08.06.2012 (Doc Storage) Drucken
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Speichersystem oder JBODs mit Extras?

Leserfrage: Muss man immer gleich ein großes Speichersystem der einschlägigen Hersteller erwerben, um Funktionen wie Snapshots, Replikation, CDP oder andere Sicherungsprozesse einsetzen zu können. Nun hören wir von verschiedenen Service Providern, dass diese lediglich eine hohe Anzahl an JBODs oder so genannten einfachen Speichereinheiten kaufen und diese mit spezieller Software, beispielsweise von FalconStor ausstatten und damit all ihre Anforderungen bedienen.
Lässt sich damit wirklich die Leistungs- und Funktionsfähigkeit eines großen Speichersystems erreichen und ist dies damit eine wirkliche Alternative?

Antwort Doc Storage:

Diese Frage ist durchaus berechtigt und steht nicht erst seit gestern im Raum. Sicherlich lassen sich die meisten »eigenschaftslosen« Arrays (JBODs) mit davor geschalteten Rechnern und der geeigneten Software auf die Funktionalitäten der von Ihnen genannten Systeme »pimpen«. Die Software-Suites bieten Replikation, Fernspiegelung, VTL-Funktionen und vieles andere. Und ja, in vielen Fällen reicht dies und spart dem Anwender, vor allem im kleinen und mittleren Segment, eine Unmenge Kosten.

Und jetzt kommen die großen »Aber«:

(1) Ein JBOD bietet keine oder kaum eine Überprüfung der geschriebenen Informationen. Integrierte Arrays schreiben die Daten nicht nur auf die Festplatten, sondern garantieren durch ständige Überprüfung der Datenträger und den Abgleich mit den Eintragstabellen die Integrität der Informationen. Es gibt bisher lediglich Software-Lösungen im Datenbankumfeld, die eine ähnliche Funktionalität bieten. Unstrukturierte Daten setzt man also einem Risiko aus.

(2) Unterstützt eine Software mehrere Speicherklassen (Tiers), so müssen Informationen immer aus dem JBOD gelesen und in ein anderes mit anderen Laufwerksarten geschrieben werden. Dies verursacht unnötige Belastung der Netzwerke, egal ob es sich um FC oder Ethernet handelt. Dasselbe gilt für Migrationen von Alt- in Neusysteme.

(3) Kaum ein JBOD erlaubt die Überwachung aller Komponentenzustände so, wie es eines der genannten Systeme tut. So kann es mitten im Betrieb zu bösen Überraschungen und dadurch zu Datenausfall oder gar -verlust kommen. Für den Betrieb von JBODs mit entsprechender Software müssen immer drei Management-Systeme betrieben werden: eines für die Rechner, eines für die Software und eines für das JBOD.

(4) An ein JBOD lassen sich kaum mehrere Rechner, geschweige denn mehrere Rechnergattungen anschließen. Die genannten Systeme drängen sich also immer dann auf, wenn parallel über FC, iSCSI, FCoE, Ethernet oder FICON zugegriffen werden muss.

Die Frage ist am Ende, ob die Anschaffung dreier Komponenten (Rechner, JBOD und Software) und deren separater Betrieb tatsächlich bei den Vollkosten preiswerter ausfallen als die Nutzung eines einzigen, integrierten Systems mit nur einer Verwaltung und einer Mannschaft. Man darf auch nicht vergessen, dass um die Leistung einer »Symmetrix«, einer »DS880« oder einer »VSP« zu erreichen viele Rechner, noch mehr JBODs und zu allem mächtige Software-Lizenzen notwendig sind.

Meine Antwort ist also: es kommt darauf an. Je größer und komplexer die Umgebung wird, desto weniger würde ich auf JBODs mit Software zurückgreifen.

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Kommentare (2)
11.06.2012 - unex

Auch Software wie FalconStor oder Symantec Storage Foundation bieten manchmal Features, von denen man nachher nur 10% nutzt. Und billig sind die Lizenzen auch nicht.
Es steht ja schon im Text: Es kommt immer darauf an, was man machen möchte und vom System erwartet.
Man kann z.B. auch Storage Arrays mit eigenem (internen) Raid-Controller [z.B. Infortrend] nehmen und dann eine Storagevirtualisierungssoftware dahinter setzen - so machen wir es.
Darüber hinaus gibt es noch Sachen wie GlusterFS und openAttic, die für den einen oder anderen in Frage kommen.
Allerdings braucht es einiges an Erfahrung oder eben gute Beratung, um für sich die Kosten-/Nutzen-Rechnung aufstellen zu können.
Manchmal ist es wesentlich kosteneffizienter die "Bastel"lösung zu nehme, aber auch ein Fertig Baukastensystem (EMC², Netapp, DELL, HP, etc.) kann durchaus Sinn machen und in den Kosten gleich teuer sein; billiger eigentlich selten.

...ich stehe auf die Bastellösung ;)

11.06.2012 - unex

Auch Software wie FalconStor oder Symantec Storage Foundation bieten manchmal Features, von denen man nachher nur 10% nutzt. Und billig sind die Lizenzen auch nicht.
Es steht ja schon im Text: Es kommt immer darauf an, was man machen möchte und vom System erwartet.
Man kann z.B. auch Storage Arrays mit eigenem (internen) Raid-Controller [z.B. Infortrend] nehmen und dann eine Storagevirtualisierungssoftware dahinter setzen - so machen wir es.
Darüber hinaus gibt es noch Sachen wie GlusterFS und openAttic, die für den einen oder anderen in Frage kommen.
Allerdings braucht es einiges an Erfahrung oder eben gute Beratung, um für sich die Kosten-/Nutzen-Rechnung aufstellen zu können.
Manchmal ist es wesentlich kosteneffizienter die "Bastel"lösung zu nehme, aber auch ein Fertig Baukastensystem (EMC², Netapp, DELL, HP, etc.) kann durchaus Sinn machen und in den Kosten gleich teuer sein; billiger eigentlich selten.

...ich stehe auf die Bastellösung ;)


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