Alle Jahre wieder: Bitkom beklagt auch 2026 den Datenschutz

Alle Jahre wieder: Bitkom beklagt auch 2026 den DatenschutzLaut Bitkom-Studie fordert auch 2026 eine große Mehrheit eine Reform der DSGVO. Datenschutz ist deutschen Unternehmen zu aufwendig und zu kompliziert. Das klingt nach einer weiteren Verschärfung. Der Vergleich mit den Bitkom-Umfragen der vergangenen Jahre zeigt jedoch: Viele Kritikpunkte sind nahezu unverändert. Und Datenschutz verhindert keine Projekte.

Susanne Dehmel, BitkomSusanne Dehmel, BitkomDer Datenschutz bleibt deutschen Unternehmen lästig. Das ist, etwas zugespitzt, die wichtigste Erkenntnis der aktuellen Bitkom-Studie. 92 Prozent bewerten den Aufwand als hoch, 90 Prozent wünschen sich eine Reform der DSGVO und 88 Prozent beklagen Rechtsunsicherheit.

»Die Unternehmen wollen, dass der Datenschutz funktioniert«, sagt Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung. »Nach acht Jahren DSGVO ist der Befund eindeutig: Der Aufwand wächst weiter, die Rechtsunsicherheit bleibt, und die Aufsicht bietet wenig Unterstützung.«

Der Blick auf frühere Umfragen relativiert zumindest den ersten Teil dieser Aussage. 2024 stuften 94 Prozent den Datenschutzaufwand als hoch ein, 2025 waren es 97 Prozent und aktuell sind es 92 Prozent. Statt einer stetigen Verschärfung bewegt sich die wahrgenommene Belastung seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau.

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Auch die Klage über Datenschutz und KI ist nicht neu

Ähnlich sieht es beim Thema KI aus. 2024 sagten 52 Prozent der Unternehmen, Datenschutz behindere ihren KI-Einsatz. Aktuell sind es 50 Prozent. Das Niveau ist konstant, eine Verschärfung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Deutlicher verändert hat sich die Kritik an der praktischen Umsetzung. 88 Prozent sehen Geschäftsprozesse durch die DSGVO erschwert. 2025 waren es 81 Prozent, 2024 77 Prozent. 76 Prozent wünschen sich eine einheitliche Auslegung durch die Datenschutzbehörden.

Dieser Punkt ist nachvollziehbar. Unterschiedliche Interpretationen derselben europäischen Regeln und mangelnde Rechtssicherheit erschweren Unternehmen die Arbeit. Das kritisieren wir auf speicherguide.de ebenfalls seit Jahren.

Die Dokumentationspflicht bereitet Unternehmen den größten Aufwand. (Grafik: Bitkom)Die Dokumentationspflicht bereitet Unternehmen den größten Aufwand. (Grafik: Bitkom)

DSGVO setzt Leitplanken für IT-Projekte

Anders sieht es bei der wiederkehrenden Behauptung aus, Datenschutz behindere Digitalisierung oder KI. Die DSGVO verbietet weder Digitalisierung noch KI. Sie gibt Unternehmen Leitplanken für den Umgang mit personenbezogenen Daten vor.

Das kann Projekte aufwendiger machen. Unternehmen müssen Datenflüsse klären, Rechtsgrundlagen prüfen sowie Zugriffsrechte und Löschkonzepte festlegen. Genau das ist aber der Sinn des Datenschutzes.

Zum Projektverhinderer wird der Datenschutz häufig erst in der Wahrnehmung, wenn diese Fragen zu spät gestellt werden. Ist ein Projekt technisch bereits geplant und der Datenschutzbeauftragte weist anschließend auf Probleme hin, ist schnell der Datenschutz schuld. Tatsächlich hätte er von Anfang an in die Planung gehört.

Weniger Bürokratie statt weniger Datenschutz

Interessant ist deshalb, welche Änderungen die Unternehmen tatsächlich verlangen. 89 Prozent wünschen sich weniger Dokumentationspflichten bei risikoarmen Verarbeitungen, 76 Prozent eine einheitliche Auslegung und 73 Prozent mehr Rechtssicherheit bei Interessenabwägungen. Die Abschaffung verpflichtender betrieblicher Datenschutzbeauftragter halten dagegen nur 35 Prozent für eine Entlastung.

Auch Bitkom formuliert die Forderung inzwischen differenzierter. »Die Wirtschaft fordert keine Datenschutz-Deregulierung, sondern Verhältnismäßigkeit«, sagt Dehmel. »Werden risikoarme Verarbeitungen von Dokumentationspflichten befreit, sorgt man für eine einheitliche Auslegung und bringt Datenschutz und KI-Regulierung zusammen, und entlastet Unternehmen spürbar, ohne das Schutzniveau zu senken.«

Dazu passt, dass Datenschutz für die Unternehmen nicht nur Belastung ist. 61 Prozent sagen, die DSGVO habe die Datensicherheit im eigenen Unternehmen verbessert. 42 Prozent haben wegen Datenschutzbedenken bereits auf Produkte oder Lösungen aus Nicht-EU-Ländern verzichtet.

Viel Kritik, aber wenig grundsätzlich Neues

Die Bitkom-Umfrage 2026 liefert damit weniger eine neue Datenschutzkrise als die Fortschreibung einer bekannten Debatte. Unternehmen empfinden Datenschutz seit Jahren als aufwendig und kompliziert. Berechtigt sind Forderungen nach weniger Bürokratie, klareren Regeln und einer einheitlicheren Auslegung.

Die Erzählung vom Datenschutz als Innovations- oder KI-Bremse greift dagegen zu kurz. Datenschutz verhindert keine Projekte. Er definiert Bedingungen für den Umgang mit personenbezogenen Daten. Dass Unternehmen diese Bedingungen bei Cloud-Diensten, KI und anderen IT-Projekten berücksichtigen müssen, mag lästig sein. Ein Argument gegen den Datenschutz ist das nicht.