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10.04.2017 (eh) Drucken
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Buchbesprechung: »Dark Web« legt das Darknet schonungslos offen

*** Blog von Engelbert Hörmannsdorfer, speicherguide.de-Redaktionsmitglied ***

Seien wir ehrlich: Hätte der Autor Veit Etzold eine Dokumentation über das Darknet geschrieben – sie hätte informativer nicht sein können. Aber – wäre sie dann auf der »Spiegel«-Bestsellerliste gelandet? Vermutlich nicht. Aber ein Techno-Thriller, der das Darknet zum Inhalt hat, der hat das Zeug dazu, und schaffte es auch.

Und so befasst sich »Dark Web« eben mit dem Darknet im Rahmen einer fiktiven Story. Anschaulich werden Organisationen und Geheimdienste beschrieben, die sich rund um das Darknet tummeln, und wie es entstanden ist. Da muss sogar ich konstatieren, der sich ebenfalls seit 30 Jahren im Internet – nicht im Darknet – tummelt: Da war verdammt viel Informatives und Wissenswertes dabei. Alleine diese Background-Infos sind eigentlich schon das Lesen wert.

Aber seit nun jedermann/frau weiß, dass man sich im Darknet Waffen, Rauschgift und Kinderpornos besorgen kann, rückt nun der Informationsbedarf darüber deutlich nach oben. Freilich ist es nicht nur ein Umschlagplatz für Gesetzlose. Denn Menschen, denen Privatsphäre hochheilig ist und die möglicherweise von einem repressiven politischen System verfolgt werden, können hier nun ebenfalls miteinander gefahrlos in Kontakt treten.

Vorsicht: Ein paar Handlungen des Buches könnten Sie um den Schlaf bringen

Das Buch las auch meine Partnerin. Sie fand auch das viele Internet-Know-how nebst der Thriller-Geschichte beeindruckend. Verstört bzw. teilweise sogar schockiert hat sie aber die Grausamkeiten, zu denen anscheinend Menschen fähig sind, wenn sie offensichtlich die Möglichkeiten haben, ihre perversen Gelüste ausleben zu können. Besonders die Geschichte vom, ich nenn ihn mal, Puppendoktor (Transformation) ist eigentlich eine Horror-Story für sich alleine – und brachte meiner Partnerin ein paar Nächte mit weniger Stunden Schlaf ein.

Aber hier zeigt sich eben auch der geniale Duktus des Autors: Sehr viel tägliche Internet-Realität mit einer spannenden Geschichte zu verquicken – sodass eine Art Realo-Thriller herauskommt. Gelegentlich weiß man nicht: was ist real, was ist Fiktion? Sicher ist wohl nur: Die Naivität unserer Behörden hinsichtlich Informationstechnik ist beeindruckend. Das aufzudecken, war wohl eine Nebenabsicht des Autors. Und damit dürfte er beim Normalleser – neben Nervenkitzel, wie es bei einem Thriller ja auch sein sollte – wohl auch erreichen, dass dieser nun sorgsamer mit seinen Daten umgeht. Und den ein oder anderen Klick nun bewusster macht – oder eben auch nicht mehr.

Fazit: Ein solcher Mega-Thriller mit über 550 Seiten hat natürlich ein inhärentes Manko: Am Anfang dauert es etwas, bis die vielen verschiedenen Handlungsstränge sowie Personen und Gruppen herausgearbeitet sind. Aber dann, wenn sich die ersten Handlungsstränge verweben, fesselt es Sie ungemein.

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