28.04.2011 (ubr) Drucken
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2,5-Zoll-Disk-Subsysteme: Der schleichende Wandel

Die Zukunft muss noch warten: 2,5-Zoll-Platten etablieren sich nur schwer in Disk-Arrays. Noch mangelt es an hohen Kapazitäten und Lebenszyklen zu bezahlbaren Preisen. Wer hohe I/O-Leistungen benötigt, muss mehr Disks einsetzen, was wiederum dem Energie- und Platzvorteil entgegenwirkt. Besserung ist aber in Sicht.

Glaubte man dem Marketing der einschlägigen Hersteller, so sollten die kleinen Kameraden der angestammten 3,5-Zoll-Festplatten schon im letzten Jahr den Kampf um den Markt der Speichersubsysteme für sich entschieden haben. Dieser Plan der schnellen Revolution ging nicht auf (speicherguide.de berichtete).

Seagate »Momentus«
Seagate »Momentus«
Dennoch halten sie erst allmählich Einzug in dieses Segment. Wie häufig zuvor haben die großen Hersteller wie Hitachi Data Systems (HDS), Hewlett-Packard (HP) und IBM den Schritt zuerst gewagt, EMC legte mit seiner Midrange-Baureihe erst etwas später nach. All diese Systeme werden nun auch mit 2,5-Zoll-Datenträgern angeboten, die mit der 6-Gbit/s-SAS-Schnittstelle ausgerüstet sind. Allerdings wagt es bislang nur HP, seinen Kunden ausschließlich die kleinen Platten in die Preisliste zu schreiben.

Bestehende Plattenvielfalt sinnvoll und nützlich

Dabei macht die Auswahl zwischen 2,5- und 3,5-Zoll-Festplatten momentan durchaus noch Sinn. Während die kleineren Platten mit vergleichsweise günstigeren Werten für Leistungsaufnahme und Wärmeabgabe glänzen können und mit besserer Widerstandsfähigkeit brillieren, reichen sie ihren größeren Brüdern in puncto Leistungsfähigkeit noch nicht das Wasser. Der Speicherplatz an sich ist ebenfalls noch ein kleiner Wermutstropfen.

WD »VelociRaptor«
WD »VelociRaptor«
Konkret geht es darum, dass die 2,5-Zöller selbst mit 15.000 U/min nach unseren Tests momentan lediglich etwa zwei Drittel der I/Os leisten, die die größeren Modelle zu liefern in der Lage sind. Allerdings werden derzeit ohnehin meist nur 2,5-Zoll-Medien mit 10.000 U/min eingesetzt. Wer sich also keine Flash-Laufwerke leisten kann oder will, der muss beim Einsatz von 2,5-Zoll-Platten für die gleiche Leistung ein Drittel bis zur Hälfte mehr Laufwerke im Vergleich zu einer 3,5-Zoll-Konfiguration einplanen. Und damit egalisiert sich auch der Vorteil beim Stromverbrauch, der Wärmeabgabe, dem Gewicht und dem Platzbedarf wieder. Auch für Kapazitätskonfigurationen sind die kleineren Platten noch nicht geeignet. Momentan sind Datenträger mit bis zu 900 GByte Speicherplatz in Masse verfügbar, bei den 3,5-Zoll-Laufwerken bis zu drei TByte, also glatt das Fünffache.

Für die Ausstattung eines Speichersystems mit mehreren Speicherklassen, wie beispielsweise Hochleistung, mittlere Leistung und Hochkapazität, benötigt der Anwender momentan also noch beide Formate. Nur in punkto Zugriffszeiten hat die kleine Platte einen klaren Vorteil.

Der Wechsel kommt in jedem Fall

Hitachi GST »Ultrastar«
Hitachi GST »Ultrastar«
Aber die Hersteller der kleineren Medien haben Besserung gelobt. Bis zum Ende dieses Jahres sollen die schnellen 15.000-U/min-Platten dieselbe I/O-Leistung erzielen können wie die Medien mit 15.000 U/min im größeren Format, die hochkapazitiven Modelle wird es dann mit einem TByte und mehr Speicherplatz geben. Erst dann werden die Nutzer die Vorteile von niedrigerem Verbrauch, geringerer Wärmeabgabe sowie weniger Platzbedarf und Gewicht voll ausnutzen können. Hybrid-Lösungen wären sicher auch denkbar, sind aber wenig sinnvoll, da man die eigentlichen Vorteile der kleinen Laufwerke wieder einbüßt oder eben nur eingeschränkt nutzen kann. Der Wechsel wird kommen, nicht zuletzt auch deswegen, weil mit höheren Speicherdichten bei kleinerem Platzbedarf auch wieder ein Teil des Rechenzentrums konsolidiert werden kann.

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