22.05.2006 (kfr) Drucken

Backgrounder Tape-Librarys

Tape-Librarys legen den Anwender nicht auf eine vorgegebene Konfiguration fest, sondern lassen sich bedarfsgerecht skalieren. Der Zusammenschluss mehrerer Geräte erhöht die Kapazität bis in den PByte-Bereich und beschleunigt die Backup-Geschwindigkeit.

von Karl Fröhlich, Ulrike Rieß

Während Autoloader vorwiegend für die Automatisierung der Datensicherung eingesetzt werden, finden Librarys hauptsächlich für die dauerhafte Speicherung und Archivierung von Daten Verwendung. Die Anzahl der Bänder beginnt bei 20 und reicht bis zu mehreren Tausend. Die Konfiguration ist nicht fest vorgeschrieben; der Administrator kann dem Bedarf entsprechend skalieren. Darüber hinaus verfügen Bandbibliotheken über umfangreiche Skalier- und Verwaltungsmöglichkeiten, die Autoloader nicht offerieren.

Tape-Librarys der Entry-Klasse

Die klassische Entry-Library liegt heute bei zwei bis vier Laufwerken und kann bis zu 60 Tapes verwalten. Viele der Systeme dieser Klasse sind sowohl als Rackmount- als auch als Stand-Alone-Version verfügbar. Die Geräte sind derzeit bereits in diesem Segment mit einem Barcode-Reader ausgestattet und besitzen oft eine optionale Fibre-Channel-Anbindung. Wer zu einem späteren Zeitpunkt sein Backup in ein SAN einbinden möchte, ist somit nicht mehr zu der Neuanschaffung einer Library gezwungen.

 Zum Vergrößern anklicken!  Adic Scalar 24
Grundsätzlich sind die Definitionen der Einsteigerklasse fließend. Bei Adic beispielsweise besitzen Entry-Produkte nur bis zu 20 Bandstellplätze. Grundsätzlich verfügen die Librarys über Kapazität für mehrere Bänder und Laufwerke sowie über einen Barcode-Leser und eine Mailbox, die das Ex- und Importieren von Tapes ermöglicht, ohne dass das jeweilige System geöffnet werden muss. Durch die rasant steigenden Kapazitäten und Durchsatzraten der Bandformate erreichen selbst kleine Librarys hohe Speichervolumina. Bei 20 Bändern im LTO-3-Format stehen so 8 TByte zur Verfügung, mit der neuesten Generation des SDLT kommen sogar 16 TByte zusammen. Je nach Technologie hat der Administrator Durchsatzraten von 288 oder 216 GByte/h.

Die Anschaffungskosten beginnen für einen kleinen Bandroboter mit zunächst einem Streamer bei rund 7.000 Euro und gehen je nach Ausstattungsmöglichkeit hoch bis circa 16.000 Euro. Die Kapazitäten schwanken, wie bereits erwähnt, je nach Tape-Format und der Anzahl der verfügbaren Bandstellplätze. Sonys »StorStation LIBD81A4EU« erreicht mit acht AIT-4-Tapes eine unkomprimierte Speicherkapazität von 1,6 TByte und kostet knapp 4.000 Euro. Die gleiche Kapazität musste im Vorgängermodell noch mit 16 Bändern realisiert werden. Adics »Scalar 24« unterstützt die Tape-Formate LTO-2, LTO-3 sowie SDLT320 und SDLT600. Mit 15 LTO-3-Bändern liegt die maximale native Kapazität bei 9,6 TByte.

Tape-Librarys der Midrange-Klasse

Der mittlere Bereich deckt eine breite Spanne ab, die Übergänge nach unten wie oben sind fließend. Modulare Bandbibliotheken wie Adics »Scalar i500« oder die »M2500« von Tandberg Data ermöglichen bei steigenden Ansprüchen eine bedarfsgerechte Skalierung. Für mittlere Netzwerk-Umgebungen empfehlen sich derzeit vor allem die Bandformate LTO und SDLT. Ein LTO-3-Tape bietet derzeit eine native Kapazität von 400 GByte und erreicht pro Laufwerk eine Backup-Rate von 288 GByte/h. SDLT-S4 besitzt unkomprimiert 800 GByte sowie eine Transferrate von 216 GByte/s. Durch den Zusammenschluss von Adic und Quantum dürfte sich das Midrange-Angebot mittelfristig reduzieren.

 Zum Vergrößern anklicken!  Tandberg Data M-Serie
Librarys dieser Kategorie unterstützen mehr als zwei Laufwerke und sind meist skalierbar. Außerdem müssen sie Bulk-Mailbox-Optionen für Datenimport und -export aufweisen sowie Funktionen für SAN-Konnektivität und Remote-Management bieten. Die Geräte arbeiten normalerweise maximal mit 200 bis 300 Bandstellplätzen und erreichen Kapazitäten zwischen circa 10 und 70 TByte. Sun/StorageTek definiert seinen Midrange-Bereich mit bis zu 1.000 Slots.
Zudem ist der Einsatz von verschiedenen Schnittstellen möglich, die redundante Auslegung systemkritischer Komponenten wie der Stromversorgung, Laufwerke sowie Controller und Interface-Karten ist ein Muss. Die Bedienung erfolgt über ein Benutzer-Panel am Gerät und über ein browsergestütztes Verwaltungs-Tool. Fehlermeldungen werden unter anderem über SNMP oder SMTP ausgegeben und erreichen den Administrator beispielsweise via E-Mail bzw. SMS. Auch das Merkmal Hot-Swap sollte der Administrator genauer betrachten. Mittlerweile rüsten die Hersteller fast alle Modelle in dieser Konfiguration aus.

Der verfügbare Service spielt spätestens ab den Midrange-Modellen eine entscheidende Rolle. Kann bei kleineren Systemen noch ein Next-Business-Day-Austausch ausreichen, sind höherklassige Modelle meist deutlich anwendungskritischer. Führt hier ein Defekt zu einem Systemstillstand, können schnell hohe Ausfallkosten entstehen. Ein Vor-Ort-Service gilt für Bibliotheken der Mittelklasse als Standard.

Tape-Librarys der Highend-Klasse

Für ein Midrange-Produkt sind, je nach Ausstattung, um die 20.000 bis 80.000 Euro zu veranschlagen. Der Highend-Bereich beginnt bei 65.000 Euro und geht hoch bis zu 250.000 Euro und mehr. Je größer und leistungsfähiger die Librarys ausgelegt werden, desto mehr ist der Preis nicht nur von den Stellplätzen (Kapazität), sondern auch von einer zusätzlichen Laufwerksanzahl (Performance) und Software-Lizenzierung abhängig. Versteckte Kosten darf es hier nicht geben, der IT-Anwender sollte genau auf das Angebot des jeweiligen Herstellers schauen.

 Zum Vergrößern anklicken!  StorageTek Streamline SL8500
Das Highend umfasst Enterprise-Librarys für den Einsatz im Rechenzentrum. Die Anforderungen an die Zuverlässigkeit, die Verfügbarkeit und den Service sind für diese Systeme sehr viel höher. Auch Management-Funktionen wie die Überwachung von Subsystemen, Fehler-Reporting, SAN-Port-Failover und die Integration mit Framework-Tools werden in diesem Umfeld verlangt. Eine Schlüsselfunktion für die Konsolidierung der Bandspeicherung im Data-Center ist die Fähigkeit, die Library zu partitionieren und so mehreren Backup- und/oder Archivierungsapplikationen zur Verfügung zu stellen. Enterprise-Librarys müssen von Hunderten (Einstiegsniveau) bis zu Tausenden Bandstellplätzen skalieren und die Möglichkeit bieten, bis zu Hunderte von Tape-Drives zu unterstützen.

Ein Beispiel für Highend-Librarys ist Sonys »Petasite«. Die Geräte dieser Serie besitzen bis zu 96 Laufwerke und verwalten derzeit mit maximal 2.988 Tapes ein Speichervolumen von 1,5 PByte. Sun/StorageTeks Enterprise-Produkt »Streamline SL8500« lässt sich im Vollausbau mit 300.000 Cartridges und 2.048 Laufwerken bestücken. Mit SDLT600-Bändern sind 90 PByte möglich, mit LTO-3 120 PByte und mit T9940B-Tapes 60 PByte. Die hohen Kapazitäten erreichen die Hersteller durch die Aneinanderreihung so genannter Erweiterungsmodule an eine Basis-Library.

Bei einer so großen Anzahl von Tapes und Laufwerken kommt der Robotik eine gesteigerte Rolle zu. Geschwindigkeit, Präzision, Bandwechselzeiten, »Mean Time Before Failure«, »Mean Time To Repair«, »Mean Cycles Before Failure« sind die aussagekräftigen Kennzahlen des Systems.

Je größer die Library, je höher die Anforderungen an das Gerät, umso wichtiger ist eine Hochverfügbarkeit. Dabei spielt nicht nur die Zuverlässigkeit eine große Rolle, wichtig ist auch im Falle des Ausfalls einer Komponente, ob eine Redundanz vorhanden ist und innerhalb welches Zeitrahmens das Bauteil getauscht werden kann. Dieses Feature ist bei allen Highend-Produkten vorhanden.

Im Gegensatz zu Autoloadern sind Librarys flexibler, skalierbar und verfügen über bessere Management-Optionen. Unternehmen, die automatisierte Sicherung auf Band benötigen und mit weiter wachsenden Datenfluten rechnen, sind mit einer Bandbibliothek gut beraten.


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