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Steueroasen – und die böse Offshore-Festplatte

Bei den Steuerdatenskandalen der letzten Jahre war es immer eine CD oder DVD, die unsere Steuerbehörden brav aufkauften. Beim jetzigen »Offshore-Leak« reicht eine Optical-Disk nicht mehr – übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist es jetzt angeblich eine 2,5-Zoll-Festplatte mit 260 GByte an Daten.

Offshore-Leaks – so nennt sich das aufwändige Recherche-Projekt, für das eine Liste von 130.000 Personen aus über 170 Ländern und zugehörige Daten über Finanztransaktionen ausgewertet wurden. Im Zentrum der gerade anrollenden Enthüllungsserie stehen so genannte Offshore-Konstruktionen von Banken, die über komplizierte Firmengeflechte Finanzströme in Milliardenhöhe verschleiern. Die Nutznießer sind – soweit heute bekannt – vor allem Reiche aus aller Welt, Waffenhändler und Oligarchen, aber auch Staatschefs und prominente Personen der Zeitgeschichte. Sie bringen mit Hilfe von Briefkastenfirmen hohe Summen, offenbar an den Steuerbehörden vorbei, in ausländische Steueroasen.

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Laut Schätzungen der EU-Kommission gehen der EU durch Steuerhinterziehung und Steuerumgehung, unter anderem durch Steueroasen, etwa eine Billion Euro an Steuergeldern verloren (1.000.000.000.000 Euro). Freilich streiten sich Experten, ob Steueroasen legal seien. Dabei werden die Begriffe Legalität und Legitimität gerne vermischt. Denn die Steuergesetze einer Steueroase sind ja nun mal legal. Es kommt halt darauf, wie das jemand nutzt.

Auf der mittlerweile landläufig bekannten Offshore-Festplatte mit 260 GByte sollen sich unter anderem zwei Millionen E-Mails befinden, die Offshore-Konten-Aktivitäten andeuten, beschreiben, dokumentieren. Um diese Flut an Daten zu sortieren, wird ein großer Aufwand betrieben. Über die Erkenntnisse wird mittlerweile fast täglich Neues berichtet.

Sicher erscheint wohl zumindest, dass die E-Discovery-Branche davon profitieren müsste. Denn auch im Fall von Offshore-Leaks kam offenbar bereits E-Discovery-Software zum Einsatz, wie das ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) bestätigt hat.

Mittlerweile diskutieren freilich unsere Politiker, wie man die Steueroasen weltweit austrocknen könnte. Aber was bräuchte man da? Eine weltweit (!) einheitliche Gesetzgebung, wie man Steueroasen legal nutzen kann…

Glauben Sie daran? Ich denke, da war die Rettung Zyperns vergleichsweise ein Baby-Kuscheldecke, und die Rettung Griechenlands ein Kindergeburtstag. Ich hoffe nur, dass die Festplattenbranche nicht zum Buhmann wird.

Mit herzlichsten Offshore-Grüßen
Hubert Speicherwischer