13.03.2015 (Doc Storage)
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Haltbarkeit von digitalen Speichern

  • Inhalt dieses Artikels
  • Optische Medien: Haltbarkeit nur theoretisch
  • Mit magnetischen Medien ist es schwierig
  • Tape ist am resistentesten
  • In Flash fehlt noch das Vertrauen
  • Haltbarkeit von digitalen Speichern ist nicht die Frage

Leserfrage: Wie lange halten digitale Speicher eigentlich mittlerweile? Die ersten selbstgebrannten CDs dürften ihren Zenit bereits erreicht haben. DVDs sollen bis zu 30 Jahre halten, »Blu-ray«-Disk noch länger. Wie sieht es bei USB-Sticks und SD-Karten aus? Die Chips halten vermutlich auch nicht ewig, aber wie sieht es in der Praxis aus? Macht es einen Unterschied, wenn ein häufig oder kaum benutzter Stick archiviert wird? Mit welcher Haltbarkeit darf man bei internen und externen Festplatten rechnen?

Antwort Doc Storage:

Bei den digitalen Speichern müssen wir zunächst grundsätzlich zwischen optischen, magnetischen und Festspeicher-Medien unterscheiden. Die optischen werden größtenteils mit einem Laserstrahl ausgelesen, können allerdings in archaischen Bereichen auch Mikrofilme sein. Magnetische Speicher sind alle zwischen Disketten (ja, so etwas gab es mal, ob mit 8, 5,25 oder 3,5 Zoll Durchmesser), Bändern und Festplatten, Festspeicher sind SSDs oder USB-Sticks.

Optische Medien: Haltbarkeit nur theoretisch

Die Haltbarkeit der rotierenden optischen Medien, also zu Beginn der CD-R und nachfolgend der DVD-R sowie beschreibbaren Blu-Ray, wurde im Laufe der Jahre von den Herstellern immer mehr zusammengestrichen. Hieß es bei den ersten CD-Rs noch »Lifetime-Warranty«, so reduzierte man dies schnell auf 30, 25 und 20 Jahre als man bemerkte, dass die dünne Metall-Trägerschicht durch Photonen, also im Tageslicht, in Mitleidenschaft gezogen wird. Zwar lehnen sich die Hersteller auch heute noch mit 80 bis 100 Jahren »limited Warranty« aus dem Fenster, wenn man allerdings das Kleingedruckte liest, findet man hierfür Voraussetzungen, die für den normalen Nutzer kaum herzustellen sind. Keine Aufkleber, keine Fingerabdrücke, kein Licht und optimale Temperaturen ohne große Schwankungen sind hier gefordert. Wer dies nicht erfüllt, senkt die Lebensdauer von sich aus auf wenige Jahre.

Gepresste, also nicht beschreibbare CDs, beispielsweise mit Musik oder Software, haben eine geringfügig größere Chance, länger zu überleben. Allerdings auch nur, wenn sie nicht gerade in einem Regal stehen und stundenlang dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind.

Beschreibbare DVDs und Blu-Rays kommen mit einer etwas geringeren Lebenserwartung, allerdings auch bei geringfügig niedrigeren Anforderungen an die Aufbewahrung daher. Auch hier sind schon Fälle aktenkundig geworden, in denen diese Medien ebenfalls nach wenigen Jahren nicht mehr brauchbar waren. Als Daumenregel für die wirklich optimale Aufbewahrung kann gelten, dass die vorgegebenen Spezifikationen erreicht werden können (man beachte das »können«). Auf jeden Fall sollte man jeden Datenträger regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, mit einer geeigneten Software prüfen und gegebenenfalls auf ein neues Medium umspulen.

Mit magnetischen Medien ist es schwierig

Weit weniger anspruchsvoll an die Umweltbedingungen bei der Lagerung sind magnetische Medien, allerdings ist auch hier in Vorsicht geboten. Entgegen der landläufigen Meinung sind die Daten auf den Magnetplatten in einem Festplattenlaufwerk annähernd wie in Stein gemeißelt, allerdings gibt es hier Gefahren im mechanischen Bereich, die den Jubel trüben können. Einmal falsch bewegt, einmal am Regal oder Schreibtisch angeschlagen, kann es vor allem bei Platten älteren Semesters schnell zu Abtragungen der Magnetschicht und damit Datenverlust kommen. Zu kühl gelagert harzen gern einmal die Schmierstoffe aus und die Platten laufen nicht mehr an, so sehr sich der Motor auch anstrengen mag.

Tape ist am resistentesten

Bänder hingegen, vor allem die im professionellen Bereich eingesetzten, sind die sichersten Medien, mit denen man heute seine Daten langfristig aufbewahren kann. Sie sind weitestgehend schockresistent, können – man erlaube mir diese Übertreibung – praktisch gekocht oder tiefgefroren werden, und trotzdem geben die Hersteller heute noch Lifetime-Garantien. Trotz aller Euphorie testen allerdings alle Rechenzentren ihre Bänder regelmäßig auf deren Inhalt, spätestens nach drei bis fünf Jahren kommt sowieso ein neues Format, und durch das Umkopieren auf die neuen Kassetten hat sich die Garantie erledigt.

In Flash fehlt noch das Vertrauen

Bei ihren fallenden Preisen sind Festspeichermedien, also SSDs oder USB-Sticks, immer besser auch für die Langzeitspeicherung geeignet. Vor allem die begrenzte Anzahl an Schreibzyklen würde die MLC- oder SLC-Technik zur idealen Speicherform in diesem Bereich machen. Stoß- und vibrationsfest, temperaturtolerant in einem sehr weiten Bereich, kompakt und – wie bereits geschrieben – immer billiger fragt man sich, warum nicht schon jeder auf diese Speicherform umgestiegen ist. Das hat – vor allem in den Rechenzentren – einen Grund, den man allerdings nur hinter vorgehaltener Hand ausspricht. Man traut ihnen (noch) nicht. Bänder, Festplatten, selbst CDs, DVDs und Blu-Rays, mit all diesen Medien hat man jahre-, wenn nicht jahrzehntelange Erfahrungen. Mit SSDs allerdings beschäftigen sich die meisten erst seit wenigen Jahren, und was die Haltbarkeit angeht, so kann bisher niemand eine verlässliche Aussage treffen. Simulationen des Alterungsprozesses reichen hier eben nicht aus.

Haltbarkeit von digitalen Speichern ist nicht die Frage

Also – wer seine Daten liebt und sie tatsächlich sehr lange aufbewahren will, sollte nach wie vor zum guten alten Band greifen. Hier hat er mechanisch die besten Chancen, auch nach Jahrzehnten noch auf seine Informationen zugreifen zu können.

Wir wären hier aber nicht bei Doc Storage, wenn es auch hier nicht ein entscheidendes »ABER« gäbe: Versuchen Sie heute einmal, ein 1600er Reel-Tape irgendwo einzulegen, eine Abspielmöglichkeit für eine AIT-Kassette zu finden oder auch nur, eine Festplatte mit einer ESDI-Schnittstelle an irgendeinem Rechner anzuschließen. Sie sitzen wie der sprichwörtliche Igel vor der Bürste, sie wissen, die Daten sind da drin, aber sie kommen nie wieder ran. Deswegen sollte man sich nicht hauptsächlich darüber Gedanken machen, wie lange man Daten auf einem bestimmten Träger aufbewahren kann, sondern beizeiten eine Migrationsstrategie zu entwickeln, die die Informationen immer auf höchstens zwei Generationen alten Systemen hält. Ansonsten gibt es irgendwann ein ganz böses Erwachen.

Nach der Migration ist vor der Migration!

Gruß
Doc Storage


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Kommentare (1)
16.03.2015 - bn

Lieber Doc Storage,

Ihre Aussagen bezüglich der Optischen Medien mag ich nur teilweise zustimmen, denn diese treffen nicht auf wirkliche Archivmedien zu. Sicherlich sind auch uns Kunden bekannt, die Daten verloren haben, die Ihre No-Name Medien beim Discounter gekauft haben. Gleiche IT-Verantwortlichen würden aber niemals Ihre Festplatten oder Bänder für den professionellen Einsatz vom Grabbeltisch beziehen. Archivmedien haben in der Regel einen Schutzlack über der Gold- oder Silber-Reflektionsschicht, so dass hier keine Korrosion stattfinden kann, die die Billigscheiben mit der Zeit unlesbar machen. Rechnet man hier wirklich auf, was die Archivierung auf optischen Scheiben kostet (entfallende Migrationskosten, Backward-Kompatibilität, Stromverbrauch - auch für die Klimatisierung), kommt man recht schnell auf einen ROI, hinter dem sich so manch andere Lösung verstecken kann...

Viele Grüße aus Bonn,
Bernd Nussbaum


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