11.12.2015 (Doc Storage)
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Ist Tiering wirklich sinnvoll?

Leserfrage: Daten-Tiering soll helfen, die Workloads so auf Medien zu verteilen, dass diese optimal genutzt und die Anwendungen bedarfsgerecht bedient werden. Allerdings beansprucht ein Tiering auch die Medien an sich. Ist Tiering wirklich so sinnvoll, gerade wenn es um ein Tiering innerhalb verschiedener Flash-Medien geht wie es von Dell propagiert wird? Lohnt sich das, oder hat es letztlich Auswirkungen auf die Lebensdauer des Mediums?

Antwort Doc Storage:

Wie wir in der letzten Woche bereits beleuchtet haben, hat sich der Sinn von Tiering in Speichersystemen deutlich gewandelt. Früher sollten nicht so oft angefasste Daten automatisch in preiswertere Regionen, also auf (langsamer) rotierende Platten verlagert werden. Damit ließen sich, je nach Anzahl der verwendeten Datenträger, zwei oder gar drei unterschiedliche Speicherarten innerhalb eines Systems darstellen, meist SSDs, 10/15k- und SATA-Laufwerke. Der positive Effekt lag hier darauf, die leistungsfähigste, aber teuerste Speicherklasse für hochtransaktionelle Daten bereitzuhalten, während weniger anspruchsvolle Inhalte auf rotierenden Platten untergebracht wurden.

Heute geht es nicht mehr darum, den Preis über die Physik des Mediums, also entweder Festspeicher oder rotierende Platten zu definieren. Heute geht es vielmehr darum, Daten mit vielen Schreibvorgängen haltbarere Medien bereitzustellen. Das heißt, solche, die mehr Änderungen pro Zelle vertragen, bis diese nicht mehr brauchbar ist. SLC-Medien sind hier am besten geeignet, stellen sie doch die meisten (theoretischen) Schreibvorgänge pro Zelle bereit. MLC- und neuerdings TLC-Medien verkraften dagegen deutlich weniger Schreibvorgänge. Andererseits sind SLCs wesentlich teurer als MLCs oder gar TLCs. Aus dieser neuen Perspektive, also das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr über die Geschwindigkeit, sondern die Haltbarkeit der Medien zu definieren, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf die hieraus neu ausgelegten Tiering-Angebote, denn – um Ihre Frage zu beantworten – ja, dies hat letztendlich nicht nur Auswirkungen auf die Lebensdauer der Medien, sondern orientiert sich vielmehr an dieser.

Gruß
Doc Storage

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