13.09.2013 (Doc Storage)
4.3 von 5, (4 Bewertungen)

Was tun bei NAND-Chip-Ausfall auf Storage-Blade?

Leserfrage: Es gibt Hersteller, die bieten enorme Speicherdichte, indem sie viele MLC-NAND-Chips auf einem Storage-Blade unterbringen. Damit lässt sich leicht eine Kapazität von 500 TByte auf einer Höheneinheit unterbringen. Was ist allerdings, wenn ein einzelner Chip auf einem Blade defekt ist und ausfällt? Greift dann das normale RAID? Muss man das gesamte Blade austauschen oder geh ein Chip-Austausch? Gibt es Sicherungsmechanismen, die hier besser greifen als die, die wir von herkömmlichen HDD-Speichersystemen kennen? Wie ist das, wenn multiple Chips versagen? Kann man versichern, dass es nicht zu einem Datenverlust kommt?

Anzeige

Antwort Doc Storage:

Im Falle des Verlustes eines einzelnen Halbleiters passiert bei solchen modernen, massiv mit Flash-Speichern ausgestatteten nichts. Die meisten dieser Arrays verfügen über mindestens zwei unabhängige Sicherungsmechanismen. Zum einen wird ein RAID-artiger Schutz über mehrere Speicherbausteine eines Modules gelegt, zum zweiten wiederum mehrere Module zu einer weiteren RAID-Gruppe zusammengefasst. Diese Vorgehensweise schützt sowohl vor dem Verlust einzelner Speicherbausteine als auch vor dem ganzer Baugruppen. Sobald also ein Speicherträger defekt ist, lässt sich dieser wie eine defekte Platte in einer RAID-Gruppe austauschen, ohne Daten zu verlieren. Wenn mehrere Chips oder Komponenten versagen, kommt es wie bisher auch darauf an, wie viele Prüfsummen unabhängig voneinander im entsprechenden Inertial erzeugt wurden. Bei nur einer Prüfsumme (RAID 5) kann eben nur eine, bei zweien (RAID 6) zwei Komponenten ohne Datenverlust ausfallen und so fort.

Darüber hinaus rüsten viele Halbleiterproduzenten ihre SSD-Komponenten mit weiteren internen ECC-Fehlererkennungs- und -korrekturmaßnahmen aus, die dafür sorgen, dass die geschriebenen Daten auch den vom Rechner übertragenen Informationen entsprechen. Die Prüfsummen dieser Algorithmen werden lokal auf einem Chip, physikalisch über mehrere Chips oder logisch über voneinander getrennte Halbleiter erzeugt, so dass auch hier unabhängig voneinander errechnete Tests existieren.

Und um nochmals mit einem der am weitesten verbreiteten Gerüchte der EDV aufzuräumen: Niemand kann versichern oder garantieren, dass es in einem von Menschen entworfenen und gebauten System nicht zu Fehlern oder Datenverlusten kommt. Man kann sogar statistisch recht genau vorhersagen, wann es zu entsprechenden Vorfällen kommen wird. Hersteller, die etwas anderes behaupten, so zum Beispiel die berühmt-berüchtigten »100 Prozent Verfügbarkeit«, sollte man mit hoher Vorsicht betrachten. So etwas kann es gar nicht geben, ob man es nun in die Werbung schreibt oder nicht. Das Bollwerk aus ECC, multidimensionalem RAID, Replikation, Fernspiegelung, Backup und Archiv kann es dem Verlustteufel nur so schwer wie möglich, aber Fehler eben nur annähernd unmöglich machen. Alles andere ist Humbug und leere Werbeversprechen.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de

Mehr von Doc. tec. Storage 20.04.2018 Handhabbares Backup für PCs/Notebooks

Ein regelmäßiges Backup ist immer noch nicht bei allen Anwendern Gang und Gäbe. Oftmals handelt es sich Unwissenheit, aber auch um Faulheit. Was wäre für einen normalen User eine vernünftige und handhabbare Backup-Strategie?


06.04.2018 Datenschutz in kostenlosen Cloud-Speichern – echt jetzt?

Google hat einschlägige Daten aus dem Drive-Speicher seiner Nutzer gelöscht. Das heißt, der Anbieter greift auf die Daten seiner Nutzer zu und analysiert diese. Unser Doc sagt: »Der Datenschutz ist in sozialen Medien und kostenlosen Cloud-Speichern nicht gegeben.«


23.03.2018 IT ist nicht für DSGVO/GDPR verantwortlich – ein Rant

In den Unternehmen bricht allmählich Panik aus, die DSGVO/GDPR kommt. Unser Chefredakteur hatte in seinem Blog die Frage aufgeworfen, wieso es immer einen Tritt in den Allerwertesten benötige, bis (auch) wichtige Projekte in Angriff genommen werden. Jetzt ergreift der Doc das Wort…


09.03.2018 Lassen sich HDDs aus Videorekordern auslesen?

Lassen sich HDDs aus Festplatten-Videorekordern am PC auslesen und sichern? Ein Leser befürchtet, dass sein Panasonic-Rekorder allmählich in die Jahre kommt und möchte einem drohenden Filmverlust zu vorkommen. Der Doc sieht hier nur eine Möglichkeit…


02.03.2018 Festplatte mit schlechtem Zustandsstatus noch zu gebrauchen?

Ein Leser hat in seiner Firma eine alte Server-Festplatte mit über 60.000 Betriebsstunden gefunden und uns einen Status-Screenshot geschickt. Die Frage an Doc Storage lautet: »Ist diese Festplatte Ihrer Meinung nach noch zu gebrauchen, trotz dem Status `schlechter Zustand´?«


16.02.2018 HDD-Fehlerraten schlecht in RAID-5-Arrays?

Festplatten besitzen gewisse Fehlerraten, im Schnitt alle 10^14 Bit, das sind zirka zwölf TByte. In Arrays mit mehr als zwölf TByte können daher Lesefehler auftreten, die sich nicht wiederherstellen lassen. Ist RAID 5 daher nicht mehr zeitgerecht?

powered by
TIM DCP Datacore Software
N-TEC GmbH Unitrends
Fujitsu Technology Solutions GmbH