Tape-Librarys: Unschlagbares Preis/Leistungs-Verhältnis
Kein anderes Backup-System bietet derart hohe Speicherkapazitäten bei vergleichsweise geringen Energiekosten wie Bandbibliotheken. Eine durchdachte Sicherungsstrategie kombiniert zudem Disk-Backup mit Tape als Auslagerungsmedium und zur Langzeitarchivierung. Mit LTO-5 steht eine neue Gerätegeneration parat.
In den Medien und im Marketing fristen Bandbibliotheken schon länger ein Nischendasein. Als Außenstehender würde man glauben, dass es neben Plattensystemen keine ernst zu nehmenden Datensicherungsmedien gibt. Dem ist jedoch nicht so. Magnetbänder sind auch im Backup noch zeitgerecht.»Auch wenn der generelle Trend für das Band in Richtung Archivierung geht, seit Disk zu einer kostengünstigeren Backup-Alternative wurde, so liegt die Zukunft von Tape doch nicht ausschließlich in diesem Bereich«, erklärt Frank Herold, Manager Presales & Consulting CEE bei Quantum. »Bänder verbrauchen wesentlich weniger Energie als Festplatten und benötigen weniger Kühlung. Außerdem liegen sie bei den Anschaffungs- und Betriebskosten, den Kosten pro TByte, in punkto Skalierbarkeit, Portabilität und Lebensdauer weiterhin weit vorne.« Diese Mischung aus Umwelt-, Leistungs- und Kostenaspekten führt dazu, dass Bandbibliotheken weiterhin in vielen Unternehmen im Backup zum Einsatz kommen.
»Tape-Librarys bieten immer noch das beste Preis/GByte-Verhältnis«, bestätigt Klaus Albert, Consultant bei TIM. »Was sich jedoch verändert hat, ist die Tatsache, dass sie meistens nach Backup-to-Disk als 'Secondary Storage' integriert werden.« Das heißt, das Backup wird zuerst auf Platten geschrieben und anschließend auf Band migriert.
»Auf Grund des anhaltenden Datenwachstums – laut Horizon 4,4 YByte bis 2050 – werden hochkapazitive Datenträger benötigt«, sagt Robert Guzek, Produkt Marketing Manager Eternus bei Fujitsu. »Treibende Kräfte liegen in unterschiedlichen Bereichen wie der Medizin (Patientenakte), dem Web (Bilder, Video- und Musikclips) sowie gesetzlichen Regelungen zur Datenvorhaltung und Sicherung.« Daher bleibe das Band auf lange Zeit ein zeitgerechtes Sicherungsmedium. Zudem sieht Guzek die IT-Welt am Anfang einer neuen Epoche, in der die Clouds über die Sensornetzwerke eine Flut von Daten erzeugen. Als Beispiele nennt er Temperatursensor, Überwachungskamera, Rauchmelder, Regenmesser, Infrarot-Sensor, Fingerabdruckscanner, Thermometer, GPS, Blickwinkel-Sensor, Beleuchtungsmesser, Feuchtigkeitsmesser und Tachometer. »Unsere bekannte Welt wird sich auf Grund der neuen Möglichkeiten in den nächsten Jahrzehnten rasant verändern – auch in Bereichen, wo man normalerweise keine tief greifende Veränderung erwartet, wie in der Landwirtschaft«, konstatiert der Fujitsu-Manager.
»Ungefähr 85 Prozent aller Speicherinfrastrukturen setzen Bänder als Bestandteil der Recovery-Architektur ein«, sagt Dave Russell, Vice President für Speichertechnologien und -strategien bei Gartner. »Das ist das Ergebnis aus gesetzlichen Vorschriften, Risiken in Bezug auf Rechtsstreitigkeiten und einer Mischung unternehmensinterner Initiativen. Schätzungen zufolge wächst die Datenmenge durchschnittlich um 60 Prozent pro Jahr. Dem gerecht zu werden hat in der IT weiterhin oberste Priorität. Das Band ist auf Grund seiner geringen Gesamtkosten über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg immer noch die beste Lösung für die langfristige Datenvorhaltung.«
LTO das alleinige Format
Konkurrierten vor Jahren noch eine Vielzahl an Bandformaten, so ist heute LTO allein bestimmend. »Laut einer IDC-Studie vom Mai 2010 dominiert LTO mit 99 Prozent den Markt«, erläutert Quantum-Manager Herold. »Mittlerweile existiert eine Roadmap bis LTO-8, mit zeitlichen Abständen von etwa 24 Monaten zwischen zwei Laufwerksgenerationen. Die neueste Generation – heute LTO-5 – steht bei der Nachfrage an oberster Stelle, aber die Übergänge sind fließend.« LTO-3-Laufwerke sind zum Teil bereits seit vier Jahren im Einsatz, was höhere Wartungskosten nach sich ziehe. Dieser Umstand schaffe einen natürlichen Kaufanreiz für die jeweils aktuelle Generation. Generell sind LTO-Laufwerke verschiedener Hersteller sowohl rückwärts als auch untereinander kompatibel. Ersteres bedeutet, dass sie die Vorgängergeneration lesen und schreiben sowie die zwei vorhergehenden Generationen lesen können. Nur so lässt sich ein Migrationspfad älterer Daten gewährleisten.»Bei Neuanschaffung sollten Unternehmen auf die aktuelle Laufwerkstechnologie und nicht auf auslaufende Produkte setzen«, rät Fujitsu-Manager Guzek. »Ansonsten lässt sich die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre nicht nutzen. Dies kann durchaus bedeuten auch mal einen Server mit zu erneuern.«
Kaufkriterien für Bandbibliotheken
Beim Kauf einer Bandbibliothek sollte man sowohl Hard- als auch Soft-Facts berücksichtigen. Zu den technischen Kriterien gehören die Skalierbarkeit von Laufwerken und Slots für einen langfristigen Investitionsschutz, die Möglichkeit zur Partitionierung, ein den Anforderungen gerechter Service-Level sowie ein dem Gesamtpaket angemessener Preis.
»Eine gute Tape-Library zeichnet sich durch eine stabile Bauweise, robuste Mechanik und Bedienerfreundlichkeit aus«, konstatiert Albert. »Zusatzfunktionen wie Partitionierung sind genauso wichtig wie eine Skalierbarkeit in Slots und Drives.« Heutzutage definiert sich eine Bandbibliothek durch die mögliche Anzahl von Stellplätzen und Laufwerken. Hier entscheidet die Umgebung des Kunden, was eingesetzt wird. Gerade im Hinblick auf Funktionen gibt es kaum noch Unterschiede zwischen kleinen und großen Bandbibliotheken.«
»Durch den verstärkten Einsatz im Archivumfeld steigt außerdem der Wunsch zur proaktiven Überprüfung auch inaktiver Medien«, meint Herold. »Eine Tape-Library sollte inaktive Bänder regelmäßig auf Lesbarkeit überprüfen können. Generell gilt: je größer die Geräte, desto mehr rücken neben einem knackigen Preis die Soft-Facts in den Mittelpunkt.« Dazu zählen:
- Wie einfach lässt sich die Tape-Library verwalten – auch remote und/oder für mehrere Mandanten?
- Lassen sich Komponenten wie Laufwerke, Netzteile und Lüfter im laufenden Betrieb tauschen?
- Ist der Status der Bandmedien, der Laufwerke oder des gesamten Geräts einfach zu überprüfen? Meldet sich das System bei auftretenden Problemen gar automatisch?
Eine Bandbibliothek sollte das ermittelte Datenwachstum der nächsten fünf Jahre abdecken. »Wobei die Hardware nicht komplett zum Zeitpunkt des Kaufs erworben werden muss«, meint Guzek. »Sie sollte aber den Anforderungen entsprechend erweiterbar sein.«
Kategorien: Einstieg bis Highend
Der Einstiegsbereich beginnt bei Tape-Librarys bei Geräten mit zwei bis vier Laufwerken. Davor lassen sich noch Autoloader aufführen, die lediglich mit einem Streamer ausgestattet sind und sich auch nicht erweitern lassen. Die Mittelklasse arbeitet mit bis zu 18 Laufwerken sowie 40 bis 600 Stellplätzen. Die oberste Kategorie bewegt sich zwischen zehn bis 100 Laufwerken sowie 300 bis 100.000 Bandstellplätzen.
