24.04.2015 (eh)
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Interview mit Acronis: Backup ist heute mehr als Datensicherung

Virtualisierung, Cloud und Datenexplosion verändern die Rechenzentren. Hinzu kommt, dass der Großteil der Daten neuerdings unstrukturiert vorliegt – und somit nicht verwertbar ist. Zeitrahmen und Budget für Backup und Datensicherung laufen völlig aus dem Ruder. Wie die Zeitfenster für Backup-Prozesse weiter zu verkürzen und festgelegte Recovery-Ziele bestmöglich einzuhalten sind, darüber sprach speicherguide.de mit Sandra Adelberger, Director Product Marketing bei Acronis.

  Sind angesichts des rasanten Datenwachstums die bekannten Backup-Strategien vergangener Tage passe? Oder genügt es, bekannte Backup-Strategien lediglich anzupassen?

Sandra Adelberger, Director Product Marketing, AcronisSandra Adelberger, Director Product Marketing, AcronisAdelberger: Das Datenwachstum stellt durchaus eine große Herausforderung für herkömmliche Backup-Strategien dar, die sich aber bei gründlicher Analyse der Daten und Ihrer Speicherorte und sorgfältiger Planung einer gemischten Backup-Strategie (verschiedene Vorgehensweise bei verschiedenen Daten oder Speicherorten) oft noch in den Griff bekommen lassen. Hauptvoraussetzung dafür ist aber auf jeden Fall eine leistungsfähige, flexible und umfassende Backup-Lösung, die leicht zu bedienen ist und umfassende Unterstützung für beliebige Hardware, Betriebsysteme, Hypervisor und Applikationen bietet. Denn auch kleine bis mittlere Unternehmen haben inzwischen fast immer gemischte Umgebungen im Einsatz und hohe Anforderungen an RTO und RPO.

  Müssen evtl. vollkommen neue Backup-Strategien, -Philosophien, -Strukturen oder gar -Architekturen entwickelt werden?

Adelberger: Es ist auf jeden Fall wichtig für Unternehmen, sich der veränderten Möglichkeiten beim Thema Data-Protection bewusst zu werden, und die vorhandenen Backup-Strategien an neue Möglichkeiten anzupassen. Je nachdem wie sich ein Unternehmen und seine IT-Infrastruktur in den letzten Jahren entwickelt hat, geht es heute oft nicht mehr nur um Backup als Datensicherung im klassischen Sinn. So bringt beispielsweise die Nutzung von Mobilgeräten im Unternehmen ganz neue Themen für die IT mit sich, da es hierbei nicht mehr nur um das Sichern der Daten gegen physischen Verlust, sondern auch gegen ungewollten Abfluss der Daten aus dem Unternehmen oder nicht autorisierte Zugriffsmöglichkeiten geht. Data-Protection in der heutigen Zeit ist bereits wesentlich umfangreicher und beinhaltet weit mehr Aspekte unterschiedlicher Bereiche, als nur die klassische Datensicherung.

  Woran sollten Administratoren in den Unternehmen arbeitet, um ihr Backup für den weiterhin tobenden Daten-Tsunami fit zu halten?

Adelberger: Eine zunehmend dynamische Geschäftsumgebung setzt deutlich agilere IT-Infrastrukturen voraus und erfordert Veränderungen in verschiedenen Bereichen, einschließlich Data-Protection und Disaster-Recovery. Viele Unternehmen haben ihre ursprünglich auf physischen Systemen basierende Infrastruktur um virtuelle Systeme ergänzt und befassen sich nun mit den vielen neuen Möglichkeiten, die Cloud-basierte Lösungen bieten können. Eine geeignete Backup-Lösung sollte damit umgehen können und zusätzlich zu leichter Bedienbarkeit auch umfassende Unterstützung für solch gemischte Umgebungen und verschiedenste Betriebsysteme, Hypervisor und Applikationen bieten.

  Woran erkennen Sie, dass sich in den Unternehmen die Datensicherung in einem Wandel befindet?

Adelberger: Jüngste Untersuchungen von IDC zeigen, dass fast 50 Prozent der Befragten ein starkes Interesse an einer neuen Generation von Data-Protection-Lösungen haben, die einfach zu verwenden sind und die Anforderungen der gemischten und immer komplexeren Umgebungen von heute erfüllen können. So erfreut sich beispielsweise inzwischen auch Mac als Business-System inzwischen immer größerer Beliebtheit und führt damit in vielen Windows-basierten Infrastrukturen zu einigen Unannehmlichkeiten für die IT ebenso wie für die Anwender. Oder auch die starke Zunahme von Mobilgeräten in Unternehmensumgebungen, und dabei besonders die Umsetzung von BYOD, führt zu immer neuen Anforderungen, die durch traditionelle Datensicherung allein nicht mehr erfüllt werden können. Stattdessen kann zum Beispiel die Einführung einer MCM-Lösung (Mobile Content Management) nötig werden, um dafür zu sorgen, dass alle wichtigen Daten auch weiterhin sich zur Datensicherung im Unternehmen befinden.

  Wie sieht aus Recovery-Aspekten ein möglichst perfekter Mix aus, um größere Datenmengen wieder herzustellen?

Adelberger: Ein perfekter Mix hängt immer von den jeweiligen Anforderungen das Unternehmens ab. Grundsätzlich empfiehlt sich aber stets eine Mischung aus verschiedenen Storage-Varianten mit unterschiedlicher Performance und Kostenstruktur, um die Kosten-Nutzen-Rechnung weitgehend zu optimieren. Ebenso sollte man seine Daten nach Wichtigkeit und Wertigkeit analysieren, und gegebenenfalls mit verschiedenen Strategien für verschiedene Arten von Daten arbeiten.
Wir empfehlen außerdem in den meisten Fällen eine 3-2-1-Strategie, um das Risiko eines SPoF (Single Point of Failure) zu vermeiden und die Daten gegen alle möglichen Desasterfälle abzusichern. 3-2-1-Strategie heißt: Es werden insgesamt drei Sätze an Daten vorgehalten. Ein Satz sind die Daten, mit denen produktiv gearbeitet wird, die beiden anderen dienen zur Sicherung und sollten auf verschiedenen Speichermedien und idealerweise auch an verschiedenen Orten abgelegt werden. Hier kann beispielsweise Cloud-Storage eine sichere und kosteneffiziente Möglichkeit zur Offsite-Aufbewahrung ermöglichen.

  Bleiben wir gleich bei der Cloud. Sie wird – vor allem von Cloud-Anbietern – als neue Auslagerungsalternative für Backup-Daten, Archivierung und Replikation propagiert. Wie sehen Sie diesen Ansatz? Ist das die Zukunft? Auch für große Enterprise-Organisationen mit richtig großen Datenbeständen?

Adelberger: Cloud-Storage bietet auf jeden Fall eine sichere und kosteneffiziente Möglichkeit zur Offsite-Aufbewahrung von Daten, bei der je nach Modell keine Vorabinvestition in Hard- und Software erforderlich ist, und meist nur für das bezahlt wird, was auch genutzt wird. Natürlich bedeutet das bei sehr großen Datenmengen aber auch, dass es entsprechende Möglichkeiten geben muss, diese möglichst schnell von A nach B bekommen zu können. Nur eine Übertragung per Netzwerk wird dafür in vielen Fällen nicht mehr ausreichen. Doch mit plattenbasierten Möglichkeiten für eine Übertragung eines ersten Vollbackups oder das Zurückholen eines gesamten Systems in Desasterfall kann man dieses Thema gut in den Griff bekommen. Darüber hinaus bieten Cloud-basierte Infrastrukturen noch ganz andere Möglichkeiten für Redundanzen, Disaster-Recovery oder flexible Erweiterungsmöglichkeiten der eigenen Infrastruktur bei nur temporären Bedarfsfällen.

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