29.05.2014 (kfr)
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Consumer-NAS: Entwicklung & Kaufkriterien 2014

Im Heimbereich kommen Netzwerkspeicher nicht mehr nur bei fortgeschrittenen Anwendern zum Einsatz. Die verstärkte Nutzung mobiler Geräte schafft zunehmen Bedarf für zentrale Datenspeicher. Die Lösung sind kompakte Desktop-NAS-Systeme die für das Consumer-Umfeld und SoHo's mit hoher Kapazität und umfangreichen Funktionsumfang angeboten werden.

4-Bay-NAS-Systeme liegen bei Consumern und SoHo's im Trend4-Bay-NAS-Systeme liegen bei Consumern und SoHo's im TrendIm Komponenten- und Nachrüstmarkt gehören NAS-Systeme zu den Aktivposten. Der ambitionierte Heimanwender setzt längst nicht mehr nur auf externe Festplatten. Netzwerkspeicher sind Zuhause, in SoHo's und kleinen Büros längst hoffähig geworden. Ende 2011 hatte Aldi mit einer NAS-Platte dem Segment einen entscheidenden Impuls gegeben. Das Angebot war damals zwar preislich attraktiv, die Bedienung durchaus als einfach zu bezeichnen, doch für den unbedarfte Anwender war noch Luft nach oben und die Geschwindigkeit eher unterdurchschnittlich. In den letzten drei Jahren hat sich viel getan.

Der Anwender hat quasi die Qual der Wahl. Weit über 20 Hersteller ringen um die Gunst der Kundschaft und dies nicht mehr nur mit einigen wenigen Geräten. »Wir bieten ein komplettes Portfolio an«, erklärt Jasbir Singh Sidhu, General Manager bei Western Digital, im Rahmen eines Pressebriefings. Das Angebot beginnt bei Einsteigersystemen mit einer und zwei Festplatten und möglichst einfacher Bedienung. Anspruchsvolle Heimnutzer – WD spricht hier von Prosumern – erwarten Geräte mit mehr Funktionalität und bis zu vier Einschüben. Der Übergang zu SoHo's (Small Office Home Office) und Business-Anwender ist fließend. Hier wird laut WD noch weiterer Mehrwert erwartet.

2-Bay-Systeme und vier 4 TByte liegen im Trend

»Es ist ein ganz klarer Trend zu erkennen, dass der Kunde mehr und mehr zu 2- bzw. 4-Bay -Lösungen greift«, sagt Mario Bartnig, Sales Director Branded Products Central Europe bei WD. »2014 ist der Markt im ersten Quartal um rund 50 Prozent (Stückzahl) im Vergleich zum Vorjahr gewachsen.« Ein großes Potential bestehe für Cloud-Lösungen, da viele Standard-3,5-Zoll-Festplatten-Nutzer auf NAS umsteigen. So gut wie jeder deutsche Haushalt habe Potential für eine Personal-Cloud.

Sabine Brückner, Marketing Executive bei Synology, sieht die Entwicklung ähnlich: »Im Business-Bereich ersetzen All-in-One-Speichersysteme bestehende Lösungen oder teure Server. Im Heimbedarf spielt das NAS ebenfalls eine immer größere Rolle. In der Vergangenheit waren es vor allem Prosumer (professional Consumer), die unsere Systeme als Vorreiter Zuhause eingesetzt haben. Mittlerweile erreicht der NAS-Markt langsam den Consumer und damit den Massenmarkt.«

Kaufkriterien: Preis, Kapazität, Ausstattung

Julia Molzen, Buffalo:Julia Molzen, BuffaloDie Masse setzt allerdings noch auf reine Netzwerkfestplatten. Der Einsteigerbereich verzeichnet höhere Zuwachsraten als erwartet. »Im B2C-Bereich verkaufen sich derzeit die 1-Bay-Netzwerkspeicher mit zwei bis drei TByte im Preissegment zwischen 130 bis 170 Euro sehr gut«, sagt Julia Molzen, Senior Manager Marketing & PR Europe bei Buffalo. »Aber auch 2-Bay-Leergehäuse für Einsteiger mit einem Verkaufspreis von unter 100 Euro, sowie vier und sechs TByte bestückte NAS im Preissegment zwischen 250 bis 300 Euro sind begehrt.« Im B2B-Bereich stehen NAS für vier und acht HDDs hoch im Kurs.

Björn Kaun, LenovoBjörn Kaun, Lenovo»Die plattenlosen Geräte verkaufen sich am besten, bei denen der Kunde die Gelegenheit hat, eigene Platten zu verbauen«, ergänzt Björn Kaun, Senior Sales Specialist Server/Storage bei Lenovo. Leersysteme erscheinen zunächst der preiswertere Ansatz zu sein. Bei einem Festplattendefekt während des Garantiezeitraumes, bietet Lenovo beispielsweise einen Vorabaustausch an. Laut Kaun, bevorzugen Anwender Standard-Platten gegenüber Server-Class-Laufwerken. Es sei jedoch ein deutlicher Trend zu reinen NAS-Platten wie WDs »Red«-Serie erkennbar.

Desktop-NAS: Markt & Entwicklung

In Kürze bei uns im Test: 4-Bay-NAS mit USB 3.0 und Cloud-Funktion.In Kürze bei uns im Test: 4-Bay-NAS mit USB 3.0 und Cloud-Funktion.Die technische Entwicklung schreitet vor allem bei Consumer/SoHo-NAS-Servern schnell voran. Die Vereinfachung der Bedienerfreundlichkeit ist längst nicht abgeschlossen. Viele »Early Adopters« nutzen NAS schon seit einigen Jahren und stoßen nun an die Grenzen des bestehenden Systems. Die Kapazität geht zur Neige, die Performance genügt heutigen Bedürfnissen nicht mehr und auch die Cloud-Funktionen der heutigen Produktgeneration bietet deutlich mehr. »Eine klare Anforderung ist, von mehreren unterschiedlichen Geräten auf die gespeicherten Daten zuzugreifen«, hebt WD-Manager Sidhu hervor. Nachdem Tablets und Smartphones Notebooks und PCs die Nutzungsvorherrschaft streitig machen, steigt der Bedarf an zentralen, externen Speichern.

Eine Highend-Funktion, die sicherlich einen noch breiteren Einzug in Desktop-NAS-Systeme halten wird, ist die Virtualisierung. QNAP ist hier schon etwas weiter: »Mit unserem Betriebssystem QTS 4.1 und der Anwendung `Virtualization Station´ kann der Nutzer erstmals direkt auf dem NAS und ohne Hypervisor virtualisieren«, erklärt Mathias Fürlinger, Business Development Bereichsleiter DACH. »Die Erstellung virtueller Maschinen ist damit bezahlbar geworden und Anwender profitieren von den vielen Möglichkeiten, die die gleichzeitige Arbeit mit verschiedenen Betriebssystemen bieten.«

Die Kapazität wird noch mal einen deutlichen Sprung nach oben machen. »Platten mit fünf und sechs TByte sind jetzt am Markt, nächstes Jahr dann vielleicht acht TByte«, sagt Buffalo-Managerin Molzen. »Des Weiteren werden die Prozessoren der Geräte noch schneller, die NAS-Server liegen schon heute am oberen Ende einer Gigabit-Netzwerklast. Neuerungen wird es auch im Bereich der Apps geben, wie App-Store basierende Systeme zum selber nachrüsten mit geprüften Apps.«

Definitiv ein Thema ist Videoüberwachung (Surveillance). Dies zeigt sich in einer verstärkten Nachfrage, bei fast allen Herstellern. WD hat hier beispielsweise mit einer extra für die 24x7-Videoüberwachung konzipierten Festplatte (»WD Purple«) reagiert.

»Für 2014 heißt es außerdem, für den Endkunden die Systeme in der Nutzung noch stärker zu vereinfachen, sich in Sachen Software-Funktionen zu fokussieren und nur die wichtigsten und nötigsten Features zur Verfügung zu stellen«, erläutert WD-Manager Bartnig. »Zu bedenken ist, dass jede zusätzlich genutzte Applikation Einfluss auf die Geschwindigkeit des Systems hat.« Weniger ist in diesem Fall mehr.