27.02.2014 (eh)
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Facebook setzt auf Archivierung mit Blu-ray-Disks

  • Inhalt dieses Artikels
  • Zugriff auf ausgelagerte Dateien dauert ein paar Sekunden
  • Umkopieren von Festplattenarrays ist ein Problem
  • Haltbarkeit von Blu-ray-Disks mit 50 Jahren spezifiziert

Eines der größten Datengenerierungsunternehmen – Facebook mit über 1,2 Milliarden Nutzern – entwickelt ein auf der Blu-ray-Optical-Disk-Technologie basierendes 1-PByte-Storage-Rack. Das Argument für solche Lösungen liegt vor allem in den Kosten, aber auch langfristige Datensicherheit und Energieeffizienz spielen anscheinend eine Rolle.

Ein Like für die Facebook-Strategie pro Blu-ray-Medien (Bild: Incom Storage)
Ein Like für die Facebook-Strategie pro Blu-ray-Medien (Bild: Incom Storage)
Seit nunmehr zehn Jahren sammelt Facebook fleißig alles, was die mittlerweile 1,23 Milliarden Nutzer von sich preisgeben. Viele der Daten werden von den Usern zunächst fleißig geteilt und immer wieder angeschaut. Was jedoch passiert mit den älteren Daten? Diese werden nur noch ab und an aufgerufen, etwa wenn neu hinzugefügte Freunde sich in den älteren Daten umschauen oder man selbst sich vielleicht nostalgisch durch die in die Jahre gekommenen Fotoalben klickt.

Dieses Szenarium ist das Nonplusultra-Anwendungsgebiet für HSM-Software, bemerkt der auf Optical-Disk-Jukeboxen spezialisierte Value-Added-Distributor Incom Storage: »Diese kann den Content je nach Zugriffssituation zwischen den direkt zugreifbaren, schnelleren aber teuren Speichern und den im Unterhalt viel günstigeren Nearline-Storage-Systemen hin und her bewegen.«

Zugriff auf ausgelagerte Dateien dauert ein paar Sekunden

Für den User geschieht das alles im Hintergrund. Denn auch wenn eine Datei im Hintergrund verschoben wird, bleibt ein Link zu dieser Datei auf dem ursprünglichen Datenträger. Und in der Situation eines Zugriffs, in der der User auf eine ausgelagerte Datei zugreifen will – oder im Falle von Facebook auf den Link klickt –, dirigiert das HSM-System die Anfrage auf die tatsächliche Lokation der Datei um. Zwar dauert der Zugriff, je nach verwendetem Nearline-Storage-System dann etwas länger, jedoch ist dieses nicht unbedingt ungewöhnlich. Denn auch das Aufrufen zum Beispiel von Youtube-Videos dauert einige Sekunden, bis das Video gecached ist und anläuft.

Facebook überraschte auf dem »Open Compute Project Summit« letzten Monat mit dem Einblick, dass man für die längerfristige Datenhaltung auf ein mit einem Partner selbstentwickeltes Optical-Disk-Archivsystem setzt. Hierbei handelt es sich um ein auf Blu-ray-Medien basierendes Speichersystem, bei dem ca. 10.000 Blu-ray-Disks mit jeweils 100 GByte in der Summe ein PByte Daten aufnehmen und bereitstellen können. In diesem System befinden sich Cartridges im Einsatz, welche jeweils – wie in ersten 6-fach-CD-Wechslern für's Auto – mehrere Blu-rays enthalten sind. Wird eine Datei aus dem Archiv angefordert, entnimmt eine Robotik die jeweilige Cartridge, befördert sie in wenigen Sekunden zum nächsten Laufwerk, und beginnt dann sofort mit der Übertragung der Daten.

Bereits letztes Jahr überraschte Facebook mit etlichen Ankündigungen, die den Server- und Storage-Markt umkrempeln dürften. Denn das Datenwachstum ist phänomenal. Vor eineinhalb Jahren gab Facebook schon mal den Einblick, dass man um rund 500 TByte täglich wachse. Das dürfte zwischenzeitlich deutlich mehr geworden sein.

Umkopieren von Festplattenarrays ist ein Problem

Das Argument für solche Lösungen liegt nach Meinung von Incom vor allem in den Kosten, aber auch langfristige Datensicherheit und Energieeffizienz spielen eine Rolle. Die in der Regel eingesetzten Festplattenarrays sind teuer in der Anschaffung und nicht zuletzt auch im Unterhalt. Denn in derartigen Einsatzgebieten drehen die Festplatten unentwegt, verbrauchen somit Strom, und produzieren nicht zuletzt auch Wärme, die über eine aufwendige Klimatisierung wieder heruntergekühlt werden muss.

Dazu kommt noch der erhebliche Aufwand, Festplattenspeicher aus Sicherheitsgründen immer wieder umkopieren zu müssen. Wer selbst schon einmal zu Hause seine Fotosammlung oder ähnliches mit beispielsweise ein TByte von einer Festplatte auf eine andere kopiert hat, kann ermessen, über welche Zeiträume gesprochen werden muss, bei Datenmengen, die im vielfachen PByte-Bereich (1 PByte = 1.000 TByte) liegen.

Haltbarkeit von Blu-ray-Disks mit 50 Jahren spezifiziert

Werden keine Daten abgefragt, verbraucht der Medienroboter mit 200 Watt kaum Strom, und die Wärmeentwicklung ist selbst bei Volllast zu vernachlässigen. Nach eigenen Angaben spart Facebook 80 Prozent der Energiekosten, gegenüber den zuvor eingesetzten Festplattensystemen. Zudem ist auch die Haltbarkeit der verwendeten Blu-ray-Medien ein nicht zu vernachlässigender Vorteil der Technologie. Während immerzu drehende Festplatten alle drei bis fünf Jahre ausgetauscht werden müssen, ist nach Angaben von Incom die Haltbarkeit der Blu-rays mit mindestens 50 Jahren um einiges länger zertifiziert.

Gerade im Zeitalter von Big Data ist die Haltbarkeit von Speichersystemen ein großes Thema. Denn anders als bei Geschäftsakten, die in der Regel nach zehn Jahren entsorgt werden können, verspricht dieser neue IT-Trend, auch aus älteren Daten nach langen Jahren noch Profit zu ziehen. Informationen werden immer mehr zur Handelsware, und sind bei richtiger Auswertung einer der wichtigsten Rohstoffe unserer Gesellschaft.

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