20.08.2010 (Doc Storage) Drucken

Ist RAID 6 noch notwendig?

Leserfrage: Der Kollegenkreis führt eine nahezu religionsartige Diskussion. RAID 6 soll vor dem Ausfall mehrerer Festplatten schützen bzw. deren Folgen. Aber sind für den RAID-Betrieb ausgewiesene SATA-Platten mittlerweile nicht so robust, dass man sich RAID 6 sparen kann? Was meinen Sie?

Antwort Doc Storage:

Vor Jahren wurde RAID 6 eingeführt, um Daten in RAID-Gruppen vor einem gleichzeitigen Ausfall zweier Platten zu schützen. Dies war bei der Qualität der Medien auch notwendig, mussten in den frühen Jahren der SATA-Nutzung, also mit Laufwerken von 160 und 250 GByte Größe, diese zum Teil im »Revolververfahren« getauscht werden.

Heute hat sich die Zuverlässigkeit von SATA-Platten derjenigen von FC-Laufwerken angenähert, diese liegen also ebenfalls bei Betriebszeiten von 1,5 bis zwei Millionen Stunden. Vor einem doppelten Ausfall muss hier heute also genauso wenig geschützt werden wie bei FC-Drives. Ebenso hat man das Problem von »plötzlichen Todesfällen« unter SATA-Platten in den Griff bekommen und liegt hier im gleichen Rahmen wie bei den höherwertigen Laufwerken. Annähernd alle beschädigten Medien können rechtzeitig auf Hot-Spares evakuiert werden, bevor der Ernstfall eintritt und die Daten nicht mehr lesbar sind. Alles in allem ist das Hauptargument für RAID 6, die lange Rekonstruktionszeit bei großen SATA-Medien und die hierbei bestehende Gefahr von doppelten Ausfällen, keines mehr. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten dieses Falles ist heute aufgrund der genannten Gegebenheiten mathematisch annähernd Null.

Dem entgegen schlagen die immer noch bestehenden Nachteile von RAID 6 zu Buche. Zum einen geht eine komplette weitere Festplatte an Nettospeicher verloren um eine zweite Checksumme aufzubauen. Zum anderen »kostet« jeder Schreibvorgang wesentlich mehr I/Os im Gesamtsystem, was vor allem bei kleineren und mittleren Systemen deutlich an der Leistung zehren kann.

Als Empfehlung bei der Konfiguration eines SATA-Systems kann also gelten, lieber RAID-5-Gruppen plus Hot-Spares als einen RAID-6-Verbund zu konfigurieren. Das System wird schneller schreiben und bietet vor allem mehr Netto fürs Geld als bei der aus den genannten Gründen überflüssigen Einrichtung mit doppelter Parität.

Gruß
Doc Storage

Kommentare:
01.09.2010 - cla

Wenn dem so wäre, wie erklären Sie dann bitte die Notwendigkeit der Einführung von Raid-7 (bzw. Raid-Z3 bei ZFS)?
Auf Grund der riesigen Datenmengen heutiger einzelner Festplatten (1-2TB; und demnächst auch mehr) und der damit verbundenen, sehr langen Resilvering-Zeit und dem damit verbundenen höheren Stress der verbleibenden Platten ist die Ausfallwahrscheinlichkeit scheinbar dennoch hoch genug um sogar 3 anstatt nur 2 redundante Platten vorzuhalten.
Der Kostenfaktor ist (gerade bei SATA-Platten) vernachlässigbar.
Ich halte ihre Aussage "pro Raid 5" für sehr gefährlich.


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