21.07.2015 (Ariane Rüdiger) Drucken
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Enterprise-Speicher für große Datenmassen

Um von Anwendungen wie Big Data Analytics oder IoT zu profitieren, müssen große Datenmassen verarbeitet werden. Unternehmen benötigen dafür aber Technologien, die bisher nur im HPC-Umfeld eingesetzt wurden. Die bisher im Forschungsumfeld aktive DDN tritt mit seinen Enterprise-Speichern zunehmend in Konkurrenz zu Platzhirschen wie EMC und Netapp.

Wolfcreek kommt mit vier (Appliance) respektive 12 Rack-HE (Software-Lösung auf Intel-Standardsystemen) aus (Bild: DDN).Wolfcreek kommt mit vier (Appliance) respektive 12 Rack-HE aus (Bild: DDN).»Unternehmen nutzen heute dieselbe Technologie, die wir früher nur bei der öffentlichen Hand und in der Forschung gesehen haben«, sagt Alex Bouzari, Chairman und CEO von DDN (DataDirect Network), einem der wenigen größeren Speicherfirmen in privaten Händen. Das führe dazu, dass DDN-Systeme, lange vor allem in Universitätsrechenzentren und ähnlichen Umgebungen zu finden, zunehmend auch im Umfeld des Hochfrequenz-Börsenhandels, bei Ökexplorateuren, in Medienunternehmen oder bei Genom-Sequenzierern zum Einsatz kommen. Kurz, überall, wo schnell massenweise Daten verarbeitet werden müssen. Damit gerate man zunehmend in Konkurrenz zu den Marktführern im Unternehmensbereich wie EMC und NetApp.

In Deutschland ist die Firma, die 600 Mitarbeiter beschäftigt, und rund 300 Millionen Dollar jährlich umsetzt, durch eine Niederlassung in Düsseldorf vertreten. Hier führt der Hersteller auch Tests und Benchmarking durch.

»Unternehmen nutzen heute dieselbe Technologie wie Forschungseinrichtungen«, Alex Bouzari, Chairman und CEO, DDN (Bild: Ariane Rüdiger)»Unternehmen nutzen heute dieselbe Technologie wie Forschungseinrichtungen«, Alex Bouzari, Chairman und CEO, DDN (Bild: Ariane Rüdiger).DDN beliefert schon seit einigen Jahren nicht nur Behörden und Forschungseinrichtungen. Zu den Kunden gehören beispielsweise Microsoft oder das Medienunternehmen Comcast. Der Hersteller richtet sein Portfolio nunmehr immer stärker auf diese Klientel aus. Hier werde einfach mehr investiert als in der Forschung, wo die Budgets notorisch knapp seien, ist unter der Hand zu hören. DDN-Chef Bouzari geht davon aus, dass die meisten Anwendungen innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahren neu entwickelt werden, und zwar in Hinblick auf eine zunehmend mobile Endgerätewelt, die über 5G-Netze auf die Datenspeicher zugreift.

DDN habe in den letzten Jahren massiv in die Software-Entwicklung investiert. Infrastrukturell zeige es sich nämlich, dass die Prozessoren immer näher an die Speicher heranrückten, erklärt Bouzari, so dass im Endeffekt die die Speicher überlagernde Serverschicht gänzlich überflüssig werde. Dann, so könnte man schließen, könnte der Speicherhersteller die gesamte Infrastruktur für die Datenverarbeitung liefern. Nichts anderes hat DDN vor.

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Wolfcreek: 100.000 VMs in einer Box

Das belegt »Wolfcreek«, eine hyperkonvergente Plattform für datenintensive Anwendungen, die DDN im Herbst auf den Markt bringen will. »Das ist eine langfristige, strategische Entscheidung«, betont Marketingchefin Molly Reckter hinsichtlich dieses Markteinstiegs in bisher fremde Gefilde. In ihrer Leistung soll die neue Plattform existierende Produkte weit übertreffen. Für Wolfcreek macht sich DDN die Erfahrungen und Technologien, die beispielsweise in seinen Highend-Speicher-Controllern stecken, zunutze.

Die Hyperconverged-Systeme auf Standard-Intel-Basis, die es als Appliance, aber auch als reine Software-Lösung geben wird, versprechen einen Durchsatz von bis zu 60 GByte/s und eine Leistung von bis zu fünf Millionen IOPS (Ein-/Ausgabeoperationen pro Sekunde). Dabei bezieht sich DDN auf 4K-Datenblöcke. Offizielle Benchmarks fehlen allerdings noch.

Die Wolfcreek-Appliance benötigt nur vier Höheneinheiten. Sie hat eine Cache-Infrastruktur aus bis zu 48 NVMe-Devices, die über eine PCI3-3.0-Matrix miteinander verbunden sind. Die Massenspeicher stecken in 72 Slots im 2,5-Zoll-Format. Sie sind jeweils mit zweimal 12 Gbit/s SAS angebunden und fassen wahlweise 6- oder 8-TByte-SAS-Platten oder aber 115 TByte fassende SSDs, die DDN selbst entwickelt hat. An andere Systeme wird Wolfcreek über 48 10-Gbit/s- und zehn 40-Gbit/s-Verbindungen angebunden. Die Lösung soll es in verschiedenen anwendungsspezifischen Formaten geben, in die Anwendungen wie die gängigen Hypervisoren oder aber Hadoop eingebettet sind. Angeblich passen mehr als 100.000 virtuelle Maschinen auf eine solche Box. Das Ganze gibt es auch als reine Software für Intel-Systeme.

Filesysteme 100fach beschleunigen

Aber auch hinsichtlich der übrigen DDN-Produkte bleibt die Welt nicht stehen. Sie werden in der Leistung erheblich angehoben und zudem mit Features für die Unternehmenswelt ausgerüstet, etwa Redundanz, Disaster-Recovery, Verschlüsselung oder Schnittstellen, wie sie Unternehmen verwenden. Zudem bietet DDN seinen Unternehmenskunden Beratung, Implementierungsunterstützung und Support. »Anders als in der Forschung ist das einfach unverzichtbar«, sagt Bouzari.

Neben der Wolfcreek-Plattform hat DDN 2015 noch weitere Neuerungen im Programm: Der applikationssensible Beschleuniger IME soll Ein-/Ausgabevorgänge mit Hilfe hochdiffiziler Caching-Algorithmen bis zu 1.000mal schneller machen und Dateisysteme hundertfach beschleunigen.

Der Objektspeicher »WOS 360«, seit 30. Juni in Version 2.0 angekündigt, speichert nunmehr 768 TByte Rohkapazität in vier Höheneinheiten (4U). Sie stecken in 96 8-TByte-SATA-Laufwerken. Das Gerät verbraucht 20 Prozent weniger Platz und hat Zugriffszeiten von unter 100 Millisekunden. Integriert sind Mechanismen, die Datenintegrität garantieren und SSL-gesicherte Verbindungen von Ende zu Ende. Für ersteres wurden die Erasure-Coding-Mechanismen verbessert. Erasure Coding bezeichnet Verfahren, bei denen Daten segmentiert und auf mehrere Speichersysteme oder auch Rechenzentren verteilt werden, um Verluste zu vermeiden. Der damit verbundene Overhead wurde bei WOS 2.0 durch die Verwendung von zwei Hierarchieebenen bei der Codierung von 1,88 auf 1,5 verringert. Durch die Mechanismen würden weder der Ausfall einzelner Speicherknoten noch der mehrerer Laufwerke oder Sites Betriebsunterbrechungen, Netzwerküberlastungen oder Datenverluste auslösen, betont DDN.

Openstack-Unterstützung und hohe Skalierbarkeit

Um »OpenStack«-Umgebungen zu unterstützen, kann jetzt auch über S3 und Swift auf das Speichersystem zugegriffen werden. Die Schnittstelle wird je nach Kundenwunsch entweder ins System integriert oder für die Implementierung auf den Servern des Kunden geliefert. 5.000 Anwender können gleichzeitig auf das System zugreifen. Jeder Namespace darf aus Software-Gründen nur fünf Millarden Objekte umfassen, das System selbst hat aber Platz für bis zu acht Milliarden Objekte. Für Anbindung ans Netz sorgen zwei 10-GBit/s-Ports. Als Hauptanwendungsfeld sieht DDN die kostengünstige Archivierung unstrukturierter Daten.

Rechtzeitig zur Supercomputing-Konferenz hat DDN auch ein neues Modell seiner »Exascaler«-Produkte für Lustre-Umgebungen auf den Markt gebracht. ES7K bringt laut DDN die dreifache Leistung bisheriger Modelle und skaliert unterbrechungsfrei bis in den PByte-Bereich. Konfiguration, Implementierung und Bereitstellung wurden vereinfacht.