Dynamik für die Anwendungen
Thomas Schumacher, Redakteur aus Leverkusen
Die Vorteile der Server-Virtualisierung leuchten schnell ein: Es sind weniger Server notwendig, das schlägt sich in geringeren Anschaffungs- und Betriebskosten nieder. Ein Unternehmen braucht weniger Platz im Rechenzentrum und weniger Energie für die Kühlung und die Softwarelizenzen können nach Bedarf genutzt werden. Doch die Konsolidierung an sich ist für die meisten Unternehmen weitgehend ausgereizt: Jetzt steht bei ihnen auf der Agenda, die Systeme optimal zu nutzen.
Bisher wird beim Thema Virtualisierung vor allem die Infrastruktur betrachtet. Das ungenutzte Potenzial liegt jedoch bei den Anwendungen. Der Grund: Virtualisierungstechnologien von VMware (vSphere 4) oder Microsoft (Hyper-V) sind nicht in der Lage, automatisch auf Prozesse zu reagieren. Für die Prozesssteuerung ist das kein großes Problem, denn eine Anwendung »weiß« ja nicht, ob sie auf einem realen oder einem virtuellen Server läuft.
Man kann lapidar sagen, die virtuelle Welt ist einem Prozess schlicht egal. Nicht egal ist es aber, ob ein Prozess genügend Ressourcen zur Verfügung hat. Die notwendige Verbindung zwischen der Infrastruktur- und Prozessebene lässt sich jedoch mit einer umfassenden Automatisierungslösung herstellen, wie sie etwa mit »UC4 Automated Virtualization« bereit steht.
Manuelle Ressourcenverteilung bremst die IT
- In der »virtuellen Welt« erfolgen Änderungen wie das Einrichten und Abmelden virtueller Maschinen oder die Zuteilung von Ressourcen meist manuell durch einen Administrator. Dabei wird in der Regel von der Fachabteilung eine Anfrage an die IT gerichtet – nach dem Motto: »Ich benötige zum Monatsende Ressourcen für einen umfassenden Batchlauf«. Diese Anfrage wird dann bearbeitet und die vorab geschätzten Kapazitäten stehen dann am Stichtag zur Verfügung. Dieses Vorgehen hat aber ein paar Sollbruchstellen:
- Der Administrator weiß in aller Regel nicht, welche Ressourcen wirklich benötigt werden. Er kann jetzt entweder hoch schätzen oder den Prozess beobachten und gegebenenfalls nachlegen. Damit läuft er aber auch Gefahr, bei eskalierenden Prozessen immer hinter der realen Anforderung her zu laufen. Eine bedarfsgerechte Zuteilung entspringt oft eher dem Zufall.
- Genutzte Ressourcen werden nicht rechtzeitig wieder freigegeben. Für die Fachabteilungen ist es wichtig, dass ein bestimmter Job laufen kann. Nicht wichtig ist für sie, dass die zugeteilten Ressourcen im Anschluss möglichst schnell wieder entlassen werden. Der Administrator erfährt meist nicht automatisch, wann die Kapazitäten nicht mehr benötigt werden und damit sind Ressourcen dauerhaft blockiert.
Auch virtuelle Kapazitäten sind endlich. Ein konstruiertes Beispiel: das Marketing schaltet eine Werbeaktion und verlost 1000 »iPads«. Allerdings wurde die Nachfrage komplett unterschätzt und der Administrator legt am betreffenden Tag immer wieder Ressourcen nach, bis endlich auch die virtuellen Kapazitäten erschöpft sind. Am Ende bricht der Webserver unter der Last zusammen.
Rapid Automation für VMware und Hyper-V
Beim manuellen Ansatz wird vom Administrator verlangt, für die IT zu denken. Er kann aber die entsprechenden Fragen nicht immer zufriedenstellend beantworten, da er die Hintergründe der Prozesse nicht kennt. Eine Automatisierungslösung wie die von UC4, die Infrastruktur (physisch und virtuell), Betriebssysteme und Anwendungen steuert, kann hier wertvolle Hilfestellung leisten und das Rechenzentrum zu einem dynamischen Ganzen machen.
Die Lösung überträgt Richtlinien zur Workload-Automatisierung von der physischen in eine virtuelle IT-Infrastruktur und ermöglicht so einen einheitlichen Prozessablauf. Auf diese Weise wird es möglich, virtuelle und physische Umgebungen von einer zentralen Plattform aus zu verwalten.
Für den schnellen Start in die automatisierte Virtualisierung stehen zwei »Rapid Automation Packages« für die führenden Virtualisierungslösungen von VMware und Microsoft parat. Die Pakete enthalten neben der »UC4 Automation Engine« auch die Agenten für den entsprechenden Hersteller sowie Templates, beispielsweise zur Provisionierung und Konfigurierung von virtuellen Maschinen sowie für Datensicherungen. Unternehmen können damit »out of the box« bestehende Problempunkte beseitigen und den Nutzen ihrer virtuellen Systeme erheblich verbessern.
Mehr Kontrolle und Sicherheit
Auch im Bereich des IT-Housekeepings bringt eine Automatisierungslösung, die Prozesse berücksichtigt, entscheidende Vorteile für virtuelle Umgebungen. Neben regelmäßigen Vollsicherungen erfolgen in einem Rechenzentrum auch in definierten Abständen Momentaufnahmen der Infrastruktur, die als Snapshots oder bei Microsoft als Checkpoints bezeichnet werden. Diese Snapshots virtueller Maschinen hängen aber wiederum von den ausgeführten Prozessen ab, etwa einem Batchjob-Lauf oder einer Datenbank-Operation. Wenn die Snapshots ohne Abhängigkeitsprüfung der laufenden Prozesse ausgeführt werden, können sie ungenau ausfallen und damit wertlos sein.
Ein Beispiel macht das deutlich: Angenommen ein Data-Warehouse-Prozess importiert nachts 100.000 Datensätze. Der Prozess startet nachts um 1 Uhr, um 2 Uhr ist ein Snapshot der Datenbank eingeplant. Zu dem Zeitpunkt sind aber erst 55.000 Datensätze importiert. Um 3 Uhr ist der Prozess erfolgreich beendet, um 6 Uhr erfolgt ein Crash im Data-Warehouse, der einen Restore erfordert. Der Restore enthält allerdings nur 55.000 Datensätze.
Mit der UC4 Automation Engine kann das Backup von Ereignissen abhängig gemacht werden, d.h. in unserem Beispiel startet der Prozess um 1 Uhr, der Import ist um 3 Uhr beendet und danach erfolgt ein Snapshot oder Checkpoint. Um 6 Uhr erfolgt der Crash im Data-Warehouse, darauf erfolgt der Restore mit allen 100.000 Datensätzen. Zeit-, Ereignis- und Kalender-basierte Initialisierungsoptionen sorgen zum richtigen Zeitpunkt für eine problemlose Integration von Backups und Snapshots beziehungsweise Checkpoints.
Cloud-Integration: der nächste Schritt
Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass die entscheidende Stärke der Virtualisierung im Bereich der Anwendungen liegt. Eine intelligente Serviceautomatisierung stellt eine komplette Lösung für die Automatisierung unternehmensweiter Prozesse und des IT-Betriebs dar. Damit stehen die Vorzüge von »Batch Job Scheduling«, Rechenzentrumsautomatisierung, Anwendungsintegration und Management-Services auch für virtuelle Umgebungen zur Verfügung. Unternehmen kommen damit dem Ziel eines dynamischen Rechenzentrums einen großen Schritt näher.
Der nächste Schritt wird die Einbindung von Cloud-Ressourcen sein: Die UC4-Plattform ist in der Lage, bei Ressourcenengpässen nicht nur die virtuell vorhandene Infrastruktur zu aktivieren, sondern auch dynamisch Cloud-Ressourcen zu nutzen. In dem Beispiel der Verlosung von 1000 iPads wäre es zum Beispiel möglich, weitere Ressourcen aus der Public Cloud zur Private Cloud zuzuschalten. Das heißt die Software kann in Zusammenhang mit Business Prozessen oder/und Realtime-Erkennung von Performance-Engpässen endlos Ressourcen zuschalten und abschalten.
Technologien sind dazu vorhanden und werden von Microsoft mit dem Produkt »Windows Azure« und von VMware mit der »vCloud« im allgemeinen und dem »vCloud Director« im Besonderen angeboten. Diese Integration der IT-Welten wird in der nahen Zukunft den Durchbruch der Cloud-Technologie einläuten. Die IT-Verantwortlichen werden dann über eine zentral gesteuerte, weit gehend automatisierte Systemlandschaft mit praktisch unbegrenzter Kapazität verfügen können.