Behörden-Dummheit kommt teuer zu stehen
Ein Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern entsorgt 170 teils neue Rechner, weil sie mit Schadsoftware infiziert waren. Kosten: 187.300 Euro. Nun rügt der Landesrechnungshof das chaotische Vorgehen. Leider mal wieder ein Behörden-Beispiel à la Schilda.
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen. Aber aus zu großer Angst in Kombination mit kopflosem Aktionismus kam es in Meck-Pom zu einer beispiellosen Geldverschwendung. Und das ausgerechnet in einem Bildungsministerium.
Im Bildungsministerium in Schwerin war die Angst offenbar zu groß: Weil 170 Computer des Lehrerfortbildungsinstituts IQMV (Institut für Qualitätsentwicklung Mecklenburg-Vorpommern) in Schwerin, Rostock und Greifswald vom vergleichsweise harmlosen Conficker-Wurm befallen waren, wurden die verseuchten Rechner von der IT-Abteilung kurzerhand entsorgt und durch neue Geräte ersetzt. Der Austausch mit anschließender Rücksicherung der Benutzerdaten kostete 187.300 Euro.
Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Anstatt nach anderen Mechanismen zu suchen, die Viren vom Rechner zu bekommen, schmeißt man sie weg. Einige davon noch neu. NIEGELNAGELNEU.
Darüber zeigt ein Bericht, dass zum Zeitpunkt einer Störung durch massiven Virenbefall, die mit deutlichen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit beim Institut einherging, kein funktionierendes IT-Sicherheitskonzept bestand.
Dabei wäre es so einfach gewesen. Es gibt kostenlose Tools, mit denen sich Schadsoftware entfernen lässt. Ist ja auch zu einfach: Altgerät geht nicht, neues her, Steuerzahler blecht. Die Ursache ist bislang noch unklar und Protokolle der Anti-Viren-Software konnten trotz mehrfacher Nachfrage nur für den Standort Greifswald vorgelegt werden. Das lässt die Optionen offen, dass eventuell einfach der Virenscanner falsch konfiguriert war oder menschliches oder technisches Versagen ursächlich waren. Nur ein einziger Mitarbeiter sei bis zum August 2010 mit der Betreuung und Überwachung der IT-Systeme des Lehrerfortbildungsinstituts betraut gewesen, heißt es im Bericht des Landesrechnungshofs.
Das Fazit der Prüfer ist eindeutig: »Die gewählte Vorgehensweise entsprach nicht dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.« Ebenso chaotisch wie bei der Fehlerdiagnose scheint das Ministerium beim Austausch der Geräte vorgegangen zu sein: Erst neun Monate nach dem teuren Austausch konnte der letzte PC in Rostock in Betrieb genommen werden.
Schildbürger sind nichts dagegen. Man fragt sich, was für IT-Experten in dieser Behörde schalten und walten. Vor allem: wie wichtig oder kriegsentscheidend sind denn bitte Daten eines Landes-Bildungsministeriums, dass man solche Furcht vor Viren und anderen Schädlingen entwickelt. Jeder Psychologe würde hier wohl Paranoia bescheinigen, jeder Otto-Normalverbraucher eine schwachsinnige Entscheidung. Leider einmal mehr ein Beispiel – diesmal aus der IT – dass man offensichtlich bei Steuergeldern eine etwas laxere Entscheidungseinstellung an den Tag legt als beispielsweise private Unternehmen, die in solchem Fall das eigene Geld zum Fenster rauswürfen.
Mit schadlos gespeicherten Grüßen,
Ulrike Rieß.