27.01.2012 (Doc Storage) Drucken
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Pro und Contra »one size fits all«

Leserfrage: Wenn man sich mit Vertretern der großen Storage-Hersteller austauscht, sieht man sich diversen Philosophien gegenüber. Der eine preist ein One-Stop-Shopping an, andere heben sinngemäß das »one size fits all« hervor. Natürlich klingt es sinnvoll, wenn die großen wie auch die kleineren Speicher mit dem gleichen Filesystem arbeiten und dadurch eine Kompatibilität und Skalierbarkeit über alle Systeme hinweg entsteht. Vor allem EMC wird vorgeworfen, das vieles zugekauft sei und die einzelnen Produktlinien untereinander nicht zusammenarbeiten. Dies ist bestimmt oft genug nachteilig.

Die Frage ist aber: Kann ein Ansatz tatsächlich alle IT-Anforderungen erfüllen, beispielsweise aus den Bereichen Archivierung, Speicherung, Hochverfügbarkeit oder Performance? Ist es nicht eher zwingend, wenn man in einer Disziplin die bestmögliche Leistung erzielen möchte, auf hochspezialisierte System zu setzen? Wie sehen Sie das Thema »one size fits all«? Lässt sich die Praxis überhaupt mit einem Ansatz erschlagen? Welche Vor- bzw. Nachteile sehen sie hier?

Antwort Doc Storage:

Die Antwort ist klar: nein! »One size never fits all« – ein Ansatz kann niemals alle Anforderungen erfüllen, so sehr sich das die Hersteller von sogenannten Unified-Systemen auch wünschen mögen. Diese können noch so oft White-Paper veröffentlichen, in denen mehr oder weniger wohlgesonnene Analysten darlegen, dass sowohl Datenbanken als auch Dateidienste als auch Streaming Media Höchstleistungen auf diesen Systemen zu erzielen vermögen. Echte Leistung generieren tatsächlich nur für bestimmte Zwecke optimierte bzw. für diese konfigurierte Systeme.

Es gilt hier immer noch der Spruch der alteingesessenen Ausbilder: »Für jede Arbeit das richtige Werkzeug.« Und so sind Höchstleistungs-Blocksysteme wie HDS »VSP«, IBM »DS8800« oder EMC »VMAX« für den Dienst an vielen Rechnern unterschiedlicher Coleur gemacht, das Handling unterschiedlichster Dateisysteme und Formatierungsarten und so viele unterschiedliche Anbindungsarten wie möglich. Diese Systeme allerdings mit Backup- oder gar Archiv-Diensten zu belasten, hieße die gewünschte Leistung künstlich durch die Nutzung spezieller Anwendungen mit völlig anderer Cache-Nutzung zu reduzieren. Dafür eignen sich wesentlich besser einschlägige Arrays, die dann aber auch nichts anderes tun als Daten zu sichern oder zu archivieren.

Wie Sie schon bemerken, kommt es auch immer auf die Größe der Infrastruktur an. In kleinen und mittelständischen Betrieben, für die die oben genannten Systeme schon aus preislicher Sicht nicht in Frage kommen, sind im größten Teil der Fälle auch Arrays aus dem Unified-Bereich ausreichend und zielführend. Dort gibt es schlichtweg nicht den Bedarf nach der Unterstützung unterschiedlichster Betriebs- und Dateisysteme, der extremen Leistung und Skalierbarkeit wie bei großen Installationen. Hier sind vielmehr Faktoren wie gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, grundlegende Funktionalitäten wie Replikation, Fernspiegelung und Virtualisierung sowie eine moderate Ausbaubarkeit ausschlaggebend. Diese Forderungen werden heute am besten von Unified-Systemen erfüllt.

Die für den Betrieb unterschiedlicher Dienste wie Block- und Dateispeicher, Backup und Archiv notwendigen Betriebssysteme in den Arrays sind per se so unterschiedlich, dass in den meisten Fällen lediglich mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner verwaltet werden kann. Dieser heißt heute SMIS und wird von der SNIA definiert. Allerdings handelt es sich hierbei um einen Kompromiss, der niemals alle speziellen Funktionalitäten der einschlägigen Systeme abdecken kann. Wenn ein Unternehmen in einer diversifizierten Umgebung alle Funktionalitäten nutzen möchte, wird er wohl oder übel damit leben müssen, dass seine Systeme auf der Managementebene nicht kompatibel sind.

Vorteile einer solchen diversifizierten Infrastruktur sind vor allem die genau zuteilbare Leistung und der nicht oder nur sehr gering vorhandene Einfluss von Wartungsarbeiten, Upgrades oder Störungen im einen Betriebsumfeld auf andere Produktionsbereiche. Nachteil ist vor allem die größtenteils mangelnde Kompatibilität und damit der wesentlich höhere Verwaltungsaufwand, aber auch die teilweise benötigte getrennte Netzwerk-Infrastruktur. Diese Argumente lassen sich für Unified-Systeme genau umkehren. Dort ist der Verwaltungsaufwand durch den »single point of control« wesentlich geringer und die Netzwerkinfrastruktur durch die singuläre Anbindung unkomplizierter. Auf der anderen Seite fallen gleich alle Dienste aus, wenn das zentrale System den Geist aufgibt.

Gruß
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