Wikileaks und die Todesstrafe

Todesstrafe? Unterstützung des Feindes? Gelegentlich verstehe ich die Welt nicht mehr. Zu Zeiten des kalten Krieges – na ja, wer Geheimdokumente an den Klassenfeind lieferte, musste wirklich mit allem rechnen. Das kennen wir aus früheren »James Bond«-Filmen genug. Die Überläufer taten es für Geld. Oder um das so genannte »militärische Gleichgewicht« wieder herzustellen. Aber Todesstrafe für das Liefern von Geheimdokumente an die Öffentlichkeit? Sind wir alle der Klassenfeind?
IT-Administratoren überall auf der Welt müssen sich darauf einstellen: Es werden Daten geklaut aus patriotischen Gründen. Und mit modernen USB-Speichergeräten lassen sich heutzutage TeraBytes in der Hosentasche mitnehmen. Mitarbeiter haben Einblick in Dokumente, und sagen sich: So geht das nicht weiter. Das war wohl auch der Hintergrund über die Veröffentlichung des Videos über den Angriff eines US-Militärhubschraubers 2007 in Bagdad. Da wollte niemand Geld dafür, niemand lief zum Klassenfeind über.
Haben Sie vor wenigen Wochen die Dokumentation »Weltmacht Wikileaks? Krieg im Netz« über Wikileaks bei der ARD gesehen? Da wurde u.a. einer der US-Soldaten interviewt, der nach dem Hubschrauberangriff zum Aufräumkommando gehörte. Das, war er dort hautnah sah, hat ihn so entsetzt, dass er anschließend den Dienst quittierte.
Und nun wird für den mutmaßlichen Whistleblower, der die Videoaufnahmen mutmaßlich an Wikileaks weiterreichte (und damit diesen Skandal öffentlich gemacht hatte), die Todesstrafe gefordert. Das ARD-Magazin »Panorama« fragt: »Wer sollte vom Rechtsstaat verfolgt werden: Soldaten, die wehrlose Zivilisten töten oder Bradley Manning, der diese Kriegsverbrechen vermutlich öffentlich machte?«