16.11.2018 (Doc Storage)
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Was ist das HAMR-Verfahren?

Leserfrage: Der Begriff des Heat-Assisted Magnetic Recording (HAMR) ist vor ein paar Jahren erstmals aufgetaucht, nun deuten sich die ersten Produkte an. Da bietet sich die Frage an, was ist HAMR und wie funktioniert es? Lassen sich die Kapazitäten herkömmlicher Festplatten tatsächlich wie prognostiziert steigern?

Antwort Doc Storage:

HAMR (Heat-Assisted Magnetic Recording) beschreibt ein Verfahren zur Speicherung von Daten auf magnetischen Oberflächen, das wesentlich höhere Kapazitäten als auf den momentan verwendeten Festplatten ermöglichen soll. Im Jahr 2002 wurde erstmals ein mit dem HAMR-Verfahren ausgestattetes Labormuster präsentiert. Vor rund fünf Jahren kündigte die Industrie dann erstmals Serienmodelle an, diese sind allerdings Stand heute noch nicht verfügbar.

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Wie der Name schon sagt, benötigt HAMR eine Energiequelle, um den Bereich zu erhitzen, auf dem Daten gespeichert werden sollen. Es werden möglichst kleine Abschnitte des Trägermaterials (Domänen) mit einem Laser kurz über die Curie-Temperatur erhitzt, über welcher ein magnetischer Stoff seine elektrischen und magnetischen Eigenschaften verliert. Durch das Erhitzen lässt sich das benötigte Magnetfeld klein halten und das Schreiben trotz geringen superparamagnetischen Effektes ermöglichen. Bei herkömmlichen senkrecht schreibenden Verfahren ohne diese Erwärmung gilt der Punkt seit mehreren Jahren erreicht, ab dem keine weitere Verkleinerung der Einzelinformationen und kein weiteres Zusammenrücken dieser Domänen mehr möglich ist.

Bezüglich der durch HAMR möglichen Kapazitäten wird seit zirka zehn Jahren sehr kontrovers diskutiert. Zu Beginn gab Seagate an, bereits 2010 knapp 40 TByte in einem normalen 2,5-Zoll-Medium speichern zu können. Diese Einschätzung nahm der Hersteller allerdings schon drei Jahre später zurück und gab nur noch die halbe Speicherkapazität an, erreichbar bis 2020. Die noch 2013 für möglich gehaltenen 60 TByte, werden wir so schnell nicht erleben.

Ein zusätzliches Problem stellt die Anfälligkeit des in einer Festplatte enthaltenen Schmiermittels dar. Die Hersteller wollen dies mit einer zusätzlichen Speicherung in kleinsten Kunststoffreservoirs umgehen, aus denen bei Bedarf zusätzliches Schmiermittel abgegeben werden kann. Eine weitere Herausforderung ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Headcrashes durch diese Problematik. Doch auch hier sind die Hersteller natürlich optimistisch, dies bis zur Serienreife in den Griff zu bekommen.

Gruß
Doc Storage

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