08.08.2014 (Doc Storage)
3.8 von 5, (12 Bewertungen)

Tape oder ist Archiv-to-Disk bereits eine Alternative?

Leserfrage: Irgendwann mal haben wir die Investitionen in unsere Tape-Systeme gestoppt, und setzten auf Deduplizierungs-Appliances. Diese Backup-to-Disk-Systeme laufen auch ganz gut – aber kosten tut das auch was. Jetzt steht wieder eine Erweiterung an, und wir liebäugeln wieder intensiver mit einer Tape-Investition, auch weil wir viele Daten zu Archiv-Daten klassifiziert haben. Da ist Tape – eigentlich – einfach unschlagbar. Oder zeichnen sich Alternativen ab, also beispielsweise so etwas wie Archiv-to-Disk?

Antwort Doc Storage:

Wirkliche Alternativen zu Tape zeichnen sich momentan im Archiv-Bereich noch nicht ab. Zwar sind die Plattenhersteller in den letzten Monaten in die Regionen von vier oder gar sechs TByte pro Laufwerk vorgedrungen, jedoch haben die Bandhersteller, allen voran IBM mit ihren Prototypen vor kurzem 158 TByte pro Kassette demonstriert. Die Plattenanbieter sind langsam am Ende der erreichbaren Dichte angelangt und können die Kapazität lediglich um knapp 25 Prozent pro Jahr steigern, während im Tape immer noch Werte von bis zu 60 Prozent im selben Zeitraum möglich sind. Im Archiv-Bereich zählen vor allem die Kosten, und da werden die Bänder, in erster Linie durch ihre Fähigkeit zur völligen Stromlosigkeit, auch auf absehbare Zukunft nur 1/5 bis 1/4 der Kosten vergleichbarer Disk-Systeme günstiger sein. Ganz abgesehen davon, dass Kassetten auch heute noch mechanisch rein rechnerisch 275mal zuverlässiger sind als Festplatten.

Die heute schon absehbaren Definitionen LTO-7 und -8 werden native, also unkomprimierte Kapazitäten von 6,4 bzw. 12,8 TByte pro Kassette bieten. Zudem sind sie abwärtskompatibel zu älteren Versionen und erreichen Datenraten von bis zu knapp 500 MByte/s. IBMs »TS1100« in den Generationen fünf und sechs werden bis zu 20 TByte unkomprimiert speichern und über 500 MByte/s transportieren können. All diese Werte, kombiniert mit der unschlagbaren Energiebilanz, machen Bänder auch in den kommenden mindestens fünf Jahren unverzichtbar für den Archivbereich.

Da es momentan keine tatsächlich komplett stromlose Alternative im Plattenbereich gibt, und auch wegen der nachweisbar wesentlich zuverlässigeren Medien, sind rotierende Laufwerke bis auf weiteres also kaum eine Alternative für das Archiv.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de
Kommentare (1)
14.08.2014 - dunterse

Im Prinzip richtig, aber .....:

Tape mag zwar "rechnerisch" zuverlässiger sein als Disk, aber Disks sind über RAID6-Verbünde in der Praxis viel zuverlässiger als Tape.
Erst zum Zeitpunkt des Lesens wird bei Tape bemerkt ob man noch an die Daten rankommt.

Tape-Medien TB sind zwar günstiger als Disk-Medien TB - aber Disk-Laufwerke sind günstiger als Tape-Laufwerke.

Ein 158 TB-Medium vor Compression einsetzen? Schon alleine die Schreibdauer auf so ein Medium würde bei 100 Mbyte/sec (=0,36 TB/h) von 2:1 komprimierbaren Daten ca. 878 Stunden (= ca. 36 Tage) benötigen.

Die wichtigste Kernfrage ist meist: welche Lese-Zugriffszeit auf die gespeicherten Informationen ist akzeptabel (oder: was kostet die Wartezeit). Von Disks fließen die ersten Bytes nach Millisekunden - von Tapes nach mehreren Minuten (wenn man Pech hat und das Medium oder die Laufwerke gerade durch andere Prozesse belegt sind auch mal erst nach mehreren Stunden - und die rechnerische Wahrscheinlichkeit von busy pro Medium steigt bei Tapes großer Kapazität an - das wäre einer der großen Nachteil von 158 TB Tapes vor Compression).

Meine Sicht: Tape ist nur noch dort gut genug,
wo tendenziell sehr große Objekte gelagert werden sollen
und die Lese-Wahrscheinlichkeit pro Medium nahe Null geht (ca. max. 2 erwartete Zugriffe pro Tape-Medium in einem Monat)
und eine Wartezeit von mehreren Minuten (notfalls mehr) auch akzeptabel ist

In den meisten Fällen ist daher Tape für die in den letzten Monaten erstellten oder gelesenen Daten nicht gut genug. Man muss sich für den Zeitraum danach auch fragen, ob sich der zusätzliche Layer Tape hinter Disk für die gegebene Datenmenge rechnet (meist nur bei größeren Firmen).

Die sinnvollen Usecases für Tape sinken daher immer mehr und die Tape-Investitionen auch (wie die IDC Zahlen ja jedes Jahr immer wieder neu belegen). Dazu erwarte ich keine Trendwende.


Mehr von Doc. tec. Storage 18.10.2019 Ausstattung zweier Server-Räume?

Wir planen zwei getrennte Server-Räume, die durch mehrere Brandabschnitte voneinander separiert sind. Mit welchen Mitteln lässt sich existierende Hardware zu einer passenden Lösung zusammenstellen? Oder müsste der zweite Server-Raum identisch ausgestattet sein? Was wäre bei einem virtuellen Ausweich-RZ via Cloud zu beachten?


11.10.2019 Tape: Auferstanden von den Toten?

Tape scheint nicht nur von den Toten auferstanden zu sein, sondern ist in größeren Archiven bzw. bei größeren Datenmengen die einzig sinnvolle Alternative. Dies muss sogar Doc Storage zugeben…


27.09.2019 DSGVO für KMUs: Machen, nicht diskutieren

Einige KMUs sehen die DSGVO gerne als Gefahr für ihr Geschäft. Deswegen fordert der Bitkom auch noch mehr Erleichterungen. Doc Storage hält diese Forderung allerdings für nicht gerechtfertigt, obwohl er als bekennender Kritiker der DSGVO gilt. Die Verordnung ist nun mal da, daher machen, nicht diskutieren.


13.09.2019 Kann man Daten auf Festplatten erneuern?

Mehrere externe Festplatten wurden vor über zehn Jahren beschrieben und stromlos eingelagert. Kann bzw. sollte man die gespeicherten Daten erneuern, beispielsweise in dem die Daten an die gleiche Stelle zurückgeschrieben werden?


06.09.2019 Verschlüsselung von Festplatten in Servern

Warum sollten einzelner Ordner oder ganze Festplatten im Server-Bereich verschlüsselt werden? Ein Server im Betrieb muss die Daten entschlüsseln, weil sonst kein Zugriff möglich wäre. Generiert dies nicht nur Kosten? Welche Bedrohungen sehen sich Server ausgesetzt und welchen Maßnahmen empfehlen sich?


30.08.2019 Stress – die Perspektive aus dem Doppelboden

Stress ist vielen IT-Abteilungen Gang und Gäbe. Zu wenig Personal und zu enge Zeitrahmen, sind IT-Beauftragten nur allzu gut bekannt. Doc Storage antwortet in seiner Kolumne auf unseren Beitrag in der Rubrik Faktor Mensch und schildert zum Thema Stress seine Perspektive aus dem »Doppelboden«.

powered by
Boston Server & Storage Solutions Itiso GmbH
Fujitsu Technology Solutions GmbH Infortrend
N-TEC GmbH FAST LTA AG
Folgen Sie speicherguide.de auch auf unseren Social-Media-Kanälen
Folgen Sie und auf Facebook Folgen Sie und auf YouTube Folgen Sie und auf Twitter