Detlef Lieb, Senior Product & Program Manager Storage Systems, Fujitsu Technology Solutions
Disk-Backup hat mittlerweile Bandmedien im Bereich der Datensicherung in vielen Umgebungen abgelöst. Administratoren schätzen die Verfügbarkeit, Skalierbarkeit, Flexibilität und Funktionalitäten, die ihnen damit zur Verfügung stehen. Zu den wichtigsten Funktionen der letzten Jahre gehören Deduplizierung, Continuous-Data-Protection und synchrone Replikation. Diese sollen die immer wieder auftretenden Probleme wie Datenwildwuchs und zu kleine Backup-Fenster beheben sowie zuverlässige Desaster-Recovery-Strategien garantieren. Ein gutes Backup ist letztlich die Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Restore.
Wir sprachen dazu mit Detlef Lieb, Senior Product & Program Manager Storage Systems bei Fujitsu Technology Solutions.
Backups sind der strategisch lebenswichtige Punkt für Unternehmensdaten. Welche Probleme hat der Anwender heute im Backup-Umfeld?
Lieb: Der Applikationsanwender hat nach wie vor den Anspruch, dass seine Daten im Rechenzentrum nach Beschädigung, Zerstörung oder Verlust angemessen wieder hergestellt werden. Angemessen bezieht sich dabei in erster Linie auf den Zeitrahmen und die Qualität der wiederhergestellten Daten.
In diesem Kontext muss der RZ-Betrieb die Voraussetzungen für Datensicherungsfunktionen schaffen, die den Anforderungen vom einzelnen Anwender bis hin zum gesamten Unternehmen gerecht werden. Und hier werden die Aufgaben vielschichtig. Die Maximalforderungen für das Backup lauten: in kürzester Zeit, bei geringsten Kosten, ohne Einschränkung des Betriebes, unternehmensrelevante Daten so zu sichern, dass die Recovery in kürzester Zeit, bei geringsten Kosten, ohne Einschränkung des Betriebes und ohne Datenverlust möglich sind. Diese Forderungen können in der Praxis nur annähernd erreicht werden. Datenwachstum, Funktionserweiterungen, Organisationsänderungen und andere Einflüsse führen im Laufe der Zeit zu Problemen wie zu großem Zeitaufwand sowohl für die Datensicherung als auch für die Wiederherstellung.
Wie bewältigt er diese Schwierigkeiten?
Lieb: Durch Auswahl geeigneter Methoden und Tools, abhängig von Anspruch und finanziellen und technischen Möglichkeiten. Im täglichen Betrieb kommt es primär auf die Wiederherstellung aktueller Daten an. Dafür bieten sich plattenbasierte Methoden an. Bereits Einstiegssysteme bringen hierfür ein hohes Maß an Funktionalität mit. Dazu gehören Datenspiegelung synchron/asynchron, Snapshots, Cloning, CDP oder Replikation.
Zur Absicherung länger aufzubewahrender Daten und zur Reaktion auf die logische Verfälschung sowie die Folgen von Schadsoftware ist nach wie vor das Tape die geeignete Technologie. Hinzu kommen die äußerst positive Energiebilanz sowie das praktisch unbegrenzte Speichervolumen dieser Technologie. Die Argumente - zu langsam, zu unsicher, von gestern und andere - werden von interessierter Seite immer wieder gestreut, sind aber zum größten Teil halbwahr oder falsch. Das Optimum stellt ohne Zweifel die voll automatisierte Kombination aus Disk, Tape und Funktionssoftware dar.
Welche Funktionen muss ein Backup auf jeden Fall umfassen?
Lieb: Steht ausreichend Zeit für Backup und Recovery zur Verfügung und ist der begrenzte Verlust von Daten erlaubt, kann der Klassiker Backup- to-Tape ausreichend sein. Aktuell ist der Einsatz von Snap- und Snap-clone-Methoden in Kombination mit Tape, gesteuert von einem adäquaten B/R-Tool »state of the art«. Die Sicherung und Wiederherstellung von Datenbanken, virtuellen Serverumgebungen, virtuellen Speichersystemen, ausgelagerten Büroumgebungen und anderen bedarf der individuellen Betrachtung und Berücksichtigung.
Welche Vorteile hat eine CDP-Sicherung und in welchen Einsatzszenarien ist dieses Verfahren unerlässlich?
Lieb: Continuous-Data-Protection bringt mehrere Vorteile gleichzeitig mit sich. Richtig konfiguriert und eingesetzt bietet CDP nicht nur ein Höchstmaß an Aktualität der wiederhergestellten filebasierten Daten, sondern kann gleichzeitig zur Bandbreitenoptimierung - das ist für Remote-Instanzen wichtig - und zur Software-Verteilung eingesetzt werden. Auch CDP-Verfahren müssen den Anforderungen entsprechend konfiguriert und betrieben werden. Im Unterschied zur reinen Replikation kann CDP so konfiguriert werden, dass zeitlich mehr oder weniger zurückliegende Datenzustände wiederhergestellt werden können. Das wird wichtig, wenn Fehler erst längere Zeit nach ihrem Auftreten erkannt werden.
VTL und Deduplizierung gehen oft einher. Ab wann sollte eine solche Backup-Lösung eingesetzt werden?
Lieb: VTL und Deduplizierung werden in der Regel dann gemeinsam genutzt, wenn es sich bei der VTL um eine reine Disk-Lösung ohne Tape-Automation, also lediglich um eine Tape-Emulation auf Disk handelt. Deduplizierung auf Tape ist nicht sinnvoll. Insofern ist die Bezeichnung Virtual-Tape-Library irreführend.
VTL und Deduplizierung haben funktional nichts miteinander zu tun. Sie ergänzen sich allerdings in diesem speziellen Fall dadurch, dass deduplizierte Daten weniger Platz benötigen. Dies bedeutet, das Plattenvolumen der VTL kann relativ klein gehalten werden. Handelt es sich dagegen um eine echte Bandautomation mit automatischer Tape-Verarbeitung, Stacking, Migration, Dopplung, Katastrophensicherheit und Auslagerung, ist Datendeduplizierung von geringem Nutzen. Der Einsatz von VTLs ohne Tape nutzt die Vorteile von Plattenspeichern und verzichtet auf die Vorteile von Tapes. Abhängig von der Art der Deduplizierung können bei Filial-/Satelliten-Architekturen vorteilhafte Effekte bei Leitungsbandbreiten zum Zeitpunkt des Backups erzielt werden. Dies setzt voraus, dass die Deduplizierung an der Datenquelle vorgenommen wird. Nach der ersten Vollsicherung müssen nur noch geänderte oder neu erzeugte Daten übertragen werden. Für den Fall der Rückspeicherung zur Wiederherstellung müssen i.d.R. die rededuplizierten Daten in die Filiale übertragen werden, wodurch die Wiederherstellungszeit sehr viel länger dauert als die Backup-Zeit.
Um tragfähige Aussagen zum sinnvollen Einsatz von VTLs mit Deduplizierung zu machen, bedarf es eingehender Kenntnis der Zielumgebung und Anforderungen.
Was muss der Anwender beachten, wenn er virtualisierte Serverumgebungen ins Backup integriert?
Lieb: Der Anwender muss wissen, dass mit virtuellen Servern die physikalischen Maschinen sehr viel höher ausgelastet werden als im nativen Systembetrieb. Daraus folgt, dass weniger Hardware-Serverressourcen zum Sichern von Daten zur Verfügung stehen. Dies führt dazu, dass in der Regel nicht mehr nur über die Serverhardware Daten zum Backupmedium gebracht werden, sondern diese direkt von der Storage-Plattform in einen Backup-Bereich transferiert werden müssen. Die verwendeten Methoden basieren häufig auf Snap-, Snap-clone-, und Mirroring-Funtionalitäten sowie Methoden zur Datenreplikation. Voraussetzung dafür ist die Erzeugung von Konsistenzzeitpunkten der zu sichernden virtuellen Maschinen, welche in Kooperation zwischen Backup-Tool und Hypervisor herbeigeführt werden.
Welche Rolle spielen Bandmedien noch beim Backup? Ist hier der Paradigmenwechsel abgeschlossen und das Band in den Archivbereich verbannt?
Lieb: Da Backup-to-Disk-Methoden nicht neu, sondern lediglich wirtschaftlicher geworden sind, möchte ich nicht von einem Paradigmenwechsel sprechen. Tendenziell werden immer mehr diskbasierende Backup/Recovery-Lösungen eingesetzt. Dies gilt im Besonderen für den Kurzzeitbereich. Es wird nach wie vor turnusmäßig eine Tape-Sicherung in den Schrank gelegt. Da Tape auf absehbare Zeit das wirtschaftlichste Medium bleibt, werden Bänder für Massendaten und Sicherheitskopien noch lange Bestand haben.
Gibt es einen Trend im Backup-Umfeld?
Lieb: Ja es gibt mehrere Trends. Ich würde folgende Liste anführen:
• Zunahme von plattenbasierten Backup/Recovery-Lösungen,
• Konsolidierung und »Entmystifizierung« von Deduplizierungsmethoden,
• zunehmende Automatisierung, um Vorteile von Tape und Disk zu nutzen,
• mehr B/R-Services aus dem Netz (Online-Backup-Dienste),
• mehr Managed-Backup-Services.
Was können Online-Backup-Dienste wirklich leisten? Ist das ein absehbarer Trend?
Lieb: Die Nutzungsbreite von Online-Backup-Services wird durch ihre Kosten und Möglichkeiten entschieden. Im Consumer-Bereich, also bei relativ kleinen Volumina, sind sie verfügbar und für wenig Geld nutzbar. Anders sieht es für Off-site-Services mit hohen Sicherheitsanforderungen und großen Datenvolumen mit hohen Transferraten aus. In diesen Umgebungen hängt die Verbreitung im Wesentlichen von Netzbandbreiten und Sicherheitsanforderungen ab. Dazu gehören auch Bereiche der Themen Software as a Service.
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