01.10.2014 (Beate Herzog)
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Hybride Cloud bringt realistischen Nutzen

  • Inhalt dieses Artikels
  • Vorteile beider Welten nutzen
  • Entscheidungskriterien für hybride Cloud
  • Mobile Geräte verstärken den Trend
  • Von innen nach außen wachsen
  • Abteilungsübergreifende Planung
  • Hybride Cloud wird nun Realität

Für Unternehmen kristallisiert sich immer mehr die hybride Cloud als beste Wahl heraus, um die Vorteile der Cloud zu nutzen, aber Risiken zu minimieren. Dabei entwickelt sich eine solche Umgebung evolutionär aus bestehenden Infrastrukturen.

Hybride Cloud bringt Unternehmen einen realistischen Nutzen..Um Ressourcen optimal und verteilt zu nutzen, können Anwender seit mehreren Jahren auf Cloud-Konzepte zugreifen und diese umsetzen. Zur Verfügung standen zunächst die Private- und Public-Cloud. Mittlerweile zeichnet sich immer deutlicher ab, dass das Konzept einer Mischform – der Hybrid-Cloud – wohl ein guter und realistischer Kompromiss ist, der nützlich, effizient, flexibel und kostensparend sein kann.

Vorteile beider Welten nutzen

Als hybride Clouds bezeichnet man Mischformen von Public- und Private-Cloud. So laufen bestimmte Services bei öffentlichen Anbietern über das Internet, während datenschutzkritische Anwendungen und Daten im Unternehmen betrieben und verarbeitet werden. Die hybride Cloud vereint somit die Vorteile der Private Cloud mit der Flexibilität der Cloud-Dienste einer Public-Cloud.

Generell werden beim Cloud-Computing Hard- und Software-Ressourcen zu einem Pool abstrahiert und dann als Service einer Abteilung, Außenstellen oder dem gesamten Unternehmen bereitgestellt. Der Anwender muss sich nicht um Details wie Kapazitäten, Provisioning, Tiering oder Verwaltung kümmern. Er nutzt lediglich die Funktionalitäten, um seine Geschäftsprozesse umzusetzen. Dieses Modell ist flexibler und agiler als starre Hardware-Infrastrukturen. Innerhalb der Clouds können dann Dienste wie IaaS (Infrastructure as a Service), PaaS (Platforms as a Service) oder SaaS (Software as a Service) genutzt werden.

Mittels der hybriden Cloud lassen sich die Vorteile der privaten und der Public-Cloud verbinden. Dienste, die über die Public-Cloud realisiert werden, bedürfen keiner zusätzlicher Hardware und damit verbundenen Kosten. Darüber hinaus lassen sich Erweiterungen bei Belastungsspitzen – sei es für Speicherkapazität oder Performance – zügig über den Service Provider realisieren. Das macht Geschäftsabläufe flexibler und agiler. Projekte dieser Art innerhalb des Unternehmens würden mehr Zeit, Kosten und Personal in Anspruch nehmen. Anwendungen, die unternehmens- und datenschutzkritische Daten umfassen, sind besser in privaten Cloud-Umgebungen aufgehoben, da der IT-Manager dann die volle Kontrolle über diese Infrastruktur, deren Zugriffe und die hinterlegten Informationen behält.

Eine hybride Cloud gewährleistet so eine effiziente Kombination aus dem traditionellen Rechenzentrum und den skalierbaren Cloud-Diensten einer Public Cloud und ermöglicht somit flexiblere Geschäftsanwendungen durch Reduktion der Komplexität. Darüber hinaus werden bestehende Systeme optimal ausgenutzt und durch den Mix ergeben sich generell eine höhere Performance, Verfügbarkeit und Sicherheit durch mehr Transparenz.

Entscheidungskriterien für hybride Cloud

Obwohl viele IT-Projekte heute größtenteils vom Budget bestimmt werden, so gehören doch mehr Entscheidungskriterien zu einem Hybride-Cloud-Konzept. Eine Kostenaufstellung kann natürlich helfen, die aktuellen Kostentreiber innerhalb des Unternehmens zu identifizieren und zu entscheiden, ob sich einige dieser Services nicht auslagern und aus der Public Cloud heraus nutzen lassen.

Darüber hinaus spielen die Anwendungen und Daten bzw. deren Klassifizierung eine wichtige Rolle. Dazu muss der IT-Verantwortliche festlegen, welche Informationen aufgrund von Compliance-Vorgaben an das Unternehmen gebunden sind und in keinem Fall nach außen gegeben werden dürfen. Aber auch bei weniger kritischen Daten gilt es zu entscheiden, ob eine On-Premise-Lösung besser ist als ein Public-Cloud-Angebot. Dazu gehören Informationen, die beispielsweise für eine Recovery schnellst möglich zur Verfügung stehen müssen und nicht unbedingt an Provider gegeben werden lassen. Dies kann aber auch für den externen Provider sprechen. Will der IT-Administrator für einen Totalausfall seiner wichtigsten Infrastruktur vorbereitet sein, ohne dabei ein Zweit-Rechenzentrum installieren zu müssen, so kann er die für einen zügigen Neustart benötigten Daten über einen Cloud-Backup-Service sichern und mit entsprechenden SLAs für ein Recovery versehen lassen. Das gibt eine hohe Redundanz, die im Notfall geschäftsentscheidend sein kann.

Letztlich ist die Balance zwischen externen und internen Services ein Spiegel der Daten- bzw. Anwendungsverteilung. Oft bestehen erste Hybrid-Cloud-Modelle aus internen Datenbank- und Analyse-Diensten gemischt mit externen Backup/Recovery- oder Kollaborationsplattformen.

Einer der wichtigsten Entscheidungskriterien ist vor allem die Verfügbarkeit, denn insbesondere wenn der externe Service ausfallen sollte, müssen Notfallszenarien vorhanden und belastbar sein. Und nicht zuletzt müssen sich externe wie interne Dienste zentral und einfach verwalten lassen, so dass das Management ebenso zu den Entscheidungskriterien gehört.

Mobile Geräte verstärken den Trend

Nicht zuletzt zwingt auch der Bring Your Own Device-Trend (BYOD) die IT-Manager zum Umdenken bei der eigenen IT. Tablets, Smartphones, Laptops: nicht alle heute eingesetzten Mobilgeräte unterstehen der völligen Kontrolle der Unternehmen. Administratoren müssen neue Konzepte einrichten, die diese Geräte in die internen Geschäftsprozesse und die Datensicherung integriert. Zudem nimmt die Zahl der Mitarbeiter zu, die ausschließlich über diesen Weg arbeiten und nicht in der Firma Zugriff auf interne Anwendungen haben. Gerade in diesem Szenario kann eine hybride Cloud dafür sorgen, dass die Produktivität von Außendienst- und Home-Office-Mitarbeitern unterstützt und verbessert wird.

In solchen Situationen spielt Sicherheit erst recht eine große Rolle. Viele IT-Verantwortliche setzen hier beispielsweise auf VPN-Verbindungen, sei es vom Mitarbeiter zum Service oder der Firma selbst oder von der Firma zum Service Provider. Mit einer hybriden Cloud erhält das Unternehmen nun die nötige Flexibilität externe agierende Mitarbeiter in vollem Umfang in alle Arbeitsabläufe einzubinden und kann dann im Umkehrschluss auch flexiblere Arbeitswelten anbieten, was für den Arbeitsmarkt der Zukunft sicher ein entscheidend sein wird.

Von innen nach außen wachsen

Nur wenige Unternehmen können es sich leisten, sofort und quasi auf der grünen Wiese ein Hybride-Cloud-Projekt umzusetzen. Vielmehr entwickeln sich diese Konzepte Schritt für Schritt aus der bestehenden Infrastruktur heraus.

So kann in einem ersten Schritt mittels Virtualisierung und Software-definiertem Speicher und Netzwerk (DSD, SDN) die interne Infrastruktur konsolidiert, funktionaler gestaltet und als interner Service – also als private Cloud – zur Verfügung gestellt werden. Darauf aufbauend kann dann mithilfe zugekaufter Dienste eine hybride Cloud entstehen. So lassen sich in einem ersten Schritt Backup-Clouds schaffen, Cloud-Laufwerke für externe Mitarbeiter bereitstellen oder Kollaborationsplattformen für unterschiedliche Abteilungen aufsetzen und entsprechend abrechnen.

Abteilungsübergreifende Planung

Allerdings erfordern hybride Clouds eine umfassendere Planung als beispielsweise reine Storage-oder Datenbank-Projekte. Nicht der IT-Manager trifft die einsame Entscheidung über das Für und Wider einer hybride Cloud-Installation. Vielmehr muss hier abteilungs- und unternehmensübergreifend beschlossen werden, was sinnvoll für einzelne Geschäftszeige und -prozesse ist.

Die einzelnen Abteilungen müssen zum Beispiel darlegen, welche Anwendungen für sie wichtig, welche Daten kritisch sowie wie viele Mitarbeiter mit mobilen Geräten ausgestattet sind. Mit allen gebündelten Informationen und Anforderungen lässt sich dann eine entsprechende Entscheidung treffen und ein Konzept aufsetzen. Letztlich müssen CEO, CIO und CFO gemeinsam zu einer Einigung im Sinne des Unternehmens kommen, denn dann ist garantiert, dass nicht einseitig gehandelt wird. Das schützt vor einer Entscheidung rein aus technischer oder finanzieller Sicht und kann Hürden wie Performance-Engpässe oder fehlende Services verhindern.

Hybride Cloud wird nun Realität

Laut IDC planen 54 Prozent der befragten Unternehmen eine hybride Cloud in den nächsten zwei Jahren einzusetzen (Grafik: IDC).Laut IDC planen 54 Prozent der befragten Unternehmen eine hybride Cloud in den nächsten zwei Jahren einzusetzen (Grafik: IDC).Eine Studie des IDC vom September 2014 zeigt, dass hybride Clouds mittlerweile Realität in deutschen Unternehmen werden. So nutzen bereits 15 Prozent der befragten 200 IT-Unternehmen eine hybride Cloud; weitere 54 Prozent planen eine solche innerhalb der nächsten zwölf bis 24 Monate umzusetzen. Lediglich 31 Prozent denken nicht in diese Richtung bzw. sind unentschlossen.

Zwar ist die IT-Sicherheit derzeit noch die größte Sorge der Firmen, aber der Bedarf an Kostenreduzierung und agiler Geschäftsprozessunterstützung bestärken den Trend zu Cloud-Lösungen. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren die Cloud-Angebote nicht nur vervielfacht, sondern auch technisch gefestigt und etabliert, so dass auch traditionelle Märkte wie der deutsche mehr Akzeptanz zeigen. Im Allgemeinen sehen die IT-Verantwortlichen die größten Vorteile in schnelleren Geschäftsabläufen (40 Prozent) und einer kürzeren Reaktionszeit auf neue Anforderungen des Managements (37 Prozent) und somit eine agilere Handhabung bestehender und künftiger IT-Anforderungen. Für über ein Drittel der IT-Entscheider ist zudem die Sicherheit und Kontrolle über die Daten ein wichtiger Grund für hybride Cloud-Umgebungen.

Die Studie belegt das, was sich in den letzten Jahren durch die Weiterentwicklung von privaten und Public-Clouds beständig abgezeichnet hat: realistische Flexibilität, Kontrolle über Anwendungen und Daten sowie Kosteneffizienz lässt sich durch wohldurchdachte hybride Konzepte erreichen.

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