21.12.2016 (Ariane Rüdiger) Drucken
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Kaminario punktet bei All-Flash mit Anwendungsoptimierung

Im kommenden Jahr will das israelisch-amerikanische Startup Kaminario seine Aktivitäten nach Deutschland ausweiten. Der Hersteller von All-Flash-Arrays versucht, mit ausgefeilten Analytik-Algorithmen, einer anwenderfreundlichen Benutzerschnittstelle und garantierter Kompressionsrate zu punkten. speicherguide.de hat das Unternehmen in Israel besucht.

24 Stunden online möchte Kaminario-Gründer und -CEO Dani Golan seine Produkte am liebsten sehen (Bild: Ariane Rüdiger)24 Stunden online möchte Kaminario-Gründer und -CEO Dani Golan seine Produkte am liebsten sehen (Bild: Ariane Rüdiger)Daten von Hochleistungsanwendungen mit jederzeitiger Verfügbarkeit sind das Feld, auf dem Kaminario sich bewähren will – man könnte diesen Sektor auch als Kern der All-Flash-Anwendung bezeichnen. Dazu kommen SaaS-Provider, von denen Kaminario heute rund die Hälfte seines Umsatzes holt. Sein gesamtes adressierbares Marktsegment schätzt das Unternehmen weltweit derzeit auf einen mittleren einstelligen Milliardenwert. Davon vereinnahmt der relative Neuling derzeit etwa 100 Millionen Dollar, es ist also noch Luft nach oben.

Im vergangenen Jahr habe man den Umsatz und die Mitarbeiterzahl verdoppelt, die Zahl der Kunden auf über 50 gesteigert und zahlreiche neue Partner gewonnen. Die nötige Geduld und Nervenstärke für das weitere Wachstum dürfte CEO Dani Golan auf jeden Fall mitbringen – er diente zuvor jahrelang als Pilot von Kampfjets in der israelischen Armee.

Kaminario garantiert Deduplikationsrate von 3:1

Blick ins Kaminario-Datacenter (Bild: Ariane Rüdiger)Blick ins Kaminario-Datacenter (Bild: Ariane Rüdiger)Kaminario offeriert seinen Kunden nutzbare Kapazität, und redet über die Rohkapazität seiner Boxen nicht gern. »Schließlich garantieren wir eine Deduplikationsrate von 3:1«, sagt Golan. Klappt es mal nicht, liefere man ohne Wenn und Aber die nötige zusätzliche Hardware, betont Parna Sarkar-Basu, Marketingchefin des Unternehmens. Angestrebt wird jedenfalls ein Preis von 1 Dollar pro GByte nutzbarer Kapazität nach Kompression.

Offiziell möchte Kaminario an die Börse. Doch scheint es genauso gut möglich, dass sich einer der größeren Infrastrukturplayer mit derzeit eher schwachem Storage-Portfolio den Neuling einverleibt. Besonders dringend müsste eigentlich Cisco sein Storage-Portfolio auffüllen, nachdem aus dem Kooperationspartner EMC durch den Dell-Merger im Serverbereich plötzlich ein schlagkräftiger Konkurrent geworden ist.

Aus dem Leader-Quadranten bei Gartner ist Kaminario inzwischen in den Visionärs-Bereich abgerutscht. »Das liegt aber nicht an der Technologie, sondern daran, dass Gartner nur noch riesige Firmen zu den Leadern zählt«, rechtfertigt sich CEO Golan.

Kaminario-Architektur skaliert in alle Richtungen

Aufbau der Kaminario-Lösung (Bild: Kaminario)Aufbau der Kaminario-Lösung (Bild: Kaminario)Denn technisch ist Kaminario durchaus interessant. CTO Shachar Fienblit geht davon aus, dass die nächste Speichergeneration von fünf Prinzipien beherrscht wird: »Rackscale-Ökonomie, unabhängige Skalierungsmöglichkeit für Rechenleistung und Speicher, dynamischer Umbau der Architektur je nach den Anforderungen, einfacher Stack, und intelligente Analytik.« Bisherige Systeme könnten höchstens in Teilbereichen punkten, nicht jedoch in allen. Leicht zu erraten, dass Kaminario genau das von sich behauptet.

Die eigene Architektur spiegelt diese Vorstellung wider. Der Hersteller liefert seinen Kunden beliebige Kombinationen aus Shelves und Rechenknoten, wobei heute ausschließlich mit x86-Prozessoren gerechnet wird. Atom sei als Prozessorbasis grundsätzlich möglich, aber noch nicht verfügbar. »Wir können deshalb Compute und Storage vollkommen unabhängig voneinander skalieren«, erläutert Fienblit. Diese Ressourcen lassen sich beliebig zu virtuellen Arrays koppeln und mittels einer speziellen Softwareschicht über APIs mit Storage-Mikroservices versorgen.

Liebäugelt Kaminario mit Hyperkonvergenz-System?

Startpunkt einer jeden K2-All-Flash-Konfiguration ist ein Single-K-Block-Array (Bild: Kaminario)Startpunkt einer jeden K2-All-Flash-Konfiguration ist ein Single-K-Block-Array (Bild: Kaminario)Da scheint der Weg zum hyperkonvergenten System nicht weit, schließlich sind Rechen- und Speicherressourcen schon vorhanden. Doch wollte sich der Hersteller im Interview mit der Presse diesbezüglich nicht aus dem Fenster lehnen. Man konzentriere sich zunächst lieber auf das, was man sich vorgenommen habe, nämlich Hochleistungs-Storage für kommerzielle Hochleistungsanwendungen und SaaS-Provider. Die Rechenknoten werden übrigens auch als reine Software ausgeliefert, wenn der Kunde es will.

Sobald die Technologien um die Fabric-Vernetzung von NVMe (NVMeF) besser entwickelt sind, denkt Kaminario auch darüber nach, aus den Speicherressourcen »Cluster of Clusters« zu bauen. Zudem könnte man so auch Bruchteile von Shelves adressieren. Bis dahin soll es aber noch ein bis zwei Jahre dauern.

Schon bald will Kaminario die Kapazität seiner Boxen verdoppeln und die Kompressionsrate um weitere 30 Prozent erhöhen. Fienblit: »Auf diesem Gebiet haben wir die Grenzen noch längst nicht erreicht.« Kaminario dedupliziert alle Daten konsequent inline. In seinen K2-Boxen stecken bereits 3D-NAND-SAS-SSDs. »Wir können sie verwenden, weil wir unsere eigenen geschützten Optimierungsalgorithmen für die SSD-Nutzung entwickelt haben«, erklärt Fienblit.

Nach potentiellen OEM-Deals gefragt, wollte sich CEO Golan nicht festlegen – dafür sei es zu früh. Allerdings klang diese Bemerkung durchaus so, als ob man nicht mehr lang auf entsprechende Vereinbarungen warten müsse.

All-Flash mit Web-Analytik inklusive

Shai Mesakit, technisches Marketing bei Kaminario, erklärt die Benutzerschnittstelle von Kaminario, die auf Analytik der Cloud-Lösung »Clarity« zurückgreift (Bild: Ariane Rüdiger)Shai Mesakit, technisches Marketing bei Kaminario, erklärt die Benutzerschnittstelle von Kaminario, die auf Analytik der Cloud-Lösung »Clarity« zurückgreift (Bild: Ariane Rüdiger)Dazu kommt eine einfache Benutzerschnittstelle, die Anwender weitestgehend von Verwaltungsaufgaben entlastet. Das Performance-Dashboard ermöglicht den Kunden, für die unterschiedlichen Anwendungen, die über das Gerät laufen, vordefinierte Service-Level (Gold/Silber/Bronze) auszuwählen, und darauf aufbauend weitere Optimierungen vorzunehmen. Zu den automatisierten Funktionen gehören auch Datenlayout und Tiering in nachgelagerten Speicherschichten, beispielsweise eine Cloud.

Bei der Einhaltung der von den Kunden gewünschten hohen Leistung und Verfügbarkeit helfen über die Cloud unter der Bezeichnung »Clarity« bereitgestellte Management-Services. Die Clarity-Analytik ermöglicht es auf Basis der Erfahrungen, die mit der regelmäßigen Sammlung unzähliger Betriebsdaten aus den weltweit verteilten Kaminario-Boxen gewonnen werden, die Leistungen bestimmter Business-Anwendungen genau zu vermessen – einschließlich der einzelnen Verzögerungskomponenten.

Jedes Kaminario-System liefert zu diesem Zweck alle zehn Minuten rund 20.000 Datenpunkte an die Kaminario-Analytik, erklärt Shai Mesakit, technisches Marketing von Kaminario, und betont gleichzeitig, dass es sich selbstverständlich ausschließlich um Metadatan handele. Beispiele sind die Blockgrößen, die Verzögerung, der Durchsatz und so weiter. Das Feature ist im Preis der Boxen bereits enthalten.

Darüber hinaus lässt sich dann mit applikationsspezifischen Einstellungen, die dem Nutzer vorgeschlagen werden, die Anwendungsleistung optimieren, so dass beispielsweise die Latenz besonders gering wird. Derzeit geht das bei Oracle-Datenbanken, 2017 sollen SQL Server und MySQL folgen. Kaminario nennt das Feature »App-aware QoS«.

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