23.07.2014 (kfr)
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SSD muss zu den Anforderungen passen

  • Inhalt dieses Artikels
  • speicherguide.de-Leser lieben SSDs
  • Qualität und Performance
  • Enterprise- vs. Consumer-SSDs
  • Was zeichnet eine gute SSD aus?
  • Garantie und Lieferumfang

Noch sind vor allem SSDs mit 128 GByte im Einsatz, der Trend geht aber zu Kapazitäten ab 250 GByte und mehr. Vor allem im Business-Bereich sollte beim Kauf nicht nur der Preis als Indikator gelten, sondern auch die gebotene Leistung, der Lieferumfang und die Garantie. Mit Marktübersicht SSDs >500 GByte.

1-TByte-SSDs immer erschwinglicher.1-TByte-SSDs immer erschwinglicher.SSDs sind längst kein teures Vergnügen mehr. Ein 250-GByte-Laufwerk kostet heute nur noch etwas über 100 Euro. Bei Consumer-Produkten liegt der Preis pro GByte im Schnitt bei 50 Cent. Vor einem Jahr lag das Investment noch bei zirka 137 Euro. Im Mai 2010 mussten Anwender für ein 256-GByte-SSDs fast 600 Euro investieren. Für 128 GByte waren knapp 300 Euro fällig. Seit damals ist der Preis pro GByte von zum Teil über drei Euro auf durchschnittlich 50 Cent gefallen.

Samsungs 500-GByte-SSD »840 EVO« gehört ab 195 Euro, mit zu den günstigsten Drives seiner Klasse. Aber auch das TByte-Modell ist mit einem Internetpreis ab 349 Euro nicht mehr unerschwinglich.

speicherguide.de-Leser lieben SSDs

SSDs sind auf jeden Fall im Kommen. Dies ergab eine Umfrage unter den Lesern von speicherguide.de im Frühjahr 2014: 75 Prozent nutzen eine SSD in ihrem PC, Notebook sowie in mehreren Rechnern (21 Prozent). Ein Viertel der Befragten plant noch in diesem Jahr die Anschaffung einer SSD. Bei 26 Prozent der Leser sind vor allem 128-GByte-SSDs im Einsatz, gefolgt von Modellen bis 256 GByte (16 Prozent). Zusammengerechnet nutzen bereits 15 Prozent SSDs größer als 256 GByte.

Für die Mehrheit sind SSDs in Kombination mit einer internen Festplatte die Ideallösung. 14 Prozent setzen nur noch SSDs ein. Genau so viele bemängeln allerdings die geringe Kapazität. Insgesamt fünf Prozent hatten sich mehr versprochen und sind nicht zufrieden. Auf den ersten Blick überrascht, dass 30 Prozent offensichtlich keine konkrete Meinung haben. In der Praxis ist es allerdings so, dass der anfängliche Wow-Effekt relativ rasch verpufft, weil sich der Anwender an den Performance-Gewinn, gegenüber HDDs, schnell gewöhnt. Hier verhält es sich nicht anders, als mit einem neuen, leistungsfähigeren Rechner. In den ersten Tagen freut man sich noch, dass die Programme so schnell starten und im Vergleich zu vorher viel kürzere Wartezeiten auftreten. Irgendwann ist das dann aber der Normalzustand.

Qualität und Performance

Sun Spornraft, SamsungSun Spornraft, SamsungIm Vergleich zu Festplatten verfügen SSDs über keine beweglichen Teile und gelten daher als robuster, zuverlässiger und leise. SSDs werden nicht so heiß und benötigen weniger Kühlung. Was wiederum zu einem geringeren Energieverbrauch führt – speziell bei Notebooks ein großer Vorteil. Entscheidendes Kaufkriterium ist aber sicherlich die Geschwindigkeit. »Dabei sollte eine SSD nicht nur sequenzielle Spitzenwerte erreichen, sondern dauerhaft auf hohem Leistungsniveau arbeiten«, mahnt Sun Spornraft, Head of Product Management IT Storage bei Samsung Electronics. »Das setzt eine optimale Abstimmung zwischen Hardware und Software sowie eine hohe Qualität der eingebauten Komponenten voraus. Daher sollte man beim Kauf einer SSD in erster Linie auf die Qualität achten. Oft sind Garantiebedingungen ein guter Parameter und  auch Produkt-Tests sind gute Indikatoren.«

Enterprise- vs. Consumer-SSDs

OCZ Marketingmanagerin Marina Zec zufolge gilt es zwischen Consumer und Enterprise-Kunden unterscheiden: »Konsumenten-SSDs für den privaten Gebrauch sollen in erster Linie günstig zu erstehen sein. Mainstream-Anwender möchten sich nicht zwingend mit den erforderlichen Fachbegriffen auseinandersetzen, um das für sie optimale SSD-Laufwerk zu finden. Einfach gesagt: Der Preis muss passen. Die Beschleunigung ist bereits auf einem so hohen Niveau, dass die Unterschiede für einen Endkunden kaum fühlbar sind.«

Demgegenüber sei die Datenbe- und -verarbeitung in einem Rechenzentrum gegenüber der in einer privaten Endanwenderumgebung ein Unterschied wie Tag und Nacht. Zudem werden nicht nur die Daten unterschiedlich verarbeitet, sondern auch die Last steht in keinem Vergleich zueinander. »Besonders die Input/Output-Belastung kann bei Server-Anwendungen sehr hoch sein«, sagt Zec. »Die Hardware muss in der Lage sein, diese konstant, sicher und schnell zu handhaben. Um diese Art der Belastung bewältigen zu können, benötigt die Hardware eine andere Klasse von Komponenten, welche optimale Sicherheit garantieren können.« Allerdings müsse nicht nur die Hardware angepasst werden, wie zum Beispiel mit Overprovisioning oder sehr kurzen Latenzzeiten. Die Anpassung betreffe auch die Firmware-Programmierung, Kompatibilitätstests sowie Service-Support (SLA), für Enterprise-SSDs.

Beispiele für spezielle Enterprise-Merkmale sind »Power Failure Protection« und 256-Bit-Encryption. »Während die höhere Datenverschlüsselungsstufe für höchste Datenintegrität und -sicherheit steht, stellt die Power-Fail-Protection sicher, dass bei einem Stromausfall alle Datenschreibvorgänge abgeschlossen werden können, so dass keine wichtigen Informationen verloren gehen«, erklärt Zec.

Was zeichnet eine gute SSD aus?

Die SSD-Anbieter vertreten die These, dass Anwender noch mehr als bei Festplatten darauf achten sollten, dass die SSD zu den gewünschten Anforderungen passt. Letztendlich ist dies aber nur Marketing. Im Gaming-Umfeld benötigt der Nutzer schnelle Zugriffszeiten, da hilft eine SSD ungemein. Der User hätte sich aber sicherlich auch die schnellste Festplatte gegönnt. Ein Umfeld mit ständig auftretenden Vibrationen benötigt ein robustes Speichermedium. Hier würde man auch bei Festplatten ein spezielles Augenmerk darauf legen – SSDs reduzieren jedoch den sonst nötigen Aufwand.

Sumru Gerken, Ingram MicroSumru Gerken, Ingram Micro»Grundsätzlich sollte der Qualitätsanspruch gegenüber dem Preis im Vordergrund stehen, vor dem Kauf sollte jedoch eine genaue Analyse der Bedürfnisse des Anwenderprofils erfolgen«, rät Sumru Gerken, Business Group Manager Components bei Ingram Micro. Ein professionelles Umfeld benötigt professionelle Komponenten.

»Ein Low-End-Drive wird selbst im Einstiegsserver bei schreibintensiven Anwendungen nicht lange halten«, warnt OCZ-Managerin Zec. »Dort werden Enterprise-SSDs eingesetzt, die über spezielle NAND-Speicher und Enterprise-Controller verfügen. Wenn Flash-Speicher richtig eingesetzt werden, bieten sie eine sofortige Performance-Steigerung für unternehmenskritische Anwendungen in Rechenzentren, dank ihrer Fähigkeit eine IOPS-Rate zu liefern, wie Tausende von HDDs.« Anderenfalls bleibt viel Potenzial ungenutzt.

Garantie und Lieferumfang

Marktübersicht SSDs (MLC)Marktübersicht SSDs (MLC)Die Qualität und Zuverlässigkeit sieht man einem Produkt von außen nicht an. Hier helfen nur Erfahrungswerte. Ein sinnvoller Indikator ist generell auch die Garantielaufzeit. Die meisten Laufwerke werden momentan standardmäßig mit drei Jahren geliefert. Vereinzelt finden sich aber auch Modelle mit fünf Jahren.

Zu einem sinnvollen Lieferumfang gehören zudem Einbaumaterialien und eine Cloning-Software. Diese hilft vor Inbetriebnahme das Betriebssystem die vorhandenen Daten auf die SSD zu migrieren. Als kostenlosen Download bietet Samsung beispielsweise die »Data Migration«-Software an, mit der sich die Daten von der Festplatte auf die neue SSD in drei Schritten migrieren lassen sollen. Auf Acronis »True Image« setzen unter anderem A-Data, Kingston und Plextor.

Unsere Marktübersicht zu SATA-SSDs mit Kapazitäten ab 500 GByte finden Sie als PDF in der Ausgabe »Storage-Magazin 03/2014 – Storage für den Mittelstand« auf speicherguide.de.