Industrial AI Cloud: Telekom nimmt KI-RZ in München in Betrieb
In München nimmt die Deutsche Telekom mit der »Industrial AI Cloud« ein neues KI-Rechenzentrum in Betrieb. Rund 10.000 Nvidia-Grafikprozessoren sollen die Plattform tragen. Der Standort im Tucherpark setzt auf ein saniertes Bestandsgebäude und Eisbach-Wasser zur Kühlung.
Am 4. Februar 2026 eröffnet Deutsche Telekom in München ein neues Rechenzentrum für KI-Workloads und nimmt damit die Industrial AI Cloud in Betrieb. Telekom-Chef Timotheus Höttges eröffnet die Anlage gemeinsam mit Vizekanzler Lars Klingbeil und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Bereits Anfang November 2025 hatten NVIDIA und die Telekom das Vorhaben als gemeinsame Initiative im Umfang von rund einer Milliarde Euro vorgestellt. Im Fokus stehen KI-Anwendungen für Industrie, Mittelstand und Start-ups, von Konstruktion und Simulation bis Robotik, jeweils über eine in Deutschland betriebene Infrastruktur.
Realisiert wurde der Standort nicht als Neubau, sondern durch die Umnutzung eines früheren Rechenzentrums der Hypovereinsbank. Die Anlage erstreckt sich über sechs unterirdische Stockwerke.
Technik: bis zu 10.000 GPUs auf Blackwell-Basis
Technisch setzt das Projekt auf mehr als tausend Systeme der Klassen NVIDIA DGX B200 und NVIDIA RTX PRO Servers mit bis zu 10.000 GPUs auf Basis von NVIDIA Blackwell. Ergänzend nennt die Telekom ein Partner-Ökosystem, darunter SAP für Plattform und Anwendungen, Siemens, Perplexity sowie Robotik-Anbieter wie Agile Robots und Wandelbots.
Inhaltlich wird das Angebot als Baustein für Datensouveränität positioniert. Daten sollen physisch in Deutschland verbleiben und europäischem bzw. deutschem Recht unterliegen. In der Abgrenzung zu US-Hyperscalern wird dabei auch der US-Cloud-Act als Argument genannt. Gleichzeitig bleibt der Kontext klar: Gegen AWS, Azure und Google Cloud tritt die Telekom nicht über schiere Investitionshöhe an, sondern über regionale Nähe zu Industriekunden, Sicherheitsanforderungen und niedrigere Latenzen rund um den Ballungsraum München.
Zielgruppe: KI für Forschung, Entwicklung und digitale Zwillinge
Die Telekom adressiert mit dem neuen Rechenzentrum vor allem Unternehmen aus Industrie und Mittelstand, die KI-Rechenleistung für Forschung und Entwicklung benötigen. Gemeint sind Szenarien wie das Trainieren und Testen von KI-Modellen, die Auswertung großer Mess- und Sensordatenmengen sowie rechenintensive Simulationen in der Produktentwicklung. So lassen sich beispielsweise mit einem digitalen Zwilling Bauteile, Maschinen oder ganze Produktionslinien virtuell nachbilden, um Varianten, Materialverhalten oder Prozessparameter durchzuspielen, bevor in der realen Welt Prototypen gebaut oder Anlagen umgerüstet werden.
Standort und Infrastruktur: Bestandsgebäude, Eisbach-Kühlung, Abwärme
Realisiert wurde der Standort nicht als Neubau, sondern durch die Umnutzung eines früheren Rechenzentrums der Hypovereinsbank. Die Anlage liegt im Tucherpark nahe dem Englischen Garten und erstreckt sich über sechs Stockwerke, die vollständig unterirdisch angelegt sind.
Als Kühlkonzept wird Eisbach-Wasser verwendet. Das heißt vereinfacht: Der Bach übernimmt die Rolle eines großen, natürlichen »Kühlkörpers«. Natürlich, ohne dass das Flusswasser in die IT-Anlage gelangt.
Technisch läuft das typischerweise so: Die Serverwärme wird über einen geschlossenen internen Kühlkreislauf an Platten- oder Rohrbündel-Wärmetauscher abgegeben. Auf der anderen Seite dieser Wärmetauscher strömt Eisbach-Wasser, das die Wärme aufnimmt, ohne mit dem Rechenzentrums-Kühlwasser in Kontakt zu kommen.
Die entstehende Abwärme soll perspektivisch in das Fernwärme-Netz eingespeist werden, um das Quartier im Tucherpark mitzuversorgen, auch für Teile des Lehel. Im Tucherpark ist ein gemischtes Stadtviertel geplant, unter anderem mit rund 600 Wohnungen sowie weiteren Nutzungen wie Büros, Gastronomie und Nahversorgung. Der Vorteil der räumlichen Nähe liegt vor allem in kurzen Leitungswegen, geringeren Wärmeverlusten und einer leichteren Einbindung in die Quartiersversorgung. Der Zeithorizont hängt am Quartiersausbau, die Wohnungen sollen nach Planung bis Ende des Jahrzehnts fertiggestellt werden.