Hersteller um deren Austausch nachzufragen. Und noch etwas – wollen Sie Ihre Zeit tatsächlich selbst mit den fälligen Reparaturen vergeuden?

4. Wer kümmert sich um die Software-Pflege des Systems? Heutige NAS-Appliances bieten durchgehend die Möglichkeit eines Online-Checks auf Updates. Auch hier müssten Sie Ihre Zeit für entsprechende Prüfungen verschwenden.

Also: Testen Sie zwei oder drei NAS-Geräte im Bereich zwischen 600 und 1.000 Euro und nehmen Sie das für Sie passende. Damit werden Sie wesentlich weniger Zeit verbringen als mit einem Eigenbau. Außerdem werden Ihre Daten dort erheblich sicherer liegen.

 

Grüße
Doc Storage

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Kommentare (3)
15.04.2010 - justbond

Die Open-E Lösung hat halt den Charme, dass die Rechner-HW schon da ist. Es sind PCs, die durch Virtualisierungsprojekte nicht mehr gebraucht werden.
Etwas Software drauf, und schon ist der PC ein einfacher Storage-Server oder NAS. Und weitere Festplatten einbauen dürfte kaum die Garantie verletzen.

Denke, das ist sozusagen eine Art Eigen-NAS, aber eben mit Garantieansprüchen, falls der PC noch nicht zu alt war.
Oder sehe ich das verkehrt?

12.04.2010 - Tvrtko

Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich der Argumentation folgen kann- viele NAS Server Hersteller benutzen proprietäre Hardware und das eingesetzte Betriebssystem ist nur auf dieser Hardware lauffähig.
Was passiert aber, wenn die Garantie abläuft und bestimmte Komponenten ausfallen?

Die wenigsten Hersteller verkaufen Ersatzteile nach dem Garantieablauf; wenn Reparaturen (wenn überhaupt) angeboten werden, sind diese sehr kostenintensiv.

Durch den Einsatz von Standard-Hardware-Komponenten in Verbindung mit einem Betriebssystem, welches Hardware-tolerant arbeitet, verlängert man die Lebensdauer und beschleunigt die Reparaturen erheblich.

Unter www.euronas.de/die-wichtigsten-tipps-zum-kauf-eines-nas-servers findet man einen interessanten Gegenartikel.

09.04.2010 - Kirk

Open-E wär schon eine Alternative, aber es stimmt schon im Prinzip ist es tatsächlich nur etwas für Bastler.
Dachte bisher auch, dass ein Eigen-NAS eine Option wäre, aber wenn man die Gegenargumente so liest, muss mann sagen, für professionelle Unternehmen ist das nix.


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