11.04.2014 (Doc Storage)
4.1 von 5, (11 Bewertungen)

Seagate Kinetic – was ist davon zu halten?

  • Inhalt dieses Artikels
  • Kinetic könnte den durch Metadaten erzeugten Overhead verringern
  • Kinetic hilft bei den Alpträumen der Cloud-Anbieter

Leserfrage: Ich war letzte Woche in Rust auf den »WorldHostingDays« (WHD.global). An etlichen Ständen war die Storage-Architektur »Kinetic« von Seagate ein Thema, unter anderem bei Rausch Netzwerktechnik. Soweit habe ich verstanden: Die Architektur soll sich besonders für Cloud-Hoster eignen. Was ist das Besondere an Kinetic, bzw. warum brauchen Cloud-Hoster eine andere Storage-Architektur?

Antwort Doc. tec. Storage:

Mit ihrem Kinetic-Modell versucht Seagate – ein traditioneller Hardware-Hersteller – auf den schon mit ziemlicher Geschwindigkeit fahrenden Zug des Software-Defined-Geschäftes aufzuspringen. Das Rückgrat dieses Konzeptes bilden aber weiterhin Speicherplatten, die nun nicht mehr über SAS- oder SATA-Schnittstellen, sondern direkt an eine Ethernet-Verbindung angeschlossen werden.

Ethernet sieht Seagate als einzige Netzverbindung der Zukunft. Die bisher notwendigen langen Wege durch alle Schichten des Client-Server-Modells (Anwendung, Dateisystem, Netzwerk, Speichersystem, Festplatten usw.) will der Hersteller nun durch ein wesentlich einfacheres Konzept ersetzen. Die Rechner sollen direkt über Ethernet auf die einzelnen Platten zugreifen, wobei ein Switch die über Kinetic verwalteten Zugriffe auf die Medien organisiert und verteilt. Damit soll auch die Gefahr wegfallen, daß beispielsweise 1-Gbit/s-Schnittstellen an den Laufwerken ein übergeordnetes 10-Gbit/s-Netzwerk ausbremsen.

Kinetic könnte den durch Metadaten erzeugten Overhead verringern

Durch die Vereinfachung des Datenweges will Seagate auch den durch Metadaten erzeugten Overhead verringern – laut Angaben des Herstellers sind unter zehn Prozent der im Netzwerk bewegten Daten tatsächliche Inhalte. Auch diese Maßnahme würde die Leistung des Gesamtsystems dramatisch erhöhen.

Allerdings ist Kinetic momentan nicht mehr als eine wohlgemeinte Absichtserklärung – wie fast alle anderen Möchtegern-Produkte im SD-Irgendwas-Markt auch. Seagate muß Partner suchen, die an dem eigens entworfenen API andocken, muß Betriebs- und Dateisystemhersteller finden, die sich auf die neue Umgebung einlassen (und damit einen Großteil ihres eigenen Geschäftes einbüßen) – und muss vor allem Kunden davon überzeugen, dass der Verzicht auf steuernde Hardware, also Arrays, tatsächlich einen Gewinn an Geschwindigkeit OHNE Verlust der Ausfallsicherheit bringt. Und das alles dürfte noch einige Quartale dauern, bis sich dieses Produkt in den Rechenzentren finden wird.

Kinetic hilft bei den Alpträumen der Cloud-Anbieter

Für Cloud-Anbieter wäre Kinetic ideal, räumt es doch mit den größten Alpträumen der entsprechenden Kunden auf: Keine Notwendigkeit zur Abstimmung von Netzwerk-, Speichersystem- und HBA-Firmware, keine umständlichen Installations- und Migrationsvorgänge, und vor allem eine denkbar einfache Erweiterung der vorhandenen Kapazitäten durch Platten oder schnellere Medien.

Aber, wie gesagt, all das wird noch einige Zeit auf sich warten lassen, bis das Konzeptstadium verlassen ist und ein ausreichendes Partner-Ecosystem aufgebaut ist. Vielversprechend ist das Konzept auf jeden Fall, arbeitet es doch neben den neuen Festplatten mit Ethernet-Anschluß mit jedem bestehenden Array mit ebensolchen Ports zusammen und zwingt die Betreiber nicht, sofort und zwingend alle Investitionen zu ersetzen.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de

Mehr von Doc. tec. Storage 15.03.2019 30 Jahre World Wide Web: Was gibt es zu feiern?

Das World Wide Web feiert seinen 30. Geburtstag. Ohne dem Internet ist unser heutiges Leben nicht mehr vorstellbar. Für Doc Storage hat das Netz aber auch genug Schattenseiten. An Regulierungen bzw. an das vom Erfinder erhoffte bessere Internet, glaubt er nicht.


08.03.2019 Datenanordnung im RAID 10 mit 8 Platten

In einem Server wird ein RAID 10 mit acht Festplatten unter Windows 2008 R2 betrieben. Nun ist ein Laufwerk ausgefallen. Da sich nur wenige Daten auf den HDDs befinden, besteht die Möglichkeit, dass die defekte Platte eventuell gar keine Daten enthält?


22.02.2019 Welcher RAID-Level für welche Anwendung?

Gibt es eigentliche eine Faustregel, welches RAID-Level für welche Anwendung am besten geeignet ist? Ich denke da zum Beispiel an Datenbanken mit sehr vielen Zugriffen bei relativ kleinen Datenmengen oder an Webserver und als Extrem auf der anderen Seite Bild-Datenbanken, Audio-Server beim Rundfunk, Video-Archive mit sehr hohen Datenvolumen.


15.02.2019 Was sagt DWPD über SSDs aus?

Im Zusammenhang mit (Enterprise-)SSDs wird oft die Qualitätsgröße DWPD (Drive Writes Per Day) genutzt. Meist wird die Angabe auch für einen Zeitraum von fünf Jahren spezifiziert. Was sagt DWPD genau aus und mit welcher Standard-Lebensdauer darf man rechnen?


08.02.2019 Unterschiede der Performance-States von SSDs

Gängige Meinung: SSDs sind schnell. In der Praxis gibt es aber dann doch einige Unterschiede, so sind vielen die verschiedenen Performance-States von SSDs und Flash-Speichern nicht bekannt: FOB, steady, burst and transition. Was steckt genau dahinter?


01.02.2019 BSI empfiehlt 200-km-Distanz – 200 km ERNSTHAFT!?

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte das BSI neue Kriterien für georedundante RZs. Darin wird der bisher empfohlene Mindestabstand von fünf auf 200 Kilometer hochgesetzt. Aus Praxissicht laut Doc Storage »vollkommener Blödsinn«.

powered by
Boston Server & Storage Solutions Datacore Software
Fujitsu Technology Solutions GmbH Seagate Technology
N-TEC GmbH FAST LTA AG