Überraschungsdeal: LSI kauft SSD-Anbieter
Ulrike RießFeiner Schachzug und sicher Startschuss eines Trends. Die Übernahme des SSD-Anbieters durch LSI zeigt, wie wichtig Flashspeicher wird. Das Unternehmen wird sicher kein Einzelfall bleiben und Speicherhersteller könnten eventuell eine neue Bieterschlacht starten.
Auf den ersten Blick ist der Deal nicht spektakulär. Nachdem LSI die Engenio-Mannschaft/-Produkte an Netapp veräußert hat, fühlte sich das Unternehmen wohl ein wenig schwach auf der Brust und suchte nach Erweiterungspotenzial. Dies bot sich dann in Form der Firma Sandforce an. Nein, die verkaufen weder Sandförmchen noch Beach-Volleybälle, sondern Flash-Speicher-Prozessoren und SSDs. Das Ganze lässt sich LSI auch 370 Millionen US-Dollar kosten, 322 Millionen davon in bar.
Man muss kein Orakel sein, um zu ahnen, wie LSI die Technologie einsetzen wird. Immerhin benutzt das Unternehmen bereits jetzt die Sandforce-Produkte in ihren Controllern. Viel interessanter ist es, sich einen solchen Schachzug innerhalb des Marktes genauer zu betrachten. Nicht nur, dass LSI die Kosten für SSDs nun intern verbucht und eventuell auch an Dritte veräußern könnte, so profitiert die Firma auch von schnelleren Time-to-Market-Zyklen, da ja nun inhouse entwickelt wird.
Persönlich sehe ich diese Akquisition als ein Zeichen oder Anfang einer breiteren Bewegung. Denn ich bin mir sicher, dass hinter ganz vielen verschlossenen Türen diverser Speicherhersteller über eine ähnliche Übernahme diskutiert wird. Und warum auch nicht, denn damit macht man sich unabhängig von Zulieferern und kann letztlich den Verkaufspreis direkt diktieren. Darüber hinaus ist man noch schneller am Markt, um später reine SSD-Systeme auf den Markt zu werfen. Natürlich hieße das im Umkehrschluss keine Alternativen mehr zu haben, aber letztlich wird sich das jeweilige Unternehmen ausrechnen müssen, was günstiger oder profitversprechender ist. Und sicher werden viele SSD-Hersteller die Chance nutzen, sich ein wenig aufzuhübschen für die Brautschau. Mal sehen, ob und wie viele Vermählungen wir hier sehen werden.
Mit ganz schnell gespeicherten Grüßen,
Ulrike Rieß.