26.02.2016 (kfr)
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Haltbarkeit des Flash-Speichers in der New-Horizons-Sonde

One Earth New Horizons MessageOne Earth New Horizons MessageLeserfrage: Eine eventuell ungewöhnliche Frage: Die Raumsonde New Horizons hat kürzlich den Pluto passiert und einen acht GByte großen Flash-Speicher an Bord. Das Projekt One Earth New Horizons Message hat sich zum Ziel gesetzt, den Flash-Speicher nach Abschluss der Nutzung durch die NASA mit Nachrichten der Erde vollzuschreiben.

Nun die Frage: Wie viele Jahrzehnte kann der Speicher die Information überhaupt behalten, wenn die Sonde das Sonnensystem verlässt? Abgesehen von der Unmöglichkeit, dass die binären Daten für jemand Außenstehenden (ET) ohnehin unbrauchbar sind, weil keine Anleitung zum decodieren als Gebrauchsinformation der Sonde beigepackt sind. Danke für Ihre Meinung.

Antwort Doc Storage:

Wie wir schon einmal geschrieben haben, gibt es viele Ausarbeitungen zu diesem Thema, vor allem im Weltraum aber auch einige Faktoren, die die Haltbarkeit der Medien beeinflussen (Datenhaltbarkeit auf SSDs und Flash-Speicher). Die Haltbarkeit von Flash-Speichern wird von den aktuellen Herstellern im Bereich zwischen 1,5 und 2 Millionen Stunden angegeben. In unserem Fall würde das bedeuten, dass das Medium um die 200 Jahre hält und in dieser Zeit zwischen 50 und 75 Mal vollständig beschrieben werden kann. Das fällt allerdings beim einmaligen Beschreiben weg, so dass, rein theoretisch, die Haltbarkeit noch einmal um das Vielfache gesteigert wird. Das allerdings lediglich die Grenze der logischen Haltbarkeit.

Die Hersteller geben durch die Bank keine physikalische Haltbarkeit an, weil die Medien allesamt nicht für eine Nutzung wie hier angefragt vorgesehen sind. Geht man allerdings weiterhin von den 2 Millionen Stunden (= 228 Jahre) aus, und nimmt man an, dass ein Raumfahrzeug ungefähr 35 Jahre zum Verlassen unseres Sonnensystems benötigt, kommt der Flugkörper lediglich bis zum 6,5-fachen dieser Strecke, also 18,73 Milliarden Kilometer weit. Dies entspricht 0,00198 Lichtjahren.

Das nächstgelegene Sternensystem, Alpha Centauri, ist 4,242 Lichtjahre entfernt, der Flugkörper bräuchte also grob 2.142 Mal länger zum Erreichen dieses Systems, als die durchschnittliche garantierte Verweildauer der Daten auf den Flash-Speichern wäre. Neben der von Ihnen erwähnten Unbrauchbarkeit des Binärcodes für die eventuellen Empfänger wäre es also mehr als unwahrscheinlich, dass diese Daten dann noch auslesbar wären. Es geht also nicht um Jahrzehnte, sondern um mehr als 488.000 Jahre. Wie gesagt vorausgesetzt, dass der Flugkörper genauso lange braucht wie weiland die Voyager-Sonden.

Und – gesetzt den Fall, dass nach dieser Zeit die Daten doch noch auslesbar wären, und gesetzt den Fall, dass die Empfänger sich an dieselben Gesetzmäßigkeiten halten müssen wie unsereiner – würden sie, die Zeit der Analyse unserer Nachricht nicht mitgerechnet, fast 977.000 Jahre brauchen, bis sie endlich hier wären.

Die Frage ist also interessant, allerdings schon kaum noch akademisch zu nennen...

Gruß
Doc Storage


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