20.09.2016 (Claudia Hesse)
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Veritas Vision: Informationen oder Daten – Währung der Zukunft

  • Inhalt dieses Artikels
  • Veritas Vision: Informationen oder Daten – Währung der Zukunft
  • Daten sind unterbewertete Assets
  • Unternehmensdaten: zwischen überlebensnotwendig und obsolet
  • 360-Grad-Datenmanagement – sichern, finden, analysieren
  • Daten nicht nur speichern, sondern auch wiederfinden
  • Fazit Veritas Vision: Erfolgsberichte sind vorprogrammiert

Claudia Hesse, speicherguide.deClaudia Hesse, speicherguide.deDie Datenanalyse wird für Unternehmen ein entscheidendes Kriterium für den geschäftlichen Erfolg, so der Tenor auf der Veritas Vision 2016. Data-Protection, Data-Availability und Data-Insight waren die herausragenden Themen der internationalen Konferenz, zu der mehr als 1.000 Menschen – Partner, Kunden und Medien – im Aria-Hotel im heißen Las Vegas aufliefen. Auf den ersten Blick eher wenig aufregend, auf den zweiten Blick aber schon nicht mehr. Veritas hat es verstanden, über die Agenda ein rundes Bild des »Warum«, »Wie« und »Was« zu schaffen.

Auf Einladung von Veritas hin habe ich mich also an einem Sonntag (was tun wir nicht alles für unsere Leser) nach Las Vegas aufgemacht, um zu hören, was das teilweise recht neue Management auf der ersten unabhängigen Veritas Vision zu sagen hat. Ende letzten Jahres hatten Symantec und Veritas ihre Trennung – nach elf Jahren Zusammenarbeit – bekannt gegeben. Zur Erinnerung: Die Finanzgruppe Carlyle (eine der größten weltweit) hatte in 2015 Veritas für rund acht Milliarden US-Dollar gekauft. Und Veritas hat seitdem mit Hochdruck an dem Launch diverser neuer Produkte gearbeitet, wie jetzt zu erfahren war.

Daten sind unterbewertete Assets

Mike Palmer, SVP, Veritas präsentiert Infomap (Foto: speicherguide.de)Mike Palmer, SVP, Veritas präsentiert InfomapIn toller Lokation und mit Kulisse sowie typisch amerikanischem Spektakel mit Licht- und Videoshow wartete Veritas mit hohen Zahlen auf und setzte damit den Rahmen: 50.000 Enterprise-Kunden, 86 Prozent der Fortune-500-Unternehmen zählen zu ihren Kunden, IoT (Internet of Things) wird bis 2020 zirka 54 Milliarden GByte (ja, Sie lesen richtig) an Daten produzieren. Laut Nate Silver, einem durch die letzten US-Wahlen weltweit bekanntem Statistiker, wurden 90 Prozent aller Daten in den letzten zwei Jahren produziert. Das schließt auch sämtliche E-Mails und WhatsApp-Nachrichten Ihrer und meiner Teenager mit ein (dann hört sich das schon wahrscheinlicher an…). Zudem nutzen 74 Prozent aller Unternehmen multiple Cloud-Services. In Kurzform: Die Daten gehen nicht aus und alles wird komplizierter, soweit die Führungsriege des Herstellers.

Bill Coleman, CEO, Ana Pinczuk, Produktchefin (CPO) und Mark Palmer, SVP für Data Insight-Produkte, alle erst seit diesem Jahr bei dem Unternehmen, hoben deutlich auf den Wert von Daten ab: »Es wird immer wichtiger, dass Unternehmen nicht nur Daten speichern und zu schützen, sondern die Möglichkeit haben, mit den Daten zu arbeiten, sprich, diese zu analysieren, zu kategorisieren und final zu kapitalisieren«, sagt Pinzczuk im Gespräch mit speicherguide.de. Weiterhin betont die überaus smarte Frau, dass Veritas in Zukunft nicht eine Backup- sondern eine Enterprise-Data-Management-Company sein werde, die den Kunden beim Erreichen des oben genannten Zieles helfen werde.

Unternehmensdaten: zwischen überlebensnotwendig und obsolet

Doug Laney, VP, Gartner, präsentiert Infonomics (Foto: speicherguide.de)Doug Laney, VP, Gartner, präsentiert InfonomicsEin interessanter Beitrag von Doug Laney, VP und Distinguished Analyst Data and Analytics Strategies bei Gartner, führte uns in den Begriff der Infonomics. Noch nie gehört? Dann sind sie nicht allein. In Deutsch heisst das weniger elegant Informationswissenschaft und befasst sich mit dem wirtschaftlichen Wert von Informationen. Wer’s genauer wissen wil, kann schon mal hier bei Wikipedia nachlesen (Vorsicht: Langweileralarm). Daten sind nicht zwangsläufig Informationen. Immerhin ist ein hoher Prozentsatz (manche reden von bis zu 85 Prozent) der im Unternehmen gespeicherten Daten redundant, obsolet (sprich, werden nicht mehr genutzt) oder überaus trivial. Zumindest für das Unternehmen selber (oder haben Sie noch nie ein privates Bild/Video auf Ihrem Desktop oder Laptop gespeichert?).

Bleiben aber immer noch genügend Daten, ohne die das Unternehmen nicht arbeiten könnte, die also überlebensnotwendig sind. Denken Sie an all den Code, den ein Software-Unternehmen generiert oder die ganzen Kundendaten, die im System vorhanden sind. Nichtsdestotrotz finden sich diese Werte in keiner Bilanz irgendeines Unternehmens wieder. Die Kiste, auf der die Daten gespeichert werden, schon. Der Inhalt nicht. Versichern kann man die Daten auch nicht. Wie aber sollen wir irgendwas verwalten, was wir nicht mal messen können? Der Markt macht es doch irgendwie – das Messen. Denken Sie mal an den Kaufwert von Unternehmen, der ein Vielfaches des Umsatzes (meist ist gar kein Profit vorhanden) ausmacht. Da werden ganz klar Informationen (ja, und auch Potential) bewertet. Die Übernahme von Whatsapp durch Facebook war ein eindrückliches Beispiel, immerhin haben hier 19 Milliarden US-Dollar den Besitzer gewechselt. Und das bei einem Umsatz von zehn bis 15 Millionen Dollar.

Aber zurück zum Thema Informationen: Zu berücksichtigen sind verschiedene Faktoren wie Cost-Value und Intrinsic-Value (Eigenwert). Das heißt, »was würde es uns kosten, wenn wir die Daten verlieren würden?« bzw. »Wie korrekt, komplett und exklusiv sind die Daten?« Außerdem zu berücksichtigen sind, was die Daten zu unserer Bottom-Line beitragen und ob und was sie beim Verkauf oder Handel mit denselben erlösen würden.

Das Ganze ist also nicht trivial, und die richtige und sinnvolle Analyse und Einschätzung der Daten und Informationen kann der Wettbewerbsvorteil sein oder werden – oder ein Nicht-vorhanden-sein ebenso das Zurückbleiben im Feld bedeuten.

360-Grad-Datenmanagement – sichern, finden, analysieren

»Es geht in unserer Welt nicht um geschlossene, proprietäre System, sondern darum, Daten zu teilen«, erklärt Veritas-SVP Palmer. Genau das tun tatsächlich die meisten Unternehmen, die nämlich – Studien zufolge – zu 74 Prozent multiple Cloud-Lösungen einsetzen. Wie aber die Daten schützen, sichern und auch noch gesetzliche Richtlinien in Sachen Datenschutz einhalten, was unter anderem heisst, zu wissen, wo die Daten liegen? Ach ja – und dann gibt es noch die CFOs oder CIOs, die ja doch ein knappes Budget zur Verfügung stellen.

Veritas stellte dafür Produkte vor – wie die Unterstützung von OpenStack-Cloud-Lösungen in Zusammenarbeit mit RedHat (siehe »Veritas und Red Hat kümmern sich gemeinsam um OpenStack«), aber auch neu den Support von Microsoft Azure durch die neue Version der Backup-Pakets »NetBackup«. Außerdem will Veritas laut Produktchefin Pinczuk Pay-as-you-go-Modelle bei der Datensicherung einführen und damit die Flexibilität der IT-Abteilungen erhöhen.

Daten nicht nur speichern, sondern auch wiederfinden

Daten sichern kann ja mittlerweile jeder, Daten finden ist eine ganz andere Sache – speziell, wenn diese verteilt über gewachsene Systeme verstreut irgendwo liegen. Hier soll »Veritas Access« unterstützen. Und nicht nur beim Wiederauffinden – egal ob lokal oder irgendwo in der Cloud, sondern auch beim Organisieren der Daten nach Nutzungsfaktor, sprich, wenig genutze Daten können nach vorher definierten Richtlinien auf die günstigsten Speichermedien verschoben werden, quasi eine Fortsetzung von bisherigen ILM- oder HSM-Lösungen. Ausserdem soll im vierten Quartal die »Veritas Resilience Platform 2.1« lieferbar sein. Mit dieser in Netbackup integrierbaren Lösung soll die komplexe Wiederherstellung für Tausende von virtuellen Maschinen mit einem Klick orchestrierbar sein. Also perfekt für Kandidaten, die ihre Daten in einer extrem heterogenen Umgebung liegen haben (on/off premise, diverse Anbieter etc.).

Wissen Sie, was sich so alles an Daten auf Ihren Servern, in Ihrer Cloud oder sonstigen eingesetzten Speichern tummelt? Zum Teil sicher, aber wenn Sie mal ganz ehrlich und ganz alleine vorm Spiegel stehen, können Sie ja zugeben, dass es doch eher nicht so ist. Diese sogenannten Dark Data (im Klartext, Sie haben keine Ahnung, was sich hinter den Datenvolumen verbirgt) sind einfach da. Und irgendwo. Und dann gibt es da noch die vormals erwähnten Datenschutzrichtlinien, die dem ein oder anderen CIO oder Systemadministrator den kalten Schweiss ausbrechen lassen.

Veritas aktuelles Produkt-Portfolio (Grafik: Veritas, Bild: speicherguide.de)Veritas aktuelles Produkt-PortfolioVeritas will nun dafür sorgen, dass Sie ihre Daten besser kennen lernen: Das Produkt dazu heisst »Infomap« und soll dafür mit einer visuell sehr ansprechenden Oberfläche (wir durften die Anwendung sehen) und einfacher Handhabung dafür sorgen, dass Sie einen schnellen und kompletten Überblick über Ihre unstrukturierten Unternehmensdaten bekommen – egal, wo sie sich befinden. Welche Daten sind alt, welche ungenutzt, welche produktiv – all diese Parameter zeigen relativ schnell, was Sache ist. Wichtig dabei: Auch wo die Daten liegen. Sprich – hier werden Daten analysiert, was das Zeug hält. An einem Beispiel, in dem Veritas gemeinsam mit Salesforce Datenanalyse in Sachen Kundenkontakt betreibt, zeigte Palmer eindrücklich, was mit Daten tatsächlich gemacht werden kann. Nämlich eine klare Analyse darüber, basierend auf E-Mail-Traffic, wie das Engagement in Richtung eines Kunden aussieht, was in Korrelation mit erreichten Umsätzen gebracht werden kann. Die hochtransparente Organisation ist nicht mehr weit. Veritas selber spricht auch von einem 360-Grad-Data-Management.

Und am Beispiel von Sky (TV) belegte das Unternehmen, dass durch Infomap die Admin-Zeit um ganze 73 Prozent reduziert werden konnte und 96.000 Backup-Tapes eliminiert werden konnten. Der frei gewordene Platz wurde zu einem Raum für die Mitarbeiter umgebaut. Infomap ist bereits erhältlich und kann hier kostenlos zum Test angefordert werden.

Fazit Veritas Vision: Erfolgsberichte sind vorprogrammiert

Veritas hat nicht nur eine neue Webseite, ein (fast komplett) neues Management und ein neues Logo, sondern einige interessante Produktneuheiten, die viel versprechen. Ob sie alles einhalten werden, wird die Zeit zeigen. Scott Anderson, Senior VP Veritas Information Protection Solutions, zeigte sich im Gespräch mit speicherguide.de sehr zuversichtlich, dass bei der Veritas Vision 2017 die Erfolgsberichte der jetzt vorgestellten Produkte gezeigt werden können.

Sicher gibt es einige sehr clevere Wettbewerber in allen von Veritas vertretenen Bereichen. Man schaue einfach mal in den berühmten Gartner-Quadranten. Nichtsdestrotrotz ist Veritas aber als relatives Schwergewicht mit großer Basis an installierten Systemen und Kunden nicht zu unterschätzen. Was ich persönlich sehr eindrücklich fand, war die Begeisterung aller Veritas-Mitarbeiter, die eine gute Verbundenheit mit ihrem Unternehmen spürbar machen. Meiner Meinung nach wichtige Erfolgsfaktoren.

Kreative Anzeigenwerbung auf der Veritas Vision 2016 (Bild: speicherguide.de)Kreative Anzeigenwerbung auf der Veritas Vision 2016Ausserdem hat auch Veritas erkannt, dass die höher-schneller-besser-Phase der IT wohl endgültig vorbei ist. Wichtig ist, welche Probleme der Kunden erfolgreich und möglichst einfach gelöst werden können. Einfach zumindest an der Oberfläche. Final sind wir doch alle froh, wenn ein wenig Komplexität aus unserer Welt genommen wird.

Last, but not least: Und da war noch die Kurzzusammenfassung von Nate Silvers Präsentation über Statistiken: Alle Modelle sind falsch, aber nützlich.

Last but very least: Feindbilder müssen immer noch herhalten – auch in der IT –, und wenn es nur zum Amusement der Clientel dient.




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