Datenschutztag 2026: Löschung und Transparenz im IT-Härtetest
Der europäische Datenschutztag wird gern als Pflichtprogramm abgetan. 2026 ist dafür ein schlechter Zeitpunkt: Transparenzpflichten (Art. 12–14 DSGVO) stehen stärker im Fokus der Aufsicht, nach dem Lösch-Schwerpunkt 2025. IT muss Datenflüsse, Löschketten über Systeme und Backups sowie GenAI-Nutzung so steuern, dass es auditfest belegbar ist.
Der schnellste Weg zum Datenschutzproblem führt nicht über ein Formular, sondern über eine Schnittstelle. Ein neues SaaS-Tool, ein Export in ein Data-Lake, ein KI-Assistent mit Upload-Funktion – und plötzlich weiß niemand mehr, welche Daten wohin laufen. Genau deshalb ist der europäische Datenschutztag am 28. Januar (international oft als »Data Privacy Day« bezeichnet) für IT interessant: Er soll animieren, die Datenflüsse und Verantwortlichkeiten einmal ohne PowerPoint-Filter anzuschauen. Das Datum selbst geht auf eine frühe europäische Datenschutzkonvention zurück, die 1981 beim Europarat zur Unterzeichnung aufgelegt wurde.
Datenschutztag erinnert an Umgang mit personenbezogenen Daten
Die Botschaft ist betriebsnah: Personenbezogene Daten sind kein beliebig nutzbarer Rohstoff, sondern zweckgebunden zu verarbeiten, abzusichern, verständlich zu erklären und im Zweifel auch wieder zu löschen. In der Praxis scheitert das selten an Paragrafen, sondern an gewachsenen IT-Landschaften: Schatten-Workflows, schnell angebundene SaaS-Dienste, Log- und Ticket-Systeme als Datenfriedhöfe, Backups als Langzeitarchiv, plus KI-Tools, die Daten in neue Verarbeitungswelten ziehen.
Stimmung 2026: weniger Geduld, mehr Nachweis
Rund um den Datenschutztag 2026 dominiert Kontroll-Realismus. Aufsichten hatten 2025 das Recht auf Löschung koordiniert im Fokus. Gefragt ist die Nachweisfähigkeit: Wie werden Löschanträge praktisch umgesetzt, welche Ausnahmen sind begründet, und wie wird das Ergebnis belegbar. Für 2026 rücken Transparenz und Informationspflichten nach Art. 12 bis 14 DSGVO nach vorn. Genau dort klaffen häufig Dokumentation und Systemwirklichkeit auseinander.
Parallel läuft die politische Debatte um Vereinfachungen der Regeln. Das ist kein Freibrief. In der operativen Realität steigen Erwartung und Prüfungsdruck, weil Datenmengen wachsen, Auslagerung zunimmt und GenAI den Datenverkehr beschleunigt.
Was IT-Beauftragte jetzt prüfen sollten
Löschung ist ein Ende-zu-Ende-Prozess, kein Button. Wer nur im Primärsystem löscht, verschiebt das Problem. Personenbezogene Daten hängen an Fachanwendungen, Data-Lakes, Collaboration, Tickets, Logs, Archiven und Backups. Der Lackmustest lautet: Lässt sich eine Löschkette über diese Landschaft definieren, ausführen und revisionsfest belegen, inklusive Restore-Szenarien.
Transparenz braucht eine belastbare Datenlandkarte. Wenn Informationspflichten geprüft werden, muss nachvollziehbar sein, welche Daten woher kommen, wohin sie gehen, wofür sie genutzt werden und welche Dritten beteiligt sind. Technisch heißt das: Schnittstellen- und Datenfluss-Dokumentation, Zweckbezug je Verarbeitung, Versionierung von Änderungen, plus Vendor- und Subprocessor-Management.
KI-Nutzung gehört in ein Betriebs- und Governance-Korsett. Häufige Risikotreiber sind Prompts, Uploads und Telemetrie in GenAI-Tools, nicht nur Trainingsdaten. Ohne Datenklassen-Regeln, Freigaben und Guardrails wird aus »Produktivität« schnell ein Incident, der anschließend als Datenschutzvorfall auf dem Tisch landet.
Resümee seit 2025
2025 haben wir auf speicherguide.de bereits berichtet, wie Datenschutz, Geopolitik und IT-Betrieb enger zusammenrücken. Der Datenschutz sollte als Souveränitätsfrage mitgedacht werden, inklusive der Risiken aus extraterritorialen Zugriffen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark Cloud- und Abo-Modelle von rechtlichen Rahmenbedingungen abhängen, die sich politisch bewegen und juristisch angreifbar bleiben.
Seither hat sich das Bild weiter geschärft. Der EU-Data-Act ist seit September 2025 in Kraft, und damit gewinnt die praktische Umsetzung von Datenzugang, Portabilität und Governance an Gewicht. Bei Datentransfers bleibt der Betrieb zwar möglich, das Thema ist aber weiterhin ein Risikofeld für Vertragsmanagement, technische Kontrollen und Dokumentation, weil schon kleine Unterschiede in Anbieter-Setups oder Unterauftragsketten die Bewertung kippen können. Vor allem ist der Aufsichts-Fokus klarer geworden: Nach dem Schwerpunkt auf Löschung rückt Transparenz in den Mittelpunkt, und damit steigt der Druck, dass Dokumentation und Systemwirklichkeit endlich deckungsgleich werden.