18.10.2013 (Doc Storage)
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FC oder iSCSI bei neuem Speichersystem?

Leserfrage: Wir betreiben ein RZ mit einem Dutzend physischen Servern und rund 60 virtuellen Maschinen mit Hyper-V und suchen nun ein neues Speichersystem mit wenigstens 50 TByte Kapazität. Wir können zwischen FC-Systemen von EMC und Netapp oder einem iSCSI-Modell von Dell wählen. Bislang haben wir erfolgreich FC eingesetzt, sind aber offen für 10-Gbit/s-iSCSI. Da wir zudem mehrere SQL-Server mit hoher Last laufen haben, ergibt sich für uns die Frage, ob wir in unserer Umgebung auch auf iSCSI vertrauen können, oder doch beim altbewährten FC bleiben sollten.

Antwort Doc Storage:

Wenn Sie die Möglichkeit der Wahl und bereits Erfahrungen mit Fibre Channel haben, sollten Sie diese auch weiterhin nutzen und nicht auf ein völlig neues, noch dazu nicht besonders leistungsfähiges Protokoll wie iSCSI umsteigen. Zwar haben Sie dort den Vorteil, Ihre Server nicht mit neuen Adaptern ausstatten zu müssen, da iSCSI mit den gewöhnlichen 10-Gbit-Ethernet-Schnittstellen läuft. Andererseits kostet Sie iSCSI mindestens knapp ein Viertel der Bandbreite, und somit stehen Ihnen nur noch zwischen sieben und acht Gbit pro Sekunde zur Verfügung. Warum diese schon als Krücke geborene Lösung einführen, wenn Ihnen beispielsweise mit FCoE ein wesentlich kompakteres, leistungsfähigeres und zu Ihrem Know-How passendes Protokoll zur Auswahl steht? Es ist zwar richtig, dass Sie hierfür alle anzubindenden Server mit den passenden CNAs (Converged Network Adapter) ausstatten und entsprechend investieren müssen. Andererseits sparen Sie wie bei iSCSI auch die separate Infrastruktur für ein getrenntes Netzwerk wie FC ein, also zusätzliche Router und Switche und damit Kosten, Energie und Klima.

Bei FCoE hätten Sie, wie bei FC auch, die Auswahl unter verschiedenen Geräten der beiden Hersteller EMC und Netapp. Für eine EMC VNX käme für mindestens 50 TByte Kapazität das Modell 5200 in Frage, welches mit seinen 125 Laufwerkseinschüben auch viel Platz für Erweiterungen bietet. Bei Netapp wäre das das FAS3220, welches in seinen maximal 480 Laufwerken bis zu zwei PByte speichern kann. Alle kleineren Modelle dieses Herstellers bieten zwar FC-, aber keine FCoE-Schnittstellen. Somit wäre für Ihre Ansprüche das EMC-Angebot das der Wahl.

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (5)
18.10.2013 - Doc Storage

Und natürlich kann man ohne konkrete Leistungszahlen (Anzahl Rechner, Anzahl und Art der I/Os usw. usf.) keine hundertprozentig genaue Empfehlung abgeben. Aber durch Zufügen von Flash-Laufwerken zu den jeweiligen Konstellationen kann heute (fast) jedes Speichersystem auf die Leistung hochgerüstet werden, die eine kleinere oder mittlere Umgebung wie die beschriebene abfordern könnte. Bei einer Zahl von lediglich 'mehreren' Datenbankrechnern und nur 60 virtuellen Maschinen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die von mir empfohlenen Arrays vollbeschäftigt werden sollten. Hier müssen wir alle mal auf dem Teppich bleiben, vor allem vor dem Hintergrund der für diese Konfigurationen aufgerufenen Preise!

18.10.2013 - Doc Storage

Da geraten wir in genau die fast schon religiöse Diskussion hinein, die ich eigentlich vermeiden wollen. :-)
Fakt ist, daß FCoE im Gegensatz zu iSCSI direkt auf die physikalische Schicht , also Ethernet aufsetzt und so den gesamten Weg rauf und runter durch TCP und IP erspart. Somit ist dies also wesentlich unkomplizierter und effizienter. Daß iSCSI für unerfahrene Anwender einfacher zu implementieren und schneller in Betrieb zu nehmen ist, das will ich gar nicht negieren. Am Ende geht es hier aber um den professionellen Betrieb einer mittleren Umgebung, und der ist nun mal nicht ohne einen gewissen Lern- und Betriebsaufwand zu haben. Und ich habe verstanden, daß Know-How im Bereich FC bereits vorhanden ist, somit dürfte der Umstieg auf und der Betrieb von FCoE nochmals leichter fallen.

10 Gbit Ethernet kann, genau wie 8 Gbit FC, mit einem verlustfreien Transport des Signals auf einer Strecke von knapp über 100 km aufwarten. Da hier vorher bereits eine FC-Umgebung betrieben wurde, gehe ich davon aus, daß das entsprechende Medium für eine eventuelle Fernverbindung bereits vorhanden ist und befriedigend arbeitet. Da für Ethernet dieselben Träger wie für FC genutzt werden (im Falle einer Kopplungslänge von 100 km z.B. DWDM oder wenigstens CWDM mit entsprechenden optischen Verbindungen), muß das hier weder bezweifelt noch diskutiert werden und ist kein negativer Punkt für FCoE. Ganz nebenbei bräuchten wir für iSCSI exakt dieselbe Kopplungsart, außer, daß hier wie bereits erwähnt zusätzlich zur Ethernet-Schicht noch TCP und IP zum Einsatz kämen.

18.10.2013 - Diskman

... das "völlig neues Protokoll", lese ich nicht so dass, iSCSI was neues wäre, sondern halt ein anderes Protokoll, wenn man vorher FC einsetzt.

Ansonsten ist es halt immer eine Sache des Anspruchs und der Mittel. Wer die Performance und Distanzen benötigt, kommt nicht darum herum.

18.10.2013 - har

Mhmm, wer iSCSI als "völlig neues" Protokoll darstellt, sollte sich m.E. mit Empfehlungen zu FCoE sehr zurückhalten -- das ist noch mal 10 Jahre neuer, in Gegensatz zu iSCSI auf Grund seiner Zwitterfunktion zwischen Ethernet und FibreChannel aber weder von erfahrenen (IP-)Netzwerkern noch von erfahrenen SAN Spezialisten aus dem Stand heraus in der gewohnten und manchmal leider notwendigen Tiefe administrierbar - insbesondere wenn es um's Troubleshooting geht.
Für Kleinlösungen (innerhalb einer Schrankreihe)
mag FCoE funktionieren. Man sollte aber dabei nicht aus den Augen verlieren, daß die Protokollsuite bis heute nicht vollständig definiert (und schon gar nicht implementiert) ist - und so wie es aussieht auch nicht mehr werden wird. So kann über größere Distanzen (ich weiß nicht mehr ob's 100m, 1km oder 10km waren) die Verlustfreiheit nach wie vor nicht garantieren, so daß FCoE eben kein vollwertiger Ersatz für FC ist, sondern die Anbieter in der Regel empfehlen, die Server mit FCoE anzubiden ("letzter Meter") und die FCoE Switche dann doch wieder an ein trotzdem noch notwendiges FC SAN anzubinden. Warum man sich dann noch die zusätzliche Komplexität einer FCoE Implementierung antun soll, erschließt sich mir bislang nicht...

Dirk Haratz

18.10.2013 - RSchuster

Hmmm, es ist nett, daß sie Storageempfehlungen aussprechen. Aber ohne eine Information zu den geforderten Performancedaten (mehrere SQL Server mit hoher Last / 60 VMs) würde ich mir sehr schwer tun eine Produktempfehlung abzugeben.
Aber sie haben einen Blick in die Zukunft getan. Die EMC VNX5200 wir offiziell am 31. Oktober GA gehen.
Zum Thema FCoE kann ich die Vorteile bestätigen. Sowohl mit den Switchen von Brocade als auch mit Cisco läuft es performant und stabil.


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