02.02.2018 (Beate Herzog)
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Schöne neue (Arbeits-)Welt für unmenschliche Intelligenzen

  • Inhalt dieses Artikels
  • Die Automatisierung ist schuld
  • Leben mit weniger Arbeit gestalten
  • Video-Interview mit Doris Albiez, Chefin von Dell EMC

Die Rapports aus Politik und Marktforschung zur Zukunft der Arbeit sehen nicht gut aus. Angesichts des vielfach beklagten akuten Fachkräftemangels, beklagen viele Beobachter eine unzureichende Ausbildung. Dell-EMC-Chefin Doris Albiez sieht die Arbeitsmarktlage eher kritisch.

Doris Albiez, Dell EMC: »Mitarbeiter und Abteilungen müssen die digitale Transformation annehmen und einheitlich orchestrieren« (Bild: speicherguide.de).Doris Albiez, Dell EMC: »Mitarbeiter und Abteilungen müssen die digitale Transformation annehmen und einheitlich orchestrieren« Aktuell wird gerne die Erwartung gepflegt, dass in einer Industrie 4.0 zwar Arbeitsplätze wegfallen, aber wie immer bei industriellen Revolutionen auch zahlreiche neue entstehen. Ein Nullsummenspiel sozusagen. Nach Ansicht von Doris Albiez, Deutschland-Chefin von Dell EMC, wird dabei übersehen, dass die Digitalisierung auch hochqualifizierte Tätigkeiten massiv betrifft. Notwendig sei daher, auf allen Ebenen »disruptiv« zu denken und eine generelle Neubewertung der Erwerbsarbeit vorzunehmen.

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Die Automatisierung ist schuld

Zahlreiche Studien haben inzwischen die Wirkungen fortschreitende Automatisierung, die umfassende Vernetzung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) untersucht. Das Ergebnis fällt für zahlreiche Arbeitsplätze und ganze Berufsbilder negativ aus. Je nach Studie ist die Rede davon, dass 40 bis 60 Prozent aller Beschäftigten ihre Arbeit verlieren könnten. Eine aktuelle McKinsey-Studie kam zu dem Ergebnis, dass bis 2055 »die Hälfte aller Arbeitsstunden durch Automatisierung wegfallen« könnte, knapp ein Viertel schon bis 2030.

Zugleich schafft die Digitalisierung natürlich auch neue Jobs. Vor allem in der IT-Welt ist die Zuversicht weit verbreitet, dass sich beide Entwicklungen annähernd ausgleichen werden. Dabei wird häufig auf die Einführung des PC in den 80er-Jahren verwiesen, als zwar viele Jobs überflüssig wurden, zugleich aber in einem ganz neuen Industriezweig auch eine Vielzahl neuer Berufe wie Softwareentwickler, Systemadministratoren oder IT-Consultants entstanden; am Ende gab es sogar mehr Arbeitsplätze als zuvor.

Leben mit weniger Arbeit gestalten

Dells Deutschlandchefin sieht aber einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen der Einführung der PC-Technologie und der aktuellen digitalen Transformation: Früher wurden einfache Arbeitsprozesse wegrationalisiert, morgen betrifft die digitale Umwälzung auch hochqualifizierte Tätigkeiten wie Bankkaufleute und Ärzte. Das ist etwas ganz Neues und stellt eine enorme soziale Disruption dar.

Albiez: »Wir dürfen uns trotzdem nicht darauf beschränken, bei Disruption immer nur an Technik zu denken, sondern auch ganz grundsätzlich über den Zusammenhang von Arbeitsprozessen, Einkommen und Lebensgrundlage nachdenken. Disruptiv denken heißt, dass wir auch Erwerbstätigkeit und Erwerbsgesellschaft neu erfinden müssen.«

Nachhaltigkeit, intaktes soziales Umfeld, Selbstverwirklichung und das Gefühle etwas Sinnvolles zu tun, sollten in Zukunft das menschliche Zusammenleben dominieren. »Horrorszenarien zur Zukunft der Arbeit seien kontraproduktiv«, sagt Albiez. Man sollte sich der Thematik stellen und aktiv gestalten, und nicht versuchen diese technische Umwälzung auszusitzen, lautet ihr Credo.

Video-Interview mit Doris Albiez, Chefin von Dell EMC