01.02.2013 (Doc Storage) Drucken
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Failover Cluster mit zentralisierter Speicherlösung

Leserfrage: Im Unternehmen befindet sich im Moment ein Hyper-V-Host (Windows Server 2008 R2, 6x SAS-HDD mit ca. 800 GByte und zwei größere Daten-SATA-HDDs mit ca. 2 TByte) mit einigen produktiven und einigen experimentellen VM-Server. Haupt-Ressourcen sind ein virtualisierter SBS2003 und ein dezidierter Datenbankserver (ABAS).

Geplant ist einerseits die Migration von SBS2003 auf SBS2011 (Software-Anschaffung bereits erfolgt) und die Bereitstellung eine Failover-Clusters mit zentralisierter Speicherlösung. Im wesentlichen werden dazu folgende Komponenten eingeplant:

  • Host Server 1 (Bestand, Standort: Serverraum)
  • Host Server 2 (Anschaffung, Standort: Serverraum)
  • Storage-Lösung inkl. Failover-Fähigkeit (Anschaffung, Größe ca. 4-8 TByte, Standort: Serverraum)
  • Backup-Storage NasDeluxe NDL2700T (Bestand, ca. 2 TByte, Standort: getrenntes Gebäude über Glasfaser verbunden)

Die Frage richtet sich an die Storage-Lösung mit guten Preis-/Leistungsverhältnis und ohne Einschränkung bezüglich der angestrebten Failover-Cluster-Funktion.

Antwort Doc Storage:

Für die beschriebene Migration von SBS2003 nach SBS2011 gibt es – wie immer im Leben – mehrere Möglichkeiten, die jede für sich gewisse Vorteile bringen. Die Migration der Server selbst stellt hierbei den geringsten Aufwand dar, wird sie doch durch von Microsoft zur Verfügung gestellten Verfahren unterstützt. Hiermit können Sie die vorhandenen Daten und Einstellungen vom Alt- ins Neusystem übernehmen. Entsprechende Dokumentationen können auf Microsoft Technet eingesehen werden. Für die Entscheidungsfindung im Bereich neues Speichersystem benötigen Sie ein paar Eckdaten, die in Ihrer Anfrage leider nicht enthalten waren. Zwar geben Sie an, dass momentan 8 TByte Kapazität benötigt werden, allerdings sind für das Sizing einer Lösung für die kommenden Jahre noch weitere Zahlen notwendig. Wie stark nehmen Ihre Daten zu, für welchen Zeitraum wollen Sie das Speichersystem anschaffen und welche Kapazität soll als Ergebnis nach der entsprechenden Zeit vorhanden sein? Beispiel: momentan nutzen Sie 8 TByte, Sie wollen für drei Jahre beschaffen, und pro Jahr nehmen Ihre Daten um ein Viertel zu. Damit würden Sie ein System benötigen, welches am Ende knapp über 15,6 TByte Kapazität enthalten kann.

Des weiteren müssen Sie entscheiden, ob all Ihre Daten dieselbe Leistung von ihren Laufwerken benötigen, oder aber ob das anzuschaffende System über zwei oder gar drei »Tiers« verfügen soll. Dabei würden beispielsweise die leistungshungrigsten Daten auf SSDs abgelegt, weniger frequentierte auf SAS- und nicht mehr genutzte auf SATA-Platten. Eine solche Verteilung garantiert einerseits die höchste Leistung für die entsprechende Informationsklasse, die Kosten für die SSDs werden andererseits von den SATA-Laufwerke kompensiert. Nach den Erfahrungen mit den neuen Microsoft-Server-Versionen sollten Sie eine solche Konfiguration auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Wenn man von einer Kapazität von acht TByte und der typischen Verteilung von 65 Prozent SATA, 25 Prozent SAS und 10 Prozent SSD ausgeht, heißt das netto vier SATA-Platten mit jeweils zwei TByte, sieben SAS-Platten mit jeweils 300 GByte und vier SSD-Laufwerke mit jeweils 256 GByte. Wenn man nun bei SATA von RAID 6 und bei SAS sowie SSD von RAID 5 ausgeht, benötigen Sie zum Start ein System mit mindestens 19 Einschüben (4+2 SATA, 7+1 SAS und 4+1 SSD). Für die Zielkapazität von über 15 TByte müssen nach diesem Schema netto fünf 2-TByte-Laufwerke SATA, 14 300-GByte-Platten SAS und sechs SSDs mit 256 GByte eingesetzt werden, somit also 30 Einschübe (5+2 SATA, 2 x 7+1 SAS und 6+1 SSD) eingeplant werden.

Bei Systemen mit 30 Einschüben wird das Angebot schon etwas überschaubarer. Es gibt entsprechende Angebote von den großen Herstellern, wie die EMC »VNXe 3150« oder die IBM »DS3500«. Beide decken die entsprechende Laufwerkszahl ab und können über eSATA oder iSCSI an die Rechner angeschlossen werden. Die Anbieter offerieren durchgehend Automatisierungen für Replikation und Failover im Microsoft-Server-Bereich (auch Cluster), so dass Sie hier das Rad auch nicht neu erfinden müssen.

Kleinere – und damit preiswertere – Systeme kommen aus zwei Gründen leider nicht in Betracht. Erstens gibt es keinen Hersteller, der Entry-Arrays mit mehr als 16 Laufwerken anbietet, und zweitens haben diese durchgehend keine Microsoft-Cluster-Unterstützung im Programm, schon gar nicht mit automatisiertem Failover im Hyper-V- oder Vmware-Umfeld.

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (2)
08.02.2013 - H. Brummer

Hallo,

Sie sollten neben den bereits genannten Systemen vielleicht auch Fujitsu's ETERNUS DX90 in Betracht ziehen, das ebenfalls all diese Anforderungen erfüllt zusätzlich aber noch mehr Möglichkeiten bietet die es so im Entry Berich nur selten gibt z.B. das sogenannte Tiering zu automatisieren.

01.02.2013 - Dr. Wario

Ich würde auch einen besonderen Augenmerk auf die Lizenzierung legen, da es im HA-Cluster nicht damit getan ist, einfach eine bestehende physikalische Maschine in eine VM umzuwandeln. Hintergrund: Lizenzierung für Microsoft-Betriebssysteme werden grundsätzlich erstmal pro Host durchgeführt. Bsp SBS: in einem Cluster mit 2 Host-Systemen kann die SBS-VM entweder auf Node 1 oder auf Node 2 laufen, und vor allem kann es passieren, das im HA-Fall die SBS-VM von dem einen auf den anderen Node "wandert". Sprich: es werden 2 SBS-Lizenzen benötigt, um korrekt lizenziert zu sein!


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