11.01.2013 (Doc Storage) Drucken
(3.8 von 5, 12 Bewertungen)

Archiv mit 4.000 DVDs auf Disk überspielen

Leserfrage: Vor kurzem wurde die Frage gestellt, wie und ob sich ein Festplatten-Archiv sinnvoll auf ein RAID übertragen lässt. Bei mir ist es so, dass ich ein Archiv mit fast 4.000 DVDs pflege. Das entspricht in etwa 18 TByte. Vor allem aus Platzgründen entsteht nun langsam der Wunsch, dieses aufzulösen und auf ein RAID umzusteigen. Das Datenwachstum liegt jährlich bei nicht ganz einem TByte. Die erste Idee war ein 8-Bay-Gehäuse mit 3-TByte-Laufwerken (SATA) zu bestücken. Das wären brutto 24 TByte. Wie viel ist das netto und wie lange komme ich damit aus? Und wie lange lassen sich handelsübliche SATA-Platten heute im Schnitt betreiben, bevor man sie austauschen sollte? Nun erscheint es sinnvoll RAID 6 einzusetzen, oder? In wie weit verändern sich dann die Werte? Sollte ein Laufwerk ausfallen, wie lange dauert es, bis eine neue Festplatte wieder eingebunden ist?

Antwort Doc Storage:

Das Verhältnis von physikalischem zu nutzbarem Speicherplatz in Arrays hängt von der Art des Schutzes, also von der RAID-Stufe ab. Nutzen Sie RAID 1, den so genannten Mirror, halbiert sich der Speicherplatz auf zwölf TByte, weil die Daten unabhängig jeweils auf zwei Laufwerke geschrieben werden. Entscheiden Sie sich für RAID 5, kommt es auf die Größe der RAID-Gruppen an. Bei acht Platteneinschüben könnten Sie entweder zwei Gruppen zu vier Laufwerken oder eine Gruppe zu acht Laufwerken einrichten. In jeder Gruppe werden Paritätsinformationen in der Größe eines physikalischen Laufwerkes abgelegt – dieser Platz kann also nicht für eigene Daten genutzt werden. In einer Vierergruppe blieben so drei, in einer Achtergruppe sieben Laufwerke übrig, in ihrem Fall also 18 bzw. 21 TByte Speicherplatz.

Bei derart großen Laufwerken empfiehlt sich allerdings die Einrichtung einer RAID-6-Gruppe. Bei RAID 6 werden die Daten durch zwei Paritätsinformationen geschützt, so dass zwei Laufwerke in der Gruppe ausfallen können, ohne Daten zu verlieren. Hiermit blieben Ihnen noch 18 TByte Speicherplatz.

Da Sie jetzt schon über 18 TByte Daten verfügen, würde ich also die Anschaffung eines etwas größeren Arrays mit zwölf oder 16 Einschüben in Betracht ziehen. Hier hätten Sie bei der Nutzung von RAID 6 (2 x 4+2 oder 2 x 6+2 Laufwerke) also 24 oder gar 36 TByte nutzbaren Speicherplatz.

Bei einem Datenwachstum von rund einem TByte pro Jahr, hätten Sie mit der 24-TByte-Konfiguration Luft für fünf bis sechs Jahre. Um eine volle 3-TByte-Platte wieder in eine RAID-Gruppe einzubinden, benötigen RAID-5-Controller im Schnitt 36 bis 40 Stunden. Mit einem RAID-6-Controller dauert es wegen der etwas höheren Lese- und Schreibbelastung 40 bis 45 Stunden.

Allerdings können Sie während der gesamten Zeit auf Ihre Daten zugreifen, so dass dieser Prozess für Sie als Nutzer im Hintergrund abläuft. Heutige SATA-Platten sind mit 500.000 bis 700.000 Betriebsstunden genauso zuverlässig wie SAS- oder FC-Platten. Die Zeiten, da man diesen Plattentyp praktisch im Revolververfahren tauschen musste, sind gottlob lange vorbei.

Gruß
Doc Storage

Stellen Sie Ihre Frage
Doc. tec. Storage beantwortet alle Ihre technischen Fragen zu Storage, Backup & Co.

Stellen Sie Ihre Frage an: DocStorage@speicherguide.de
Kommentare (2)
14.01.2013 - gs

Wie robust sind die SoHO NAS von Synology, QNAP, etc. bei Stromausfall?
Sollte man hier auch gleich eine USV in Erwägung ziehen? Wenn ja, wie sollte diese Dimensioniert sein?
Wieviel Strom verbraucht eine USV eigentlich?

11.01.2013 - Gast

Ein Argument, dass mir noch fehlt.
Wenn jemand 4000 DVDs hat dann braucht der keinen sofortigen Zugriff auf die Daten sondern die sind nur archiviert. Damit ergibt sich genau die gleiche Frage schon letztens.
Und wie lange dauert es 4000 DVDs einzuspielen ca. 1 Mannjahr?


Mehr von Doc. tec. Storage 03.11.2017 Was ist eine bimodale IT?

Mit einer bimodalen IT sollen sich Projekte schneller entwickeln lassen. Geprägt hat den Begriff wohl Gartner. Was steckt dahinter und lohnt es überhaupt, sich damit zu beschäftigen? Doc Storage hat dazu eine klare Meinung.

27.10.2017 Was versteht man unter Multi-Cloud?

Nach der Private-, Public- und Hybrid-Cloud taucht nun die Multi-Cloud auf. Was sind die Unterschiede? Müssen wir uns damit überhaupt befassen? Wenn ja, warum, worauf gilt es zu achten? Wenn nein, warum nicht?

20.10.2017 High-Capacity-HDDs und RAID-Rebuild

Kürzlich wurde eine 14-TByte-Festplatte vorgestellt. Viele der High-Capacity-HDDs (+10 TByte) werden in »normalen« Disk-Subsystemen zum Einsatz kommen. Müssen wir bei einem Ausafall die Rebuild-Dauer dann in Wochen messen?

29.09.2017 Verlängert ein schonender Schreibzyklus die HDD-Lebensdauer?

Eine ältere Festplatte läuft im 24x7-Betrieb in einem Videoüberwachungssystem und schreibt sich alle zwei Tage voll. Frage: Wie lässt sich die Lebensdauer der HDD verlängern? Kann man den Schreibzyklus etwas einstellen oder die Buffer-Größe entsprechend verändern?

08.09.2017 Lebenszyklus: Neuanschaffung oder Wartungsvertrag verlängern?

Läuft der Wartungsvertrag aus, stellt sich die Frage, diesen verlängern oder ein neues Storage-System anschaffen? Abhängig von der Betriebszeit spricht meist wenig für das Bestandssystem.

25.08.2017 Kann Ransomware Backup-Daten angreifen?

Immer häufiger hört man, dass Daten-Geiselnehmer es nun auch auf Backup-Daten abgesehen haben und über neue Malware-Versionen verfügen, die Backups attackieren. Wie gefährlich sind diese Ransomware-Varianten und wie kann man sich davor schützen?

powered by
TIM AG TIM DCP
N-TEC GmbH Unitrends
Fujitsu Technology Solutions GmbH Datacore Software