02.11.2018 (Doc Storage)
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Kann man ehemalige NAS-HDDs ohne NAS auslesen?

Leserfrage: Folgendes Problem: Ich hatte ein Synology-NAS vom Typ DS218+. Darin waren zwei 2-TByte-Platten verbaut. Jetzt habe ich das NAS verkauft und die Festplatten natürlich aufgehoben und würde gerne an die Daten auf den HDDs kommen. Wie funktioniert das?

Ich habe nur je eine Recovery-Datei auf beiden Platten aber keine Ordnerstruktur, wie sie vorher war, als die Platten noch eingebaut waren.

Antwort Doc Storage:

Tja – wie funktioniert das…? Ich nehme an, dass Sie versucht haben, durch den direkten Anschluss an einen Windows-Rechner an Ihre Daten zu kommen. Dann funktioniert das leider gar nicht. Ihr altes Speichersystem hat entweder BTRFS oder EXT4 als Dateisystem genutzt, beide sind dem NTFS-getrimmten Windows als Dateisysteme völlig unbekannt. Das heißt, das Einzige mit dem Sie hier mit viel Glück eine Sicht auf Ihre alten Daten bekommen könnten, ist das Mounten an ein Linux- oder Unix-System. Aber auch hier müssen Sie einige Hürden überwinden. Die Struktur der Zugriffsrechte muss beispielsweise angepasst werden, um nicht nur den Verzeichnisbaum einlesen und nutzen, sondern auch auf die Dateien selbst zugreifen zu können.

Des Weiteren wäre noch zu klären, ob Sie beide Platten im System entweder ohne RAID-Schutz oder mit RAID 1 konfiguriert haben. Im ersten Falle müssten Sie die zweite Festplatte mit fortlaufender Zylindernummerierung mounten. Das heißt, logisch »hinter« die erste hängen. Dies ist zwar ebenfalls machbar, aber nicht gerade unkompliziert. Im Falle von RAID 1 hätten Sie Glück, da sich auf beiden Laufwerken dieselben Inhalte befinden. Diese ließen sich also an einem Linux- oder Unix-System unter den oben genannten Voraussetzungen (wahrscheinlich) auslesen.

Sollten Sie die Laufwerke allerdings verschlüsselt geschrieben haben, stellt sich eine weitere Hürde, nämlich die Rekonstruktion des verwendeten Schlüssels. Hier müssten Sie sich an Synology wenden, um eine entsprechende Software zu bekommen – wenn es diese überhaupt geben sollte.

Im Ende machen es diese Herausforderungen zusammengenommen sehr unwahrscheinlich, dass Sie die auf den beiden Festplatten gespeicherten Daten jemals wieder auslesen können. Aus meiner Sicht gibt es nur eine Chance: Besorgen Sie sich aus irgendeiner Quelle für einen oder zwei Tage eine DS218+, verbauen Sie die Laufwerke und lesen Sie die Daten aus. Ich will einmal hoffen, dass Sie die Platten nicht schon unter Windows initialisiert haben – dann ist die Chance auf den Zugriff selbst im Ursprungssystem gegen Null. Die einzige Möglichkeit wäre dann, die Daten in »Handarbeit« zylinderweise auszulesen und zu den ursprünglichen Dateien zusammenzusetzen – eine Arbeit, die man seinem ärgsten Feind nicht gönnt.

Ich erspare mir jetzt den Hinweis auf regelmäßige Backups, um dem Auftragskiller zu entgehen. 😉

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (4)
02.11.2018 - Hans

Bei RAID1/JBOD sollte ein Zugriff auf die Daten relativ leicht möglich sein.

Es gibt sowohl für BTRFS als auch EXTx (auch als Open Source) Driver für Windows, sodass auch ein Zugriff über Windows-Systeme möglich ist (Anschluss z.B. über USB/SATA-Adapter).

Bei RAID0 ist es erforderlich, dass das RAID auf einem UNIX/LINUX-System entsprechend gemountet wird (trickreich aber machbar).

Sollten die Platten/das RAID verschlüsselt sein, ist es ziemlich aussichtslos darauf zuzugreifen.

PS: bevor Sie auf die Platten zugreifen, empfehle ich Ihnen einen Clone der Platten anzulegen.

02.11.2018 - Greiner

Na ja, in dem sie hat der Doc schon recht, es geht wohl, aber nur mit Mühe und viel Know-how. Der Fragesteller ist vermutlich kein IT-Profi, daher gehen für ihn die Chancen gegen Null. Je nach Wichtigkeit der Daten, lohnt aber ein kostenpflichtiger Dienst. Die schaffen das.

02.11.2018 - LHL

na ja - angesichts der Art der Fragestellung würde ich in diesem Fall eher auf die Nutzung professioneller Datenretter (wie z.B. ontrack) hin- oder verweisen, wenn die Daten denn tatsächlich noch gebraucht werden ... Hoffnungslos ist es sicher nicht.

02.11.2018 - speicherguide.de

Eine sicher lustige Antwort, die so aber nicht stehen bleiben sollte,
sicher erfordert das Wiederherstellen jetzt überraschend viel Wissen und Mittel, ist aber überhaupt nicht hoffnungslos:
Die Platten sind physikalisch noch intakt.
Die von Synologie verwendeten Dateisysteme haben redundante Dateisystem-Strukturen, selbst wenn Windows sie teilweise überschrieben haben.
Mit einem Standard-Linux läßt sich die Struktur analysieren und m.E. im 5 Stunden-Fenster eine Wiederherstellung wieder anschieben - mit "Glück" hat das nichts zu tun.
Selbst ein einfaches Zusammensetzen der Dateien mit photorec, weil man die aufwändigere Analyse scheut dürfte z.B. bei Bildern lohnenswerte Ergebnisse zeigen.
HG
Mark Bröcker