Application-Rolle von Sharepoint 2010 virtualisieren
Die meisten Fachleute sehen einhellig die Web-Rolle des Servers als die Rolle an, die am besten für einen ersten Schritt in die Richtung einer virtualisierten Sharepoint-Umgebung geeignet ist. Dazu ist bereits ein erster Beitrag auf virtualisierungs-guide erschienen. Der nächste Schritt besteht danach darin, die Virtualisierung der Application-Rolle in Angriff zu nehmen.
Zu den Sharepoint-Servern, die unter der Rolle Application zusammengerechnet werden, zählen unter anderem einige Dienstanwendungen, wie der Access-Service oder Managed Metadata. Auch wenn der Suchdienst – der Search-Service – eigentlich genau in diese Kategorie passen würde, rangiert er zumeist unter einer eigenen Kategorie. Generell sollte ein virtualisierter Anwendungs-Server mit zwei virtuellen Prozessoren und minimal 6 GByte an Hauptspeicher ausgestattet sein. Weiterhin benötigt er eine ihm zugordnete VHD, deren Größe zwischen 50 und 100 GByte liegt. Aber wie schon bei anderen Beispielen trifft es auch hier zu, dass diese Werte stark variieren können:
So ist es in der Regel entscheidend, wie viele der Dienstanwendungen auf einem virtuellen Server aktiv sind. Weiterhin muss der Administrator bei seinen Überlegungen auch bedenken, wie viele Anwender im täglichen Betrieb auf diese Server zugreifen werden, um eine realistische Einschätzung für sein Virtualisierungsvorhaben zu bekommen.
Ohne Suche keine sinnvolle Sharepoint-Installation
Die Search-Rolle nimmt eine sehr wichtige Position im Gesamtkonzept des Sharepoint-Servers ein, denn ohne eine entsprechend schnelle und genaue Suche wird kein Anwender ein derartiges Portal sinnvoll einsetzen können. In der Praxis bietet sich diese Rolle in den meisten Installationen als dritter Virtualisierungsschritt an: Dabei beinhaltet sie auch die Rollen Index, Query und Crawl. Während die Query-Rolle den Sharepoint-Anwendern die reinen Abfragefunktionalitäten zur Verfügung stellt, übernimmt die Index-Rolle die Katalogisierung der Daten auf dem System. Frühere Sharepoint-Versionen bis hin zu MOSS 2007 besaßen eine Limitierung beim Index-Server, der gerade in diesem Bereich nicht besonders gut skalierte.
So war es zwar möglich, innerhalb einer Farm mehrere Index-Server zu betreiben, diese waren dann aber jeweils an unterschiedliche Shared Service Provider (SSPs) gebunden, was den Skalierungseffekt ziemlich einschränkte. Diese Einschränkungen existieren bei Sharepoint 2010 nicht mehr, wodurch eine bessere Verteilung und Skalierung der Index-Server überhaupt erst möglich wird. Bleibt noch die sogenannte Crawl-Rolle. Sie dient dazu, die Dokumente in der Sharepoint-Farm zu durchsuchen. Der Administrator kann hier mehrere Crawl-Rollen auch auf verschiedenen Servern anlegen und so eine weitaus größere Redundanz erreichen.
Hardware-Voraussetzungen für den Search-Server
Ein derartiger virtualisierter Search-Server wird typischerweise in einer VM mit vier virtuellen Prozessoren zum Einsatz kommen, denen 8 GByte an RAM zur Verfügung stehen. Ein solcher Server benötigt dabei natürlich ebenfalls eine einzelne VHD für die Gastsysteme. Diese virtuelle Festplatte sollte eine Größe von 50 bis 100 GByte aufweisen. Eine weitere VHD kommt schließlich gemeinsam für Index und Query zum Einsatz.
Gerade bei dieser Rolle hängt die benötigte Größe der virtuellen Festplatten natürlich ganz besonders davon ab, wie groß die Menge der Texte aus den verschiedenen Quellen ist, die auf dem System indexiert werden. Viele IT-Verantwortlich gehen in kleineren Installationen auch so vor, dass sie die Search-Rolle mit der Web-Rolle kombiniert. Ein solches System benötigt dann sowohl mehr Hauptspeicher als auch Prozessor-Ressourcen, um seine Aufgaben noch in der gewünschten Geschwindigkeit zu erfüllen!
Frank-Michael Schlede/rhh