Zwei Tage CeBIT – und was davon hängen blieb…

Letzteres hat sich nun in den vergangenen zwei Jahren mehr oder weniger erledigt. Nein, nicht weil die Hannover-Polizisten alles noch besser im Griff haben, sondern weil morgens schlicht und einfach weniger Besucher als noch vor Jahren zum Gelände strömen. Muss aber auch nicht schlecht sein. Mehr, größer, höher und toller heißt ja nicht zwangsläufig besser…
In zwei Tagen ist es mir gelungen, ungefähr 15 geplante Meetings zu realisieren – nur bei einem Termin gab’s Koordinationsprobleme vor Ort. Perfekt. Ich kann mich an Messen erinnern, bei denen nach den ersten zwei Meetings quasi nichts mehr nach Zeitplan lief und der verzweifelte Versuch, alles doch noch zu bewältigen, im Chaos versank.
Was sagt uns das? Bessere Planung? Die Leute haben alle mehr Zeit, weil keine Besucher da und die Branche sich gegenseitig unterhält? Vielleicht von allem ein wenig, allerdings ist es ein immenser Vorteil, dass sich die Storage-Branche mehr oder weniger gesammelt in Halle 2 tummelt und die Wege von einem Termin zum anderen in weniger als fünf Minuten zurückzulegen sind. In aller Fairness muss ich erwähnen, dass die Cebit am zweiten Tag in Halle 2 doch recht gut besucht war – der Gradmesser ist ganz klar, dass ich mich in manchen Gängen durch Mengen von mehr oder weniger relaxt schlendernden Besuchern quetschen musste, um die o.g. fünf Minuten nicht zu toppen.
Die Stimmung war gut – positiv und ehrgeizig. Was ich damit meine? Nun, es gibt Unternehmen in der Storage-Branche, die sage und schreibe 500 Prozent wachsen wollen. Nicht im nächsten Jahrhundert. Nein. 2011! Zugegebenermaßen lautet immer die Frage, von welcher Basis aus das realisiert werden soll – hier reden wir allerdings über ein Unternehmen, welches bereits dreistellige Millionenbeträge auf der Umsatzseite erwirtschaftet. Ich bin gespannt.
Jeder einzelne Hersteller betont außerdem, wie einfach doch seine Lösungen seien – wenn’s doch bei allen so ist, ist der Wettbewerbsvorteil auch wieder weg. Muss vielleicht doch wieder der Preis der ausschlaggebende Faktor werden. Ist er auch bei manchen. Sagen sie zumindest: Mein System kann das Gleich wie N…, kostet aber nur die Hälfte. Wirklich? Wie geht das denn?
Leider sind die Tage der großen Ankündigungen auf der Cebit vorbei. Was waren das noch Zeiten, als vollkommen neue Technologien vorgestellt wurden: Wow, eine Festplatte, die nur noch halb so groß ist wie die vorherigen? Und 320 MByte? So viel Kapazität? Oder man nehme die Geräte, mit denen CDs beschrieben werden konnten. Wenn mich nicht alles täuscht, haben diese Geräte zu Beginn irgendwelche 1.500 DM für den Kunden am Markt gekostet. Auf die Frage »Was gibt’s denn Neues?« müssen heutzutage die Datenblätter der Produkte bemüht werden, um zu belegen, dass der Datentransfer vielleicht doch ein wenig flotter ist als mit dem Vorgängersystem und dieses natürlich noch skalierbarer, flexibler und selbstverständlich perfekt für die Cloud ist.
Da haben wir’s: Die Wolke, die in keinem Gespräch fehlen durfte. Unser Chefredakteur würde sagen: »Die neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird.« Ziemlich große Sau diesmal. Und jeder will was davon haben. Die Meinungen dazu sind genauso skalierbar wie die Lösungen: sie reichen von »Das will noch kein Mittelständler, die geben ihre Daten nicht aus der Hand« bis hin zu Visionen, nach denen es in der Zukunft nur noch einige wenige Storage-Haufen gäbe, in denen alle Daten dieser Welt abgelegt sind und alles in der Cloud zur Verfügung steht. Auch ist festzustellen, dass der Einfachheit halber – oder vielleicht einfach, weil‘s eben der neue Trend ist – Outsourcing an mancher Stelle kurzerhand zu Cloud-Computing erklärt wird. Eindeutigkeit und Klarheit ist was Anderes. Aber wir stehen ja erst am Anfang der Cloud. Die meisten zumindest.
Selbstbewusst tritt so mancher Hersteller auf: »Wir bügeln die anderen platt und wollen die Microsoft der Storage-Welt werden« war da an einer Stelle zu vernehmen. Das ist doch mal die richtige Einstellung: nicht kleckern, sondern klotzen. In diesem speziellen Fall kann ich mir sogar vorstellen, dass das irgendwann klappt-
Eine andere Behauptung hat mich aber doch zum Kichern gebracht: »Optical Storage lebt«, behauptete doch tatsächlich ein alter Bekannter aus den Plasmon-Tagen. Ich mag ihn wirklich, aber dieses Statement kann nur schierer Verzweiflung entsprungen sein, da es aus der Ecke der Company kam, die die Scherben von Plasmon erworben hat. Übrigens kaum zu glauben, dass an einem Stand eine alte Plasmon-Kiste zu finden war – obwohl sie in dieser Form gar nicht mehr erhältlich ist. Ja, die installierte Basis ist groß, ja, die Maschinen werden wohl noch ein Weilchen im Einsatz bleiben, wenn noch nicht abgeschrieben. Auch archiviert werden wird in Zukunft – wahrscheinlich noch mehr als bisher, aber wer wird denn allen Ernstes bei dieser Technik bleiben, speziell angesichts der immer weiter sinkenden HDD-Preise und dem Bröckeln des Vertrauens in die Haltbarkeit der optischen Datenträger.
Der Mittelstand. KMUs. Oder auf neudeutsch: SMBs. Der am meisten umworbene Markt der Storage-Branche. Liebe Mittelständler, haben Sie es schon gemerkt? Alle basteln Lösungen, zugeschnitten auf Ihre Anforderungen, Storage-Systeme, die in zwei Minuten installiert, super einfach zu managen und außerdem noch virtualisiert sind. Die einfachste Sache der Welt. Hmmm… Außerdem gibt’s da dann noch das Startup-Software-Unternehmen, das alle Features bietet, die die Kollegen bei Netapp und EMC auch anbieten – aber natürlich viel besser (wahrscheinlich auch billiger, aber das habe ich mir nicht gemerkt).
Ein hart umkämpfter Markt, dieses Storage-Geschäft. Aber Gott-sei-Dank wächst ja der Speicherbedarf laut EMC um den Faktor 44 bis zum Jahr 2020. Schätzungen zufolge lag die Menge der in 2010 generierten Daten bei 1,2 Zettabyte (1 Zettabyte = 1 (american) Trillion GByte = 1 (deutsche) Billion GByte, kurz: eine 1 mit 12 Nullen: 1 000 000 000 000). Das ist verdammt viel: Zum Speichern, zum Sichern, zum Archivieren, zum Wiederherstellen, zum Deduplizieren, Virtualisieren und Managen.
Doch alles nicht so einfach. Aber deswegen sind wir ja auch da. Und werden auch immer wieder zur Cebit gehen, um uns intensiv mit den Ausstellern auszutauschen, um die Infos zusammenzubringen, zu lernen, zusammen zu fassen und auch zu bewerten. Vielleicht werden keine bahnbrechenden Neuigkeiten mehr im Storage-Markt vorgestellt, aber zugegebenermaßen gibt es immer wieder spannende und manchmal auch tatsächlich kreative Ansätze und Konzepte, um den nicht ganz lapidaren Anforderungen im Speichersegment Herr zu werden. Und wer ganz spannend ist, wird dann irgendwann von EMC, Netapp oder HP gekauft, oder vielleicht auch von Dell. Und: Lustig ist er allemal – der Besuch der Cebit.