02.12.2016 (Doc Storage)
4.3 von 5, (8 Bewertungen)

Object-Storage – wird das langsam etwas?

Leserfrage: Lieber Doc Storage, vor drei Jahren waren Sie noch etwas skeptisch, was den Einsatz von Object-Storage anbelangt. Wie sieht das jetzt aus? Der Markt wurde breiter, es gibt viel mehr Lösungen (siehe IBM/Cleversafe, Fujitsu, HPE, Cloudian, Scality). Kann man das nun ernsthafter in Betracht ziehen? Auf welche Unterschiede müsste man bei den Features achten?

Antwort Doc Storage:

Da wir bereits mehrfach eine Übersicht über das Thema und die technische Funktionsweise von Objektspeichern gegeben haben, erspare ich Ihnen und uns hier den erneuten Exkurs. Es stimmt tatsächlich, die Beteiligung teilweise bedeutender Unternehmen und Zusammenschlüsse wie Dell/EMC (mit Centera und Atmos), Hitachi (mit HCP) IBM (mit SoftLayer), NetApp (mit StorageGrid) Quantum (mit Lattus), RedHat/Inktank (mit Object), Scality (mit Ring) und vieler anderer scheint Objektspeicher tatsächlich zur »dritten Macht« im Rechenzentrum gemacht zu haben. Die Quasi-Einigung auf das RESTful-API gaukelt sogar eine Standardisierung der Plattformen zur Anwendung hin vor, allerdings gibt es hier viele verschiedene Ausprägungen, beispielsweise das der SNIA, SWIFT OpenStack, den Simple Storage Service (S3) von Amazon oder OSD T10, um nur einige zu nennen. Somit schränkt man sich doch sehr auf den einen oder anderen Hersteller ein, sobald man sich für einen von diesen entscheidet, auch wenn überall RESTful auf der Packung steht.

Allerdings kann man nach den über zehn Jahren des Reifens am Kunden den Einsatz von Objektspeichern in bestimmten Umgebungen durchaus in Betracht ziehen. SAN- und NAS-Umgebungen kranken immer noch an den Gegebenheiten, die man ihnen ganz zu Anfang ihrer Evolution übergestülpt und niemals tatsächlich handhabbar gemacht hat. Ein SAN arbeitet – zumindest in der überwiegenden Mehrheit – immer noch mich dem am schwierigsten einzurichtenden und zu unterhaltenden Protokoll überhaupt, nämlich FC. Heere von auf die eine oder andere Hardware unterschiedlicher Hersteller, in unverschämt teuren Verfahren, zertifizierten Experten müssen sich um die fehlerfreie Unterhaltung der entsprechenden Infrastruktur kümmern, unterstützt von ebenso teurer und nicht immer besonders begabter Software.

Für eine Technologie, die ihre Anfänge bereits im letzten Jahrtausend hatte, rufen die Hersteller immer noch mutige Preise für die beteiligten Komponenten ab, ohne tatsächlich entsprechende Leistung folgen zu lassen. NAS hat das Problem der Singularität, kann damit innerhalb eines Verwaltungsraumes nur schwer sehr große Umgebungen handhaben. Auch wenn mir NAS-Hersteller natürlich immer wieder etwas anderes vorbeten und dies in sterilen Testumgebungen auch vorführen können. Selbst wenn das funktioniert, woran ich technisch nicht zweifele, sind diese Umgebungen auch für hochbegabte Administratoren kaum zu verwalten, geschweige denn einigermaßen kostengünstig im Zaum zu halten. In beiden Fällen, SAN und NAS, war, ist und bleibt das Thema Migration auf neue, meist größere Umgebungen ein wochenend- und feiertagevernichtender Albtraum für alle Beteiligten (und ja, ich weiß, auf den Folien der Hersteller beider Welten sieht das seit Jahrzehnten natürlich ganz harmlos aus – ist es aber nicht. Diskussion beendet.) All diese Gegebenheiten werden vor allem Anwender, die auf der »grünen Wiese« anfangen, sofort zu Objektspeichern greifen lassen, weil sie sich all die Einschränkungen von SAN und NAS nicht mehr antun wollen. Und in den Bereichen Cloud-Speicher, Big Data (eigentlich wollte ich diese blödsinnigen Begriffe nicht mehr eintippen) wird kein einigermaßen normaler IT-Manager noch mit SAN oder NAS anfangen wollen.

Das RESTful-API hat hierbei für eine herrliche Vereinfachung der Funktionalitäten gesorgt. Man speichert, liest, speichert oder löscht einen Eintrag, also ein Objekt, welches in den beigeordneten Metadaten unter anderem Informationen zu Erstellungs- und Änderungsdatum, erstellendem oder änderndem Benutzer enthält. Wird ein Objekt geändert, wird das alte behalten und ein neues als weitere Version gespeichert (man wundert sich nicht mehr über den enormen Platzbedarf…). Über die Metadaten werden Objekte dann auch im System gefunden. Dies soll nach Herstellerangaben sogar in den meisten Fällen schneller von Statten gehen als unter Verwendung eines Dateisystems.

Nicht umsonst sagen also Marktforscher (jaja, ich weiß, was ich neulich über die geschrieben habe – aber hier passt es so schön) zwischen 35 und 50 Milliarden Dollar Marktvolumen für 2017 voraus. Immerhin mehr als das doppelte als noch 2014. Dass sich dabei vermutlich der ausgelieferte Plattenplatz in drei Jahren mehr als verdreifacht hat, überrascht nur jemanden, der die letzten zwanzig Jahre nichts mit EDV zu tun hatte.

Also ja, man kann nicht nur, sondern man sollte Objektspeicher sogar in Erwägung ziehen.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de
Kommentare (2)
02.12.2016 - cwunder

Dass das mit Objektspeicher was wird, sieht man ja schon daran, dass viele Speicherhersteller ihren Produkten heuer S3-Connectoren spendieren. S3, weil es sich de facto schon fast zum Industriestandard entwickelt hat. So gut wie jede Applikation, die in die Cloud schreibt, spricht heute nun einmal S3 und der Marktanteil ist wohl schon jenseits von 80 Prozent.

Dabei ist es jedoch wichtig zu wissen, dass S3 nicht nur einfache Befehle, wie vom Doc beschrieben, zum speichern, lesen oder löschen unterstützt, sondern ganze 53 zum Teil sehr komplexe Operationen. Viele der Connectoren vieler Plattformen sind tatsächlich sehr rudimentär und können komplexe Operationen gar nicht ausführen. Eine Migration der Daten in der Zukunft wird damit zumindest schwierig.

Wer für Object-Storage auf S3 setzt, muss also genau auf die Kompatibilität achten.

02.12.2016 - LHL

Unabhängig davon, dass Objektspeicher sicher seine Daseinsberechtigung hat, deckt sich meine Berufserfahrung nicht mit der Aussage, dass FC das "am schwierigsten einzurichtende und zu unterhaltende Protokoll überhaupt" ist. Es hängt sicher von der konkreten Umgebung ab - aber Speichernetzwerke sollten immer möglichst einfach strukturiert und flach sein. Dann ist auch die Einrichtung fast ein Kinderspiel und wenn ich sehe, mit welchen Problemen unsere "LAN-Netzwerk-Kollegen" kämpfen, auch der "Unterhalt" bzw. Betrieb. Die Beschaffungskosten für die Komponenten sind allerdings in der Tat nicht "mutig" sondern unverschämt ;)


Mehr von Doc. tec. Storage 17.05.2019 NAS-Caching oder Tiering für VMs multiple Zugriffe?

In einer Lehrumgebung werden virtuellen Maschinen auf einem NAS mit 10GbE-Anbindung gespeichert. Nachdem eine Erweiterung mit NVMe-Flash ansteht, stellt sich die Frage, ob eine Caching- oder eine Tiering-Konfiguration die sinnvollere Wahl ist?


10.05.2019 Wird Flash nun auch zum Backup-Medium?

Flash wird zunehmend auch für Backup interessant. Der Geschwindigkeitsvorteil soll die Dauer der Sicherung wie auch der Wiederherstellung reduzieren. Macht dies in der Praxis bereits Sinn – auch aus Kostensicht?


03.05.2019 Unterschied zwischen Active/Active und Active/Passive

Beim Thema Hochverfügbarkeit unterscheidet man zwischen Konfigurationen, die Active/Active bzw. Active/Passive agieren. Was ist genau der Unterschied und für welche Szenarien empfehlen sich die beiden Möglichkeiten? Welche Cluster-Architektur bietet hinsichtlich Skalierbarkeit mehr Spielraum für zukünftigen Lastzunahmen?


26.04.2019 Dateisysteme für den PByte-Bereich

Datenberge jenseits des PByte-Bereichs, Cloud-Anbindungen und Analytics-Szenarien stellen Dateiysteme vor neue Herausforderungen. Der Markt bietet einige Optionen wie GPFS, Gluster FS, OneFS oder QF2. Worauf gilt es zu achten? Update zu CephFS und ZFS.


05.04.2019 Neuordnung des Storage-Tiering

Nachdem sich Flash und SSDs mittlerweile auch in mehrere Leistungsklassen unterteilen, steht die Technik nicht mehr nur für Tier 0. 15k-HDDs scheinen vor dem Aus zu stehen. Gilt dies auch für alle SAS-Platten? Wie sieht die Neuordnung des Storage-Tiering aktuell aus?


15.03.2019 30 Jahre World Wide Web: Was gibt es zu feiern?

Das World Wide Web feiert seinen 30. Geburtstag. Ohne dem Internet ist unser heutiges Leben nicht mehr vorstellbar. Für Doc Storage hat das Netz aber auch genug Schattenseiten. An Regulierungen bzw. an das vom Erfinder erhoffte bessere Internet, glaubt er nicht.

powered by
Boston Server & Storage Solutions Datacore Software
Itiso GmbH Seagate Technology
N-TEC GmbH FAST LTA AG
Fujitsu Technology Solutions GmbH Pure Storage